Pfiffe gegen Richer bei glanzlosem Freezers-Sieg über München

Verteidiger Köttstorfer trifft zum 1:0-Erfolg vor nur 5011 Fans

Hamburg. Als am Freitagabend um 21:48 Uhr die Schlusssirene in der O2 World erklang, atmete Stéphane Richer kurz durch, ballte die Faust und umarmte seinem Assistenztrainer Boris Rousson. Die Erleichterung über den wichtigen, aber glanzlosen 1:0-Sieg (1:0, 0:0, 0:0) seiner Hamburg Freezers gegen den EHC München stand ihm ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder - schließlich hätte eine weitere Niederlage die Trainerdiskussion verschärft. Wie wenig Kredit der Coach noch bei den eigenen Anhängern hat, zeigte die Reaktion beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung. Als der Name des 44-Jährigen fiel, gab es aus dem spärlich gefüllten Fanblock gellende Pfiffe. Nach dem Sieg gegen München hat Richer dennoch zumindest seitens der Vereinsführung bis Sonntag (14.30 Uhr) ein wenig Ruhe. Dann reisen die Freezers zum Nordderby nach Wolfsburg.

Im Vorfeld der Partie hatte der 44-Jährige noch einmal an die Ehre seiner Profis appelliert. "Für uns haben die Play-offs jetzt schon begonnen", so die Botschaft, die Eishockeytrainer gerne im Dezember verkünden, wenn das eigentliche Ziel, nämlich das Erreichen der Endrunde, in akuter Gefahr ist. Die deutlichen Worte des Frankokanadiers fanden bei den Spielern Anklang.

Die Freezers präsentierten sich drei Tage nach dem blamablen 1:2 gegen die Iserlohn Roosters kämpferisch verbessert. Dabei gab es bereits vor der Partie eine Hiobsbotschaft. Abwehrspieler Christoph Schubert musste gegen seinen Ex-Klub aufgrund einer Adduktorenverletzung passen. Auch sein Einsatz beim Spiel in Wolfsburg ist fraglich. Somit musste Richer erneut die Reihen umstellen. Der zuletzt enttäuschende Michel Ouellet lief an die Seite von Garrett Festerling und Aleksander Polaczek auf. Eine Maßnahme, die fruchtete. Die zweite Angriffsreihe brachte Energie in die Partie. Auch wenn spielerisch einiges im Argen lag - zumindest der Einsatz und die Leidenschaft stimmten.

So entwickelte sich vor 5011 Zuschauern eine kampfbetonte und zerfahrene Partie, bei der die Münchner phasenweise überlegen waren. Freezers-Torhüter Niklas Treutle legte jedoch mit zahlreichen starken Paraden den Grundstein für den Erfolg. Dass es am Ende ein Sieg des Willens wurde, machte das Siegtor von Abwehrturm Rainer Köttstorfer deutlich.

Der Vizekapitän setzte bei einer Kontersituation in eigener Unterzahl energisch nach und verwandelte oben rechts in den Winkel. Richer nahm den Auftritt seiner Mannschaft und die neuerlichen "Richer raus"-Rufe über die gesamte Spieldauer mit stoischer Ruhe zur Kenntnis. Dass er bis zur letzten Sekunde um die dringend benötigten Punkte zittern musste, lag auch am verschossenen Penalty von Alexander Barta im Schlussdrittel. Das Hauptproblem der Freezers, und das machte auch das Spiel gegen München wieder deutlich, ist und bleibt das Toreschießen

Tore: 1:0 (7:38) Köttstorfer (Polaczek, Engelhardt) 4-5. Strafminuten : 8/8 + 10 Minuten Elwing. Schiedsrichter: Bauer (Nürnberg). Zuschauer: 5011