Serbiens Radomir Antic setzt auf deutschen Block

Dortmunds Subotic und Stuttgarts Kuzmanovic sollen die Defensive ordnen

Port Elizabeth. Jede Erinnerung an die Schmach von 2006 ist tabu: Mit einer Mischung aus Trotz und Entschlossenheit bestiegen die Serben am gestrigen Morgen das Charterflugzeug nach Port Elizabeth, wo es heute (13.30 Uhr/ZDF) gegen Deutschland um alles oder nichts geht. "Wir werden 100 Prozent geben", kündigte Verteidiger Neven Subotic Wiedergutmachung für den 0:1-Fehlstart gegen Ghana an. Gar von einem "historischen Spiel" sprach Trainer Radomir Antic. "Es ist eine mentale Last. Viel haben wir bisher nicht geschafft", räumte der 61-Jährige bei der abschließenden Pressekonferenz im Mandela Bay Stadium ein. Dennoch haben alle aus der serbischen Reisegruppe den Gedanken an den Vorrunden-K.-o. vor vier Jahren verdrängt, als die "Weißen Adler" noch unter dem Namen Serbien-Montenegro nach drei Vorrundenniederlagen zurück in die Heimat flogen. "Wir haben uns verändert und lassen uns nicht mehr so leicht aus der Bahn bringen", sagte Marko Pantelic selbstbewusst. Doch ausgerechnet dem Ex-Berliner droht nach schwachem Turnierstart gegen Joachim Löws Ballkünstler die Bank - eine Einsatzgarantie erhielt nur BVB-Profi Subotic.

Nur Dortmunds Neven Subotic hat eine Einsatzgarantie bekommen

"Er wird sicher einer in der ersten Elf sein. Aber fragen Sie nicht, wer die anderen zehn sind", sagte Antic. Mit geballter Deutschland-Erfahrung und in roten Trikots wollen die angezählten Serben im Duell mit Schweinsteiger & Co. zurückschlagen. Subotic wird in die Abwehr rücken, Stuttgarts Zdravko Kuzmanovic soll im defensiven Mittelfeld aufräumen. Der Nicht-mehr-Kölner und künftige ZSKA-Moskau-Wirbler Zoran Tosic gilt als erster Joker. "Wir müssen entspannter spielen. Wir dürfen nicht so spielen, als wenn eine Last auf unseren Schultern liegt", forderte Antic und gab den Mutmacher: "Ich denke, dass ich mit meinem Team rechnen kann."

Der Glaube an Besseres ist allerdings erst langsam wieder eingezogen in das serbische WM-Quartier im Sunnyside-Park-Hotel in Johannesburg. In den ersten Tagen nach der unerwarteten Ghana-Pleite schlichen die sonst so selbstbewussten und redefreudigen Balkan-Profis geknickt durch die Hotelflure. Auch Wortführer Pantelic ("Wir können hier alle schlagen") produzierte kaum noch Schlagzeilen. Coach Antic musste sogar im Training dazwischengehen und mehr Einsatz fordern. "Ich war vor allem damit beschäftigt, die Moral meines Teams wiederherzustellen", räumte der 61-jährige Wahl-Spanier, der Wohnsitze in Marbella und Madrid besitzt, freimütig ein.