Warum Brasiliens Weltstar Kaká vor der WM in Watte gepackt wird

Nationaltrainer Dunga hat keinen Ersatz für den 28-Jährigen parat

Johannesburg. Ein Weltstar in Watte: Nationaltrainer Carlos Dunga würde den zuletzt oft verletzten Kaká am liebsten einpacken - denn noch nie war der Mittelfeldstratege so wichtig für Brasilien wie in Südafrika. "Wir mussten ihn bremsen, weil er manchmal am liebsten morgens, mittags und abends trainieren würde", sagte Dunga über den Weltfußballer des Jahres 2007. "Er hat bei Real Madrid drei oder vier Monate nicht gespielt und musste intensiv in der Auswahl trainieren, um das aufzuholen. Wir arbeiten weiter an unserem Plan, damit Kaká so zur WM kommt, wie ihn Brasilien braucht."

Ein Ausfall von Kaká würde die Seleção härter treffen als die deutsche Mannschaft der von Kapitän Michael Ballack. Denn Dunga hat keine echte Alternative für den Superstar in der Hinterhand, nachdem er Ronaldinho verschmäht hat. "Wir brauchen Kaká sehr. Er ist der Lenker im Team, derjenige, der den Rhythmus vorgibt", sagte Mitspieler Gilberto Silva. Beim 5:1-Sieg des fünffachen Weltmeisters am Montagabend in Tansania erzielte Kaká ein Tor. Viel wichtiger war: Er stand 90 Minuten auf dem Platz. Nach seinen muskulären Problemen im Oberschenkel, die ihn zuletzt plagten, fühlte er sich noch etwas gehemmt. "Aber ich hatte null Schmerzen", berichtete der 28-Jährige. Bei seiner dritten WM soll Kaká die Brasilianer zur "Hexa", dem sechsten Titel, führen. Als die Südamerikaner zuletzt 2002 in Südkorea und Japan triumphierten, war der strenggläubige Profi noch ein Lehrling auf der Weltbühne und nur einmal eingewechselt worden.

2006 in Deutschland stand Kaká im Schatten der Diva Ronaldinho und musste miterleben, wie er und seine überheblichen Kollegen im Viertelfinale gegen Frankreich rausflogen. Nun gibt es für Ricardo Izecson dos Santos Leite, wie Kaká eigentlich heißt, "kein anderes Ziel" als den WM-Pokal: "Wir haben eine Geschichte, der wir gerecht werden müssen." Kaká hängt jedoch seine ganz schwierige erste Saison in Spanien wie zäher Schlamm an den Kickschuhen. Der Brasilianer war im vorigen Sommer der erste Weltstar, den Real-Präsident Florentino Pérez bei seiner Einkaufstour für 65 Millionen Euro erstand. Damit ist Kaká nach Cristiano Ronaldo (94 Millionen Euro)und Zinédine Zidane (75) der drittteuerste Spieler der Fußball-Historie. Glänzen konnte er in Madrid aber kaum.

Im Frühjahr kamen dann Verletzungen hinzu. Mal war es eine Adduktorenzerrung, mal eine Schambeinentzündung. Manche Fans mutmaßten schon, der Neuzugang vom AC Mailand wolle sich für die WM schonen. Jetzt kämpft Kaká verbissen um seine Form. "Ich muss noch lockerer werden, aber ich habe ja noch eine Woche Zeit für spezielle Übungen, um mich wohl zu fühlen", sagte er vor dem ersten Gruppenspiel des WM-Favoriten am kommenden Dienstag in Johannesburg gegen Nordkorea. Falls Kaká das Turnier aber nicht durchsteht, müsste Dunga seine Strategie komplett über den Haufen werfen. Allenfalls Elano von Galatasaray Istanbul oder Julio Baptista vom AS Rom gelten als Alternativen - von der Position her, nicht aber von den Fähigkeiten. Und Altmeister Ronaldinho steht nur auf der Liste derjenigen Spieler, die bei einem Ausfall noch vor der ersten Partie nachnominiert werden können. Aber ein Kaká lässt sich ohnehin nicht klonen.