Mario Balotelli ist auch für England die Reizfigur

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Krakau. Cesare Prandelli kennt keine Angst. Allen Warnungen zum Trotz setzt Italiens Nationaltrainer auch gegen England auf Mario Balotelli - das Enfant Terrible mit den zwei Gesichtern. Als "Super Mario" soll der unberechenbare Stürmer die Azzurri am Sonntag (20.45 Uhr/ARD) in Kiew ins EM-Halbfinale schießen, so lautet zumindest Prandellis Rechnung. Doch ein unkalkulierbares Risiko bleibt. Als "Mad Mario" könnte sich der Spätpubertierende von seinen Premiere-League-Rivalen provozieren lassen. Die Kollegen von Manchester City kennen Balotellis schwache Stellen genau.

Prandellis Vorgänger Marcello Lippi hätte den unzähmbaren Angreifer nicht mal in die Nähe der Nationalelf gelassen. "Tief in seinem Herzen ist Mario ein Goldjunge", entgegnet Prandelli. Gegen Spanien und Kroatien vergab der 21-Jährige Riesenchancen, spielte egoistisch und undiszipliniert. Gegen Irland traf er zum entscheidenden 2:0. Wie ein Vater nimmt Prandelli seinen Rebellen mal in Schutz, mal liest er ihm die Leviten: "Will er ein echter Champion werden, muss er Kritik akzeptieren lernen", betonte der Coach.

Englands Presse hat sich auf den elfmaligen Nationalspieler eingeschossen. Der Druck ist riesig, das Ausraster-Risiko hoch. Aber Prandelli braucht den bulligen Sturmhünen gegen die robuste englische Abwehr um City-Teamkollege Joleon Lescott, der den Italiener stoppen soll. Sturmpartner Antonio Cassano und Balotelli-Alternative Antonio Di Natale sind quirlig, aber klein.

Seit 35 Jahren hat Italien kein Turnierspiel gegen England verloren. "Wir werden es aber nicht aufs Elfmeterschießen ankommen lassen", meinte Abwehrchef Daniele De Rossi, auch wenn Elfmeter für die Engländer ein Trauma seien. "Wir können gar nicht auf Ergebnis spielen", räumte Prandelli ein. Er hat den ängstlichen Catenaccio durch Calcio furioso ersetzt. Auch im Viertelfinale will der viermalige Weltmeister offensiv und mutig spielen. So mutig wie Prandelli, der es wagt, auf Balotelli zu setzen.

( (dpa) )

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