Bayern jagen eigenen Rekord

Nach dem 4:0 gegen Schalke ist nur noch offen, wann die Münchner ihren 22. Titelgewinn feiern dürfen

München. Die Schampuskorken knallten noch nicht in der Bayern-Kabine. "Es hat Wasser gegeben und keinen Champagner", verriet Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Aber nach einem "wunderbaren Spieltag", wie Präsident Uli Hoeneß resümierte, stellt sich nur noch die Frage, wann die Münchner in der 50. Bundesligasaison den Titelgewinn perfekt machen. "Wir dürfen die Meisterschaft jetzt nicht mehr verlieren", erklärte Arjen Robben nach dem locker-flockigen 4:0 (2:0) gegen erschütternd wehrlose Schalker. Bezeichnend eine Szene nach dem 4:0 durch Mario Gomez, als sich der unterbeschäftigte Torwart Manuel Neuer vor dem Wiederanpfiff einige Bälle von Reservist Thomas Müller zuwerfen ließ, die er seinem Kollegen zurückköpfte.

Die bislang frühesten Meisterschaften der Bundesliga-Geschichte gelangen den Bayern in den Spielzeiten 1972/73 und 2002/03 jeweils am 30. Spieltag. Im Jubiläumsjahr dürfte es nach dem Zwischenspurt mit 15 Punkten Vorsprung auf Platz zwei - nie zuvor führte ein Tabellenführer nach 21 Spieltagen so deutlich! - vermutlich noch zeitiger der Fall sein.

Spannend ist allenfalls noch, wie groß der Vorsprung auf die Konkurrenz aus Dortmund und Leverkusen ausfallen wird. Nach der Dreipunkteregel berechnet, deklassierten die Bayern vor 40 Jahren den zweitplatzierten 1. FC Köln um 20 Punkte. Auch dieser Rekord könnte fallen, genau wie die Bestmarke der wenigsten Gegentore. 2007/08 mussten die Bayern nur 21 Treffer hinnehmen, aktuell sind es nur sieben.

Jupp Heynckes, der mit 67 Jahren designierte älteste Meistertrainer in der Bundesliga-Historie, zeigte gegen Schalke ein Herz für frustrierte Reservisten. Gomez, Robben und Jerome Boateng rotierten für Mario Mandzukic, Thomas Müller und Daniel van Buyten in die Startelf, später erhielten sogar noch Rafinha, Luiz Gustavo und Diego Contento Spielpraxis. Eine Maßnahme, die den bislang betrübten Bankhockern Respekt abnötigte. "Der Trainer hat Mut, er hat 'nen Arsch in der Hose. Ich bin ihm sehr dankbar", erklärte Gomez: "Das hätte ja auch in die Hose gehen können." Allerdings nicht gegen "Schalke 0:4".

Doch weder der souveräne Sieg noch die zu 99,9 Prozent entschiedene Meisterschaft oder die tolle Leistung des jungen Verteidigers David Alabas bestimmten die Diskussionen nach dem Abpfiff. Das große Thema war Robert Lewandowski. Durch München geistert schon das Wort Vorvertrag, die Berater des polnischen Nationalspielers sollen sich mit der Clubführung des FC Bayern bereits einig sein. Das erzählt unter anderem Lothar Matthäus. Hoeneß ärgert das, er spottete bei Sport1 im Doppelpass: "Lothar hat sich in den vergangenen Monaten immer mit Frauen beschäftigt, jetzt diskutiert er über neue Spieler beim FC Bayern. Offensichtlich hat er sein Jagdfeld verändert."

Dass die Spekulationen um Lewandowski das vorhandene Personal jedoch nicht unbeeindruckt lässt, machte Gomez deutlich: "Irgendwann wird der Verein uns sagen, wie er plant. Ein Bekenntnis im Moment sieht anders aus für die Stürmer, die da sind", sagte der Bayern-Stürmer. Er habe "keine Angst, vor niemandem", versicherte Gomez. Trotzdem würde er mehr Rückendeckung für Mario Mandzukic, Claudio Pizarro und sich selbst erwarten: "Der Verein muss sich klar bekennen und uns sagen, was los ist."

Wesentlich zahmer präsentierte sich Arjen Robben, der erstmals seit Anfang November in der Bundesliga zur Startelf gehörte, das 3:0 von Alaba einleitete und das 4:0 von Gomez vorbereitete. "Der Einsatz von Anfang an war ganz wichtig für mich", so Robben.

In der Hinrunde hatte er zwei Monate verletzt gefehlt und war seitdem nur Reservist. Nach dem 3:0 in Mainz vor einer Woche hatte Robben nur sieben Minuten nach Abpfiff im Mannschaftsbus gesessen. Der Frust war ihm anzusehen, und viele fragten: Wie lange geht das mit Robben und Heynckes noch gut? Eine Diskussion, die den Profi nervt. "Das ist ein Problem in Deutschland. Wir spielen gut, und einige sagen, ich bin schwierig, weil ich mal schnell dusche. Ich bin nicht schwierig!", so Robben.

Es gehe doch um den Erfolg der Mannschaft, nicht nur um ihn. Die Situation sei schwierig für ihn gewesen. Es sei aber keineswegs so, dass er kurz davor gewesen sei auszurasten. "Ja, ich war enttäuscht. Ja, ich bin nur zufrieden, wenn ich spiele. Muss ich eine Polonaise starten und sechs Ehrenrunden drehen? Man sollte nicht übertreiben."

Die nächsten Wochen halten schwere Aufgaben für die Bayern bereit: Achtelfinale der Champions League gegen den FC Arsenal, Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund. Spielt dann wieder Müller? Oder Robben? Heynckes könne sich ja auch für ihn eine Taktik mit ihm und Müller entscheiden, sagte Robben. Er sei mit seinem Spiel gegen Schalke zufrieden, hätte aber zwei Tore schießen können. "Ich würde gern weiterspielen, um noch stärker zu werden." Es scheint, als ob die Jagd nach Titeln und Rekorden gerade erst begonnen hat.