Hamburg Freezers

Schubert: „Das Team will mit Laporte weiterarbeiten“

Kapitän Christoph Schubert spricht über den Aufschwung bei den Hamburg Freezers, das Verhältnis zu Trainer Benoît Laporte und über sein bewegendes Jahr 2013.

Hamburg. Als Christoph Schubert, 31, am Montagmorgen zum Abendblatt-Interview ins Café Estoril in der Osterstraße kommt, hat er Verstärkung mitgebracht. Sohn Lenni schlummerte ruhig in seinem Kinderwagen vor sich hin, als der Kapitän der Hamburg Freezers über das Jahr 2013 spricht.

Hamburger Abendblatt: Herr Schubert, welche Rolle ist im Moment schwieriger? Die des Vaters oder die des Freezers-Kapitäns?

Christoph Schubert (lacht): Im Moment ist beides ziemlich entspannt. Der Kleine wächst und gedeiht. Mit den Freezers gehen wir gemeinsam mit Köln als Tabellenführer ins neue Jahr. Mehr geht doch nicht. Ich bin derzeit richtig glücklich.

Dabei haben Sie ein turbulentes Jahr hinter sich. Vor allem privat.

Schubert: Es war wirklich sehr ereignisreich. Im Sommer kam der kleine „Furz“ auf die Welt. Das verändert ein Leben für immer. Zumal die Geburt nicht einfach war. Lenni kam sieben Wochen zu früh, meine Lebensgefährtin Janina musste notoperiert werden. Es war eine schwere Zeit. Aber Gott sei Dank hat sich alles zum Guten gewendet. Zwischenzeitlich hatten wir große Angst. Und dann kam auch noch im Herbst meine Gehirnerschütterung dazu.

Sie sprechen den Check von Iserlohns Richard Jares an: Wie nah war für Sie das Karriereende?

Schubert: Natürlich habe ich in der Situation ein mögliches Karriereende im Kopf gehabt. Ich habe das Thema zu Hause bei meiner Lebensgefährtin und meinen Eltern angesprochen. Aber alle haben sofort gesagt. „Mit dem Mist brauchst du gar nicht erst anfangen. Reiß dich zusammen. Du packst das!“ Dann war das Thema für mich vom Tisch.

Wie schwer war es, mit der Gehirnerschütterung den Alltag fern vom Eishockey zu bewältigen?

Schubert: Es war alles schon beängstigend. Ich habe ungefähr eine Woche nach dem Unfall meinen Sohn gewickelt und fünf Minuten später noch einmal. Ich hatte es schlicht vergessen, dass ihm schon neue Windeln angelegt habe. Das war schon krass!

Lassen Sie uns über schönere Dinge sprechen. Die Freezers sind zusammen mit Köln Tabellenführer. Und dass, obwohl man im Oktober Letzter war. Wie erklären Sie sich die Wandlung?

Schubert: Wir sind zu Saisonbeginn in eine Negativspirale gerutscht, hatten viele Verletze, ein neues System. Vielleicht tat es uns ganz gut, richtig am Boden zu sein. Wir haben uns in der Kabine gesagt: „Alter Schwede, es kann so einfach nicht weitergehen.“

Der externe Druck nahm zu. Die ganze Aufbruchstimmung, die im Vorfeld der Saison herrschte, war im Oktober weg.

Schubert: Das stimmt! Ich sage Ihnen mal was: Nicht nur der externe Druck war brutal, auch der interne. Jeder hat sich selbst Vorwürfe gemacht, dabei aber nie mit dem Finger auf andere gezeigt. Hätte die Krise aber nur zwei, drei Wochen länger gedauert, hätte es aber wohl eine große Explosion in welcher Form auch immer gegeben.

Zum Beispiel durch einen Trainerwechsel. Die Freezers haben an Benoît Laporte festgehalten. Eine gute Entscheidung, wie man jetzt sieht. Wie war das Verhältnis zum Coach in der Krise?

Schubert: Nach dem Ingolstadt-Spiel im Oktober (1:5, d. Red.) ist Benoît in die Kabine gekommen und hat die Vertrauensfrage gestellt. Wir haben als Team klar gesagt, dass wir mit ihm weiterarbeiten wollen. Es folgte eine brutal harte Straftrainingswoche. Da hätten wir Spieler auch denken können: „Du Depp, wir sprechen dir unser Vertrauen aus, und du lässt uns hier leiden.“ Aber er hatte ja völlig richtig gehandelt. Wir standen und stehen hinter dem Trainer.

Laportes Vertrag läuft im Frühjahr aus, die Freezers zögern, die Vertragsoption zu ziehen.

Schubert: Ich wusste nicht, dass es eine Option auf den Trainer gibt. Ich finde, es spricht nichts dagegen, mit Benoît weiterzumachen. Das Team will mit Laporte arbeiten. Hoffentlich einigen sich Club und Trainer bald.

Im Moment läuft alles nach Plan. Was kann die Freezers denn überhaupt stoppen. Viele sehen den Club schon als Meisterkandidaten.

Schubert: Es ist noch zu früh, um über den Titel zu sprechen. Der Januar war immer unser „Scheiß-Monat“. Ich hoffe, wir hatten ihn dieses Mal schon im Oktober. Im Moment ist wirklich alles gut. Ich habe nur Angst, wenn Unruhe reinkommen sollte. Wenn Spieler unzufrieden sind, Angebote von anderen Clubs kommen, die Freezers vielleicht einen Vertrag nicht verlängern. Dann ist die Frage, ob sich diese Spieler noch in die Schüsse werfen und alles geben. Wenn jeder seine Rolle akzeptiert, wie im Moment, können wir viel erreichen.

Apropos erreichen: Was sind Ihre Vorsätze für das Jahr 2014?

Schubert: Ich habe meinen Vertrag bis 2017 verlängert und werde in Hamburg sesshaft werden. Es wäre toll, wenn ich nach der Karriere den Freezers erhalten bleiben könnte. Entweder im Jugendbereich, oder ich gehe in die Presseabteilung (lacht). Aber aktuell habe ich ein ganz anderes Problem:

Und zwar?

Schubert (lacht): Ich versuche für meine Familie ein Haus in Hamburg zu finden. Das ist so schwer! Also, liebe Hamburger: Wenn ihr ein Häuschen an einen Eishockeyprofi zu verkaufen habt, bitte meldet euch bei mir oder bei den Freezers. Ich will endlich ein echter Hamburger werden.