Pressestimmen

Vettel bei Heim-Debakel von „Bösewicht Hamilton verprügelt“

Hamilton stahl Vettel in Italien die Show

Hamilton stahl Vettel in Italien die Show

Foto: MAX ROSSI / REUTERS

Während Vettel sich „wie der König“ fühlt, schlägt Ferrari-Boss Marchionne Alarm: „Das war peinlich, wir haben versagt!“

Monza. Ferrari-Boss Sergio Marchionne spie wie ein Vulkan. Während sich Sebastian Vettel vor Zehntausenden Tifosi nach Platz drei in Monza wie „der König der Welt“ fühlte, ließ der ehrgeizige Fiat-Chef seiner Verärgerung freien Lauf. „Wenn ich mir den Unterschied zu Mercedes anschaue, dann ist das peinlich. Wir haben einfach völlig versagt“, wetterte der 65-Jährige nach dem Heim-Debakel am RTL-Mikrofon.

Man musste nicht allzu gründlich zwischen den Zeilen lesen, um festzustellen, dass Marchionne nach dieser Klatsche mit dem Frohsinn seines Star-Piloten wenig anfangen konnte. Doch der 30-jährige Vettel war nach den lauten Liebesbekundungen der Ferraristi geradezu immun gegen kritische Töne.

Vettel fühlt sich „wie der König“

„Ihr könnt mich fragen, was ihr wollt. Ihr werdet heute nur positive Antworten bekommen“, sagte Vettel, nachdem er nach einer wehrlosen Vorstellung erstmals in dieser Saison die WM-Führung an den nun drei Punkte vorausliegenden Monza-Sieger Lewis Hamilton abgeben musste.

„Bei der Stimmung in der Auslaufrunde und auf dem Podium fühlt man sich wie der König der Welt. Auch wenn wir heute eins auf den Deckel bekommen haben, bin ich überzeugt, dass da noch richtig was kommt in den nächsten Rennen“, führte Vettel aus – und sagte dann einen Satz, der Marchionne besser nicht zu Ohren kommt: „Das Ergebnis ist mir in dieser Hinsicht fast ein bisschen egal.“

Der Medienlandschaft war das Ergebnis hingegen nicht egal. Die Pressestimmen nach dem Großen Preis von Monza:

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: „Ferrari, Kopf hoch! Es ist wirklich schade, auf der Heimstrecke besiegt zu werden und zugleich die WM-Führung zu verlieren. Doch am dunkelsten Tag des Jahres hat Ferrari mit Vettels drittem Platz die Schäden in Grenzen gehalten. Es ist, als würde die Meisterschaft für Maranello erst jetzt beginnen. Im Gegensatz zu Spa war Ferrari auf das Rennen in Monza nicht gut vorbereitet. Das ist zum ersten Mal 2017 geschehen. Der SF70-H erschien unzuverlässig und instabil.“

Corriere dello Sport: „Lewis Hamilton feiert einen überwältigenden Sieg in Monza. Wenn Ferrari den WM-Titel gewinnen will, müssen sie etwas Neues erfinden. Hamilton ist in Top-Form, und Mercedes fliegt so hoch wie noch nie.“

Tuttosport: „Die Leistungen Maranellos bleiben deutlich unter dem erhofften Niveau. Die Enttäuschung im Hause Ferrari ist spürbar. Mercedes feiert mit einem bitteren Doppelpack für Ferrari auf der Heimstrecke von Monza im 70. Gründungsjahr Maranellos.“

Corriere della Sera: „Mercedes-Monolog in Monza. Ein Rennen ohne Hoffnungen für Ferrari, das eine bittere Pille schlucken muss. Eine riesige Blamage auf der Heimstrecke. Die Tifosi hatten zwar mit Schwierigkeiten gerechnet, sie hatten jedoch nicht erwartet, so sehr leiden zu müssen. Vettel kann nur hoffen, dass ihm das Glück beim nächsten Rennen in Singapur wieder zur Seite steht.“

La Repubblica: „Wenn Lewis Hamilton in diesem außerordentlichen Zustand ist, flößt er allen Rivalen Schrecken ein. Von Freitag bis Sonntag war er einfach perfekt. Wenn er bis Ende der Meisterschaft auf diesem Niveau bleibt, hat Ferrari ernsthaft Probleme. Vettel muss jetzt auf Singapur hoffen.“

ENGLAND

The Telegraph: „Für Lewis Hamilton fühlte es sich wie der Moment an, der alles verändert. In Monza, dem Tempel der Geschwindigkeit für die Tifosi, feierte er einen krachenden Sieg, der die Meisterschaft auf den Kopf stellt.“

The Guardian: „Hamilton gefiel sich beim italienischen Grand Prix in der Rolle des Bösewichts. Der Engländer fuhr absolut fehlerfrei zu einem dominanten Sieg, sein Mercedes war Sebastian Vettels Ferrari klar überlegen.“

Daily Mail: „Krachender Sieg von Lewis Hamilton in der Heimat des Rivalen. In der derzeitigen Form würden nur Mutige gegen Hamiltons WM-Triumph wetten. Es gab Rennen in diesem Jahr, in denen Ferrari dominiert hat, und beim kommenden in Singapur könnte das durchaus wieder so sein. Aber Monza war wahrlich eine kalte Dusche für die Italiener.“

SCHWEIZ

Blick: „Hamilton siegt in Monza ohne Vollgas. Mercedes gelingt zum dritten Mal in vier Jahren ein Doppelsieg beim Grand Prix von Italien. Und das mit einem Abstand, der Fragen aufwirft.“

Neue Zürcher Zeitung: „Hamilton raubt Vettel die WM-Führung. Der Silberpfeil-Fahrer besiegte den Ferrari-Rivalen Sebastian Vettel nicht nur, er demütigte ihn nahezu. Die Scuderia wusste keine Antwort auf die Probleme.“

SPANIEN

Sport: „Hamilton verprügelt Vettel in Monza. Die Mercedes-Boliden waren unendlich besser als ihre Rivalen in Rot. Vettel konnte mit dem dritten Platz den Schaden etwas reduzieren.“

Marca: „Hamilton übernimmt die WM-Führung, Spaziergang für den Engländer vor den Augen der Tifosi. Die WM ist noch lang, der WM-Kampf ist lebendiger denn je. Die Chancen für Ferrari sind noch intakt.“

As: „Ein Sieg für Hamilton ohne Wenn und Aber auf feindlichem Gebiet. Wenn es nur um den Motor geht hat Mercedes keine Rivalen. In Singapur wird alles wieder anders sein.“

El Mundo Deportivo: „Der Sieg in Monza ist für Hamilton das perfekte Drehbuch, um Vettel und Ferrari zu demoralisieren. Ein komplizierter Tag für Ferrari im eigenen Haus. Nach der Sommerpause wirkt Hamilton wie ein neuer Mensch.“