Essen. Zwischen Amateurvereinen und der neu gegründeten Baller League gibt es Zoff. Nun warnt der Chef der Hallen-Liga die Klubs.

Die „neue Ära des Fußballs“ ist erst gut fünf Wochen alt. Aber dass es eine neue Ära ist, da sind sich die Macher der Baller League schon jetzt sicher. Denn sie haben den Fußball neu gedacht, aber so, wie er ganz früher mal war. Alles begann, so begründen sie es auf der Homepage der neu gegründeten Hallenfußball-Liga, „auf den Bolzplätzen der Nation“. Und so wird ihrer Meinung nach in der Baller League gespielt. Die neue Ära des Fußballs beginnt aber vor allem mit einer Menge Ärger, und das ausgerechnet mit der Basis des deutschen Fußballs.

Einige Amateurvereine fürchten Verletzungen und Überlastung ihrer Spieler, sie kritisieren die Gründer der Liga stark. Ein Klub hat sich von fünf Akteuren getrennt, weil die lieber in der Halle als im Abstiegskampf auf dem Rasen an der frischen Luft spielen wollen.

Die neue Ära des Fußballs sieht so aus: Zwölf Teams treten an elf Spieltagen gegeneinander an, immer montags, jeder spielt gegen jeden. Am Ende der Saison tragen die besten vier Mannschaften ein Final Four aus. Alles auf einem Kunstrasenplatz, der halb so groß ist wie ein Fußballfeld im Meisterschaftsbetrieb, Spieldauer: 2x15 Minuten. In den von verschiedenen Promis trainierten Teams spielen einige Ex-Profis, unter anderem aber auch Spieler der Revier-Oberligisten Schwarz-Weiß Essen, Wattenscheid 09 und VfB Homberg.

250 Euro bekommen die Fußballer pro Spiel. Bei vier Einsätzen im Februar steht ein Zusatzverdienst von 1.000 Euro brutto zu Buche. Gut für die Spieler, die sich außerdem bei den Live-Übertragungen der Partien in die Sozialen Netzwerke zeigen können. Das ermöglicht zusätzliche Einnahmen von eventuellen Werbepartnern.

„Es ist Geschmackssache, wie so Vieles im Leben. Große Fans sind wir alle nicht von der Baller League“, sagt Wattenscheids Sportvorstand Hartmut Fahnenstich. Hombergs Abteilungsleiter Wolfgang Graf wiederum drückt es drastischer aus und kritisiert offen die beiden Liga-Gründer Lukas Podolski und Mats Hummels: „Das sind Leute, die von ihrer Zeit beim DFB profitiert haben. Die wissen, was für die Vereine auf dem Spiel steht. Und dennoch machen sie nun so etwas“, schimpft Graf.

Lukas Podolski und Mats Hummels sind die Gründer der Baller League
Lukas Podolski und Mats Hummels sind die Gründer der Baller League © dpa | Rolf Vennenbernd

Die Verantwortlichen des Mittelrheinligisten FV Bonn-Endenich wollten das alles nicht mehr mitmachen. Sechs Spieler des abstiegsbedrohten Klubs spielen in der Baller League, der Verein stellte sie vor die Wahl: Entweder Abstiegskampf oder Hallen-Liga. Fünf entschieden sich, die neue Ära des Fußballs mit zu prägen.

Bonner Sportdirektor unterstellt Baller League falsche Versprechen

Felix Starck, Geschäftsführer der Baller League, versteht das nicht. „Ich vermute, dass da ganz viel Frust aus den Vereinen spricht, weil sie es in den vergangenen Jahren verpasst haben, selbst gute Arbeit zu leisten“, sagt der 34-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wir als Baller League haben immer gesagt, dass die Vereine Priorität haben. Wir haben den Vereinen die Hand gereicht und würden gern co-existieren.“

Sportdirektor Markus Köppe vom Fünftligisten Bonn-Endenich sieht aber noch ein weiteres Problem. In einem Facebook-Video wirft er den Machern der Baller League vor, die Vereinsspieler mit falschen Versprechungen zur Teilnahme zu bewegen: „Die Spieler denken nun, dass sie durch die Baller League entdeckt werden. Wie kann man den Jungs so eine Scheiße erzählen?“

Dass Köppe und die Bonner die sechs Spieler vor eine Wahl gestellt haben, findet Baller-League-Geschäftsführer Starck bedenklich: „Anstelle einiger weniger Vereine würde ich moralisch extrem aufpassen und mir schnellstmöglich juristischen Beistand holen. Arbeitsrechtlich wäre ich an deren Stelle sehr vorsichtig mit dem, was ich den Nicht-Lizenzspielern in deren Freizeit verbiete“, sagt er.

Bekenntnis zum Verein - aber wie lange noch?

So weit will Wattenscheids Funktionär Hartmut Fahnenstich nicht gehen. „Man kann ja auch mit Kumpels irgendwo zocken, dabei kann man sich auch verletzen“, gibt der Sportvorstand des ehemaligen Bundesligisten zu bedenken. Ein Spieler aus Wattenscheid spielt in der Baller League, mehr hätte der Verein nicht akzeptiert. Doch auch bei der SGW wissen sie, dass der Ruf der Hallen-Liga für die Spieler verlockend ist. Aber wo liegt das Grundproblem?

Felix Starck will es ausgemacht haben: „Als Verein würde ich mir viel eher die Frage stellen, was ich in den vergangenen Jahren falsch gemacht habe“, empfiehlt er und schiebt nach: „Wenn der Verein alles richtig machen und ein super Vereinsleben anbieten würde, würde ich als Spieler lieber dort bleiben und nicht in der Baller League auf hohem Niveau spielen.“

Für Berkan Firat von Wattenscheid wäre im Zweifel klar, für wen er sich entscheiden würde: „Wir repräsentieren einen Traditionsverein. So viele Leute hängen an Wattenscheid 09.“

Wie stark dieses Treuebekenntnis ist, wird sich wohl in der kommenden Saison zeigen - bei Firat und auch bei anderen Spielern. Dem Vernehmen nach steigt dann das Honorar pro Spieltag auf 500 Euro.