Nachspiel

Statt der Kleinen stört ein Großer

Ein Kommentar von Kai Schiller

Selbstverständlich wird die Diskussion, warum Deutschland gegen Fußballzwerge wie Kasachstan spielen muss, auch an diesem Dienstagabend mit Vehemenz geführt werden. Sollte die DFB-Auswahl den Außenseiter in der ersten Halbzeit nicht mit wunderschönen Tiki-Taka-Fußball an die Wand gespielt haben, wird wohl schon in der Halbzeitpause wieder diskutiert werden, wie sehr die Kleinen stören. Und irgendein Experte wird wieder fordern, dass sich Teams wie San Marino, Malta und eben Kasachstan - der neuntgrößte Staat der Welt - bitteschön in einer Vorqualifikation ausprobieren sollten.

Die Debatte ist weder neu noch zielführend. Gerne wird dabei vergessen, dass Spiele gegen Deutschland für kleinere Nationen echte Fußballfeiertage sind. Umgekehrt darf sich Bundestrainer Joachim Löw darüber freuen, dass er Schnapsideen wie ein stürmerloses Spielsystem mit größerem Erfolg zunächst mal gegen die Kleinen ausprobieren darf. Und keiner sollte vergessen, dass regelmäßig die Großen gegen die Kleinen stolpern, was den Reiz der Qualifikation erst ausmacht. Ein Blick auf die aktuellen WM-Qualifikations-Tabellen genügt.

Nein, viel nerviger als die Kleinen ist ein Großer. Die Idee von Uefa-Präsident Michel Platini, dass ab der EM 2016 statt 16 Nationen 24 in der Endrunde dabei sind, führt das ganze System ad absurdum. Wenn sich jedes zweite Team qualifiziert, gibt es kaum noch Ausrutscher der vermeintlich Großen, der Reiz ist weg und die Diskussionen, warum Deutschland eigentlich gegen Mannschaften wie Kasachstan spielen muss, werden sicherlich nicht leiser.

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