TV-Kritik

Irrer Nahblick auf den Fußball

Christoph Rybarczyk

Die Fernsehtechniker der Uefa haben sich für das Viertelfinale qualifiziert. Zehn Tage nach dem Anpfiff haben Fußballübertragungen weltweit eine neue Benchmark. Was Kamera und Regie aus Polen und der Ukraine zeigen, kann sich sehen lassen. Die Torschüsse, Fouls, Abseitsstellungen und Grimassen in hochauflösender Nahaufnahme - das ist schon Fußball hautnah. Der irre Nahblick offenbart auch die hässliche Seite dieses Söldnersports. Da wird gerissen, gehalten, mit Hand oder Ellenbogen geschlagen. In der Nahbetrachtung war zum Beispiel gut zu sehen, wie beim Zusammenprall von Schweinsteiger und Bendtner der Deutsche auf den Ball trat und sich leicht verletzte. Fußball bleibt ein Kampfsport.

Zweite Erkenntnis: Die rasenhalmscharfe Bildführung der Uefa lügt. Sie spielt - siehe Joachim Löw mit seinem Balljungen-Spaß - Szenen ein, die ein Live-Ereignis nur vorgaukeln. Es kommt kaum Kritik von den Öffentlich-Rechtlichen, weil sie für die TV-Rechte viel Geld zahlen. Aber auch beim Fernsehsport, den sogar das Bundesverfassungsgericht für schützenswert erklärt und vom Pay-TV ausgeschlossen hat, geht es um mehr als das "Ab-Bilden". Wenn kritisches Nachfragen und unabhängige Regie immer weiter begrenzt werden, dann verdient diese Art der Übertragung nur einen Titel: den Big-Brother-Brumm-Brumm-Award von Bernie Ecclestone, Chef der Formel 1.