Formel 1

Barcelona als Gradmesser - Roscoe als Glücksbringer

Mercedes hat die Pause genutzt und will beim Großen Preis von Spanien mit einem verbesserten Silberpfeil wieder angreifen. Ab Freitag wird sich zeigen, welche Fortschritte gemacht worden sind.

Köln. Roscoe machte nach der Rückkehr auf den alten Kontinent erstmal ein Nickerchen. Nachdem ihr Herrchen Lewis Hamilton unter der Sonne Kaliforniens beim Fitnesstraining geschwitzt hatte und die Arbeiter im englischen Brackley die Silberpfeile aufpoliert hatten, ließ es die sechs Monate alle Bulldogge vor ihrer Grand-Prix-Premiere ganz entspannt angehen. Der Rummel um den vierbeinigen Glücksbringer von Mercedes-Neuzugang Hamilton wird beim Großen Preis von Spanien (Sonntag, 14 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) vermutlich genauso groß sein wie die Erwartungen an die Marke mit dem Stern.

Ex-Weltmeister Hamilton strahlt wie immer Optimismus aus: „Die guten Ergebnisse zum Saisonstart haben uns einen zusätzlichen Schub gegeben. Zwei dritte und zwei fünfte Plätze in den ersten vier Saisonrennen sind eine wirklich gute Leistung.“ Aber auch dem in der WM-Wertung drittplatzierten Engländer ist nicht entgangen, dass bei den Silberpfeilen noch Luft nach oben ist: „Wir kennen die Bereiche, die wir noch verbessern müssen - daran arbeiten wir sehr hart, um den Abstand zur Spitze zu verringern.“

Barcelona ist der Gradmesser für den weiteren Saisonverlauf. „Sobald wir wissen, wie das Kräfteverhältnis in Barcelona aussieht, sollten wir einen ersten Eindruck davon erhalten, wie es für den Rest der Saison aussehen könnte“, sagt Hamiltons Kollege Nico Rosberg. Alle Teams haben unzählige Vergleichsdaten von den beiden Wintertests auf dem Circuit de Catalunya. Ab Freitag wird sich deshalb genau zeigen, welche Fortschritte gemacht worden sind. Hamilton und Rosberg haben nur die besten Erinnerungen an die Tests. Mit ihren Bestzeiten deuteten sie damals an, welches Potenzial in dieser Saison in den Silberpfeilen schlummert.

„Wir wissen, dass das Auto bei den Wintertestfahrten sehr gut funktioniert hat, und ich bin zuversichtlich, dass wir ein starkes Wochenende erleben können“, sagt Rosberg, warnt aber auch: „Allerdings müssen wir noch abwarten, wie sich unsere Pace im Vergleich zur Konkurrenz entwickeln wird.“ Für Mercedes geht es nach den Erfahrungen aus den ersten vier Rennen vor allem darum, das Reifenmanagement im Rennen besser in den Griff zu bekommen. Dass der Silberpfeil im Qualifying locker auf Augenhöhe mit Red Bull und Ferrari ist, dürfte spätestens seit der Pole Position von Rosberg in Bahrain auch dem größten Zweifler klar sein.

„Wir haben uns auf zwei Schlüsselbereiche konzentriert“

Aber noch fressen die Boliden die Reifen zu schnell auf und verhindern damit, dass Hamilton und Rosberg ernsthafte Siegchancen haben. „Das Ziel ist, unsere Performance am Sonntagnachmittag zu steigern, damit diese genauso gut ist wie an den Samstagen der vergangenen beiden Rennwochenenden“, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. In der Pause seit dem Großen Preis von Bahrain wurde entsprechend hart in den Fabriken auf der Insel gearbeitet. „Wir haben uns auf zwei Schlüsselbereiche konzentriert: Die Fertigstellung unseres Upgrade-Pakets für Spanien sowie ein besseres Verständnis für unsere vergleichsweise weniger gute Rennpace in Bahrain“, sagt Teamchef Ross Brawn: „Beim zweiten Punkt haben wir Fortschritte erzielt, wir werden an den kommenden Rennwochenenden einige Neuerungen testen, die uns ein Stück weiter bringen sollten.“

Die Strecke in Barcelona ist bekannt für den hohen Reifenverschleiß. Immerhin hat Reifenhersteller Pirelli auf die Kritik einiger Teams reagiert und für das Rennen die Mischung der harten Reifen ein wenig verändert. Wer letztlich allerdings davon wirklich profitieren kann, wird sich erst ab Freitag zeigen. Roscoe jedenfalls wird ausgeschlafen sein und ein waches Auge darauf haben.