Motorsport

Formel 1: Hamilton gewinnt überlegen in Spa – Vettel 13.

Gewann deutlich vor seinem Mercedes-Kollegen Valtteri Bottas (hinten): Weltmeister Lewis Hamilton.

Gewann deutlich vor seinem Mercedes-Kollegen Valtteri Bottas (hinten): Weltmeister Lewis Hamilton.

Foto: firo Sportphoto/dppi

Weltmeister Lewis Hamilton ist auch in Spa-Francorchamps nicht zu schlagen. Bottas und Verstappen deutlich dahinter.

Spa-Francorchamps. Fünfter Sieg im siebten Rennen, der dritte Formel-1-Dreierpack beginnt so, wie der letzte geendet hat. Titelverteidiger Lewis Hamilton kreiste auch beim Großen Preis von Belgien in seiner eigenen Umlaufbahn, feierte seinen insgesamt 89. Grand-Prix-Sieg vor Kollege Valtteri Bottas und Max Verstappen im Red-Bull-Honda. Der mittlerweile 55. Doppelerfolg für Mercedes. Der Brite kassierte nebenbei noch einen weiteren Rekord von Michael Schumacher, er hatte schon zur Rennhälfte die 24148 Führungskilometer aus der Karriere des Kerpeners übertroffen. Die Ferrari von heute? Mehr hinterher denn je, mit den Plätzen 13 und 14 für Sebastian Vettel und Charles Leclerc.

Ach, was hatten sie sich alles vorgenommen auf der vielleicht launischsten aller Formel-1-Rennstrecken. Volle Attacke, Ellbogen raus. Nur Max Verstappen, der als Sohn einer belgischen Mutter als Lokalmatador herhalten muss, war bescheiden-realistisch: „Ich versuche, den Mercedes zu folgen.“ Allein, es blieb beim Versuch.

Mercedes mit Hamilton von Anfang an vorne

Die schwarz lackierten Silberpfeile setzten sich scheinbar sogar über die Gesetze der Physik hinweg: Verstappen im Windschatten, aber kam nicht ran. Die zwei spannendsten Passagen der sieben Kilometer Berg- und Talbahn sind der kurze Bergauf-Start und die lange Steigung von Eau Rouge – da ist das Überholverbot ausdrücklich aufgehoben. Doch Lewis Hamilton setzte wie selbstverständlich seine Dominanz von der Qualifikation und seiner 93. Pole-Position fort, schaltete am schnellsten und begab sich gleich wieder in eine eigene Umlaufbahn. Kollege Bottas folgte brav hinterher. Technik und Fahrer sind in der Form ihres Lebens. Auch wenn der Triumphator später gestand: „Es war nicht das einfachste der Rennen.“ In der Gesamtwertung führt der Brite jetzt mit 157 Zählern vor Verstappen (110) und Bottas (107).

Formel 1: Hamilton holt die Pole in Spa, Vettel nur 14.

Am weitesten davon entfernt scheint einmal mehr Ferrari. Motor? Reifen? Team? Der stark unter Druck stehende Rennstallchef Mattia Binotto meinte: nur die schwierige Strecke sei schuld. Jene Strecke also, auf der Charles Leclerc im Vorjahr seinen ersten Sieg feiern konnte? Eine schräge Logik. Der Monegasse schaffte es dank Blitzstart zwar von Rang 13 auf neun, funkte dann aber eine Bankrotterklärung: „Auf den Geraden habe ich keine Chance.“ Er wird durchgereicht, was aber in der Tat viel mit den Gummis zu tun hatte.

Sebastian Vettel enttäuschte erneut im Ferrari

Sebastian Vettel blieb gleich im hinteren Mittelfeld stecken, sein Wochenendkommentar war so treffend wie desillusionierend: „Sehr zäh.“ Aber man fahre ja Rennen, um herauszufinden, wo man stehe. Tja, da, wo es der Heppenheimer zumindest insgeheim wohl angenommen hatte. Daran änderte auch die Liebeserklärung von Binotto bei „Sky“ nichts: „Wir alle in Maranello lieben Seb noch immer. Es ist wie eine Liebe, die ein Ende findet.“ Worüber der Fahrer inzwischen ganz froh sein dürfte… Trotzdem mag der Hesse nicht aufgeben: „Der Speed im Rennen war nicht so wie sonst. Wir haben uns vor allem schwerer mit den Reifen getan, alles probiert, aber nichts hat den Unterschied gebracht. Um ehrlich zu sein wären wir auch nicht um Platz fünf gefahren, wenn es normal gelaufen wäre.“

Formel 1: Türkei-Rennen im finalen Notkalender

Schrecksekunde in der elften der 44 Runden: Antonio Giovinazzi verlor die Kontrolle über seinen Alfa Romeo, schlug rechts in die Band ein. Sein Auto verlor ein Hinterrad, der folgende George Russell versuchte mit dem Williams in voller Fahrt auszuweichen und krachte spektakulär links in den Reifenstapeln. Aber beiden Fahrern ist nichts passiert. Das Safety-Car musste ausrücken, und mit einem schnellen Boxenstopp versuchte Verstappen, sich an Valtteri Bottas vorbeizumogeln. Das klappte fast – aber hätte der Niederländer vor den Garagen tatsächlich durchgezogen, wäre wohl Schlimmeres passiert.

Bottas bleibt beim Neustart hinter Hamilton

So blieb der Finne beim Neustart hinter Hamilton. Zuvor hatte Bottas schon über Funk gefragt, ob der den Überholknopf drücken darf, falls er nah genug am Führenden ist. Antwort des Renningenieurs: „Nicht im internen Duell…“ Bottas bockig: „Davon weiß ich nichts.“ Alle Fahrer gingen mit einem mulmigen Gefühl in den restlichen Hochgeschwindigkeitsritt, aus Angst vor Splitterteilen, die die Reifen zerstören könnten.

Formel 1: Ex-Weltmeister Sebastian Vettel erlebt Demontage

Die nächste Demütigung für Ferrari: Kimi Räikkönen im auch nicht besonders glücklichen Alfa Romeo zog im Kampf um Rang zwölf an seinem alten Kumpel Vettel vorbei, Leclerc lag mittlerweile hinter dem Heppenheimer. Beim Überholversuch berührten sich die beiden Roten, der Monegasse war am Limit. Und die Piloten von Ferraris zweitem Kundenteam, dem Haas-Rennstall, freuten sich – statt wie für gewöhnlich überrundet zu werden, durften sie gegen die Superstars aus Maranello kämpfen.

Ferrari wieder mit Problemen

Als Leclerc zum zweiten Stopp reingeholt wurde, gab es eine neue Episode des Ferrari-Hörspiels. Der Fahrer fragte „Warum“, die Box antworteet: „Das erklären wir Dir später.“ Als Schlusslicht musste er wieder ganz von vorn anfangen. Auch für Vettel ging es nach hinten. Mutlos kommentierte er: „Ich krieg die vor mir einfach nicht.“ Zwei Umläufe später wurde die Meldung dramatischer: „Die fressen mich auch von hinten auf.“ Vibrationen, Ausritte, Bremsprobleme, bei Bottas sogar ein tauber Bremsfuß – am Ende des siebten WM-Laufes traten kleine und große Sorgen bei Mensch und Material auf. Selbst Hamilton bangte plötzlich um seinen Vorderreifen. Die Strecke galt nicht umsonst als Achterbahn – auch für die Emotionen.