Bundesliga

Schalke stolpert und setzt die blauweiße Brille ab

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Thomas Lipinski

Schalke 04 stolpert im Titelrennen und hadert mit den hohen Erwartungen des Umfeldes.

Gelsenkirchen. Die Schalker Tormaschine war eingefroren, die Stimmung auf den Rängen unterkühlt, doch Horst Heldt redete sich langsam warm. „Wenn einer glaubt, dass wir durch die Liga fliegen und jeden schlagen, der verkennt, dass dies die ausgeglichenste Liga in Europa ist“, sagte der Manager von Schalke 04 nach dem enttäuschenden 1:1 (0:1) gegen den FSV Mainz 05 und dem Ende der Siegesserie: „Träumen ist gut. Aber man muss sich selbst richtig einschätzen können und nicht nur mit der blauweißen Brille rumlaufen.“

Im Titelrennen der hochgejubelten „Fantastischen Vier“ waren die Königsblauen ausgerechnet an der vermeintlich niedrigsten Hürde gestolpert. Doch die Schalker Verantwortlichen ärgerten sich weniger über die liegen gelassenen Punkte, als über die hohen Erwartungen im Umfeld.

„Wir haben nicht gegen den FC Hüppelbüpp gespielt“, formulierte es Trainer Huub Stevens. Den Rückschlag ordnete der Niederländer ganz anders ein: „Wir haben wieder einen Schritt in eine gute Richtung gemacht. Das hört sich für einige fremd an, aber wir sind noch in der Entwicklung.“

Zum Lernprozess gehörte nach fünf Siegen in Folge diesmal der Umgang mit vielen Unwegsamkeiten. Eine fast perfekt organisierte, früh störende und couragiert konternde Mainzer Mannschaft, die durch Heimkehrer Mohamed Zidan früh die Führung erzielte (15.), stoppte den gewohnten Schalker Angriffsschwung. Das Pfeifen und Murren der erfolgsverwöhnten Zuschauer nach den ersten Fehlpässen erschwerte die Suche nach einer Lösung zusätzlich.

„Die Leute im Stadion waren sehr schnell nervös. Da müssen wir höllisch aufpassen, denn es steht nach wie vor eine sehr junge Mannschaft auf dem Platz“, sagte Heldt und forderte: „Die Leute sollen uns unterstützen.“ Nach der Halbzeit, als mit Rückkehrer Jefferson Farfan nach zweieinhalb Monaten Verletzungspause und Jose Manuel Jurado mehr spielerische Qualität und Tempo ins Spiel gekommen waren, stieg die Temperatur nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf den Rängen.

Neuzugang Chinedu Obasi gelang mit einem spektakulären Solo der Ausgleich (59.), doch trotz 13:2 Ecken und deutlich mehr Angriffsdruck reichte es diesmal nicht zum Sieg. „Natürlich ist es schön da oben“, sagte Heldt mit Blick auf die Tabelle, „uns gefällt es da, und wir wollen da auch bleiben. Aber man muss auch mal demütig und mit einem Punkt zufrieden sein.“ Immerhin behaupteten sich die Königsblauen einen Punkt vor Verfolger Borussia Mönchengladbach, auf den sie am kommenden Samstag im direkten Duell treffen. „Im Grunde ist nichts passiert“, fasste Heldt zusammen.

Das sah Trainer Thomas Tuchel für seine Mainzer naturgemäß völlig anders. Vor allem Zidans Rückkehr änderte einiges. „Er hat sofort ein Tor gemacht, das der Mannschaft weiterhilft“, sagte der Coach und gab zu, dass der Einsatz des Ägypters noch am Morgen vor dem Spiel auf der Kippe gestanden hatte: „Er hatte die Nacht kaum geschlafen und sich mehrmals übergeben. Erst am Mittag hat er gesagt: Ich kann spielen, keine Sorge.“

Mit seinem ersten Bundesliga-Tor seit dem 13. März 2010 knüpfte der 30-Jährige gleich an seine erfolgreiche Mainzer Vergangenheit an. „Ich habe genau das gemacht, was ich schon früher in Mainz gemacht habe“, sagte Zidan, der in 41 Bundesligaspielen zuvor für die „Nullfünfer“ 22 Treffer erzielt hatte. „Ich freue mich, wieder zu Hause zu sein“, fügte er an. Ein Andenken an die dreieinhalb Jahre bei Borussia Dortmund brachte er dennoch mit: Sein Tor auf Schalke erzielte er in schwarzgelben Schuhen.

FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 1:1

Schalke: Unnerstall - Höger, Papadopoulos, Höwedes, Christian Fuchs - Matip - Obasi, Draxler (46. Jurado) - Raul (73. Pukki) - Marica (46. Farfan), Huntelaar. - Trainer: Stevens

Mainz: Wetklo - Pospech, Bungert, Noveski, Zabavnik - Kirchhoff - Marco Caligiuri (69. Nicolai Müller), Soto (83. Malli) - Polanski (76. Baumgartlinger) - Choupo-Moting, Zidan. - Trainer: Tuchel

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Tore: 0:1 Zidan (15.), 1:1 Obasi (59.)

Zuschauer: 60.557

Beste Spieler: Höwedes, Farfan - Soto, Zidan

Gelbe Karten: Obasi (4), Christian Fuchs (3) - Kirchhoff (4), Pospech (4)

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