Singapurs Nachtrennen

Highlight einer sich verändernden Formel-1-Welt

Sebastian Vettel (r.) hinter dem Safety Car 2013 in Singapur

Sebastian Vettel (r.) hinter dem Safety Car 2013 in Singapur

Foto: Diego Azubel / dpa

Singapur ist ein echtes Highlight im Kalender der Formel 1 und steht im Gegensatz zu manchem Europarennen nicht auf der Kippe.

Singapur. Die Smog-Gefahr hat sich rechtzeitig in Rauch aufgelöst, der Weg ist frei für die Jagd durch die Nacht von Singapur: Das spektakuläre Rennen in der asiatischen Metropole am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Sky) ist eines der Highlights im Formel-1-Kalender, der vor weiteren, tiefgreifenden Veränderungen steht. Während die Traditionsrennen in Europa um ihre Daseinsberechtigung kämpfen, strecken Länder wie Aserbaidschan oder Katar ihre Fühler nach der Königsklasse aus.

Und nicht immer ist „neu“ auch gleich „schlecht“. Erst seit 2008 rasen die Boliden durch die Hochhausschluchten von Singapur, trotzdem ist das Rennen bereits ein Klassiker. Für Weltmeister Lewis Hamilton ist es „ein Highlight des Jahres“, sein Silberpfeil-Teamkollege Nico Rosberg zählt es „zu meinen Lieblingsrennen“.

Trotzdem ist es ein großer Schritt von Monza nach Singapur. Das Ende der Europa-Saison vor zwei Wochen mit seinen enthusiastischen Tifosi hat nicht nur Ferrari-Star Sebastian Vettel tief bewegt. So spektakulär Singapur auch ist, so verrückt wie Silverstone oder Monza wird es nie werden.

Nicht zuletzt deshalb ging Vettel nach seinem „Heimrennen“ auf die Barrikaden. „Wenn wir das hier aus beschissenen Geldgründen aus dem Kalender streichen, reißen wir uns unsere Herzen heraus“, hatte der Heppenheimer angesichts des drohenden Aus’ für die Italiener gesagt. Nach dem Ausfall des Deutschland-Grand-Prix im Sommer - von einem fehlenden Rennen in Frankreich ganz zu schweigen - droht die Formel 1, ihre DNA zu verlieren, wie Verantwortliche und Fahrer immer wieder betonen.

Immerhin wird in Deutschland und Italien um den Verbleib der Rennen gekämpft, Hockenheim-Chef Georg Seiler hatte eine Austragung für 2016 „tausendprozentig“ garantiert. Für Monza steigt sogar Ministerpräsident Matteo Renzi in den Ring im Kampf um die Millionen, die nötig sind, um Promoter Bernie Ecclestone und seinen Formel-1-Zirkus bei der Stange zu halten.

Aber die Veränderungen sind nicht aufzuhalten. Aserbaidschan hat sich für 2016 bereits den Großen Preis von Europa (!) gesichert, Katar klopft mit Unsummen an Ecclestones Tür und will trotz der Rennen in Bahrain und Abu Dhabi einen dritten Lauf in die Golfregion locken.

Im kommenden Jahr werden erstmalig 21 Rennen in den kurzen Zeitraum zwischen Anfang April und Ende November gedrängt. Noch steht der endgültige Kalender nicht fest, aber allen Beteiligten drohen anstrengende Monate in allen Teilen der Welt. Und nicht überall strahlt die Formel 1 so hell wie in Singapur.