Bremer beim 0:6 in Stuttgart nur ein guter Sparringspartner

Stuttgart. Der VfB Stuttgart hat sein strahlendes Europa-League-Gesicht endlich auch wieder in der Bundesliga gezeigt und die Krise bei Werder Bremen dramatisch verschärft. Durch das überzeugende und hochverdiente 6:0 verließ der VfB am Sonntag die Abstiegsränge, während die erschreckend schwachen Bremer ihre vierte Niederlage in nur 13 Tagen kassierten. Für den VfB war es der zweithöchste Saisonsieg nach dem 7:0 über Mönchengladbach, für Werder die höchste Pleite seit dem 1:7 gegen die Gladbacher im März 1987.

"Das war eine eindeutige Sache. Wir haben in absolut keiner Weise Gegenwehr gezeigt. Wir waren ein guter Sparringspartner", stellte Werders Trainer Thomas Schaaf ernüchtert fest. "Wir waren ohne jegliche Aggressivität, ohne Zweikampfführung. Dann verliert man ein Spiel so." Der starke Stuttgarter Christian Träsch konnte indes zufrieden sein: "Das war ein intensives Spiel. Wir haben heute verdient gewonnen. Wir wollten ein Zeichen setzen, und das ist uns gelungen."

Dieses Zeichen wäre noch deutlicher ausgefallen, wenn Cacau nicht noch einen Foulelfmeter gegen seinen Nationalmannschafts-Kollegen Tim Wiese verschossen hätte. Nicht besser machte es Werders Kapitän Torsten Frings. Er verschoss erstmals nach sechs Jahren einen Elfmeter. Während die Stuttgarter (10) sich auf Rang 14 verbesserten, bleiben die Bremer im Mittelfeld stecken. Erschreckend: Mit 27 Toren haben sie die zweitmeisten Gegentreffer nach Schlusslicht Borussia Mönchengladbach (33) kassiert.

Beide Teams plagten Personalprobleme. Den Schwaben fehlten allein sieben Spieler, bei Werder sah es nicht viel anders aus. Die Stuttgarter konnten den Spieler-Aderlass allerdings besser verkraften. Nahtlos knüpften sie an die gute Leistung vom 3:0 aus dem Europa-League-Spiel bei Getafe in Spanien an: aggressiv, schnell, kombinationssicher und konsequent bei der Chancenauswertung.

Vor allem die Umstellung in der Mittelfeld-Zentrale zahlte sich aus: Erstmals hatte VfB-Trainer Jens Keller sein Wunschduo Träsch und Gentner aufbieten können - und durfte sich bestätigt fühlen. Schon zur Halbzeit war die Partie entschieden. Die Bremer gingen zwar das hohe Tempo des VfB mit, doch erneut machte das dilettantische Defensivverhalten alle Bemühungen des Champions-League-Teilnehmers zunichte.