Hamburg. Dänemark, Schweden und Norwegen spielen in der Barclays Arena um den Einzug ins Halbfinale. Norwegen steht dabei bereits unter Druck.

Wenn von diesem Mittwoch an vermehrt Menschen mit Wikingerhelmen in der Hamburger Innenstadt und in den Kneipen der beliebten Szeneviertel zu sehen sind, ist dies kein Grund zu größerer Sorge. Keineswegs planen etwa die Nachfahren von Knut dem Großen, Erik Blutaxt oder Erik dem Siegreichen, um nur drei berühmt-berüchtigte Wikingerkönige zu nennen, eine feindliche Übernahme der Hansestadt.

Vielmehr werden zwischen 6000 und 8000 Handballfans aus Dänemark, Schweden und Norwegen bis zum kommenden Dienstag Hamburg bevölkern, um in der Barclays Arena am Volkspark ihre Nationalteams bei der Handball-Europameisterschaft anzufeuern und ihnen die Daumen zu dafür drücken, dass sie ins Halbfinale einziehen. Traditionell schmücken viele Anhänger dieser Teams ihr Haupt mit einem Hörnerhelm.

In der Hauptrundengruppe II bekommen es die drei skandinavischen Teams mit den Niederlanden, Portugal und Slowenien zu tun. Die Ausgangslagen für das nordeuropäische Trio sind dabei durchaus unterschiedlich.

Handball-EM in Hamburg: Norwegen steht gegen Portugal bereits mächtig unter Druck

An diesem Mittwoch machen in Hamburg um 15.30 Uhr die Norweger den Anfang im Spiel gegen Portugal. Am Montagabend hatten sie es mit der 27:28-Niederlage im letzten Spiel der Vorrunde gegen Slowenien verpasst, zwei Punkte mit in die Hauptrunde zu nehmen.

Zuvor hatten sie bereits beim 26:26 gegen die Färöer unerwartete Schwächen gezeigt und stehen nun schon gewaltig unter Druck. Nur ein Sieg gegen Portugal, das als Tabellenzweiter der Vorrundengruppe F ebenfalls punktlos in die Hauptrunde startet, erhält die Chance auf das Halbfinale einigermaßen aufrecht.

Alexandre Blonz (23) spielte mit Norwegen gegen die Färöer nur Unentschieden.
Alexandre Blonz (23) spielte mit Norwegen gegen die Färöer nur Unentschieden. © IMAGO/Maximilian Koch | IMAGO/Maximilian Koch

„Wir sind enttäuscht und wollten mit mindestens einem Punkt in die Hauptrunde einziehen“, sagte Norwegens Trainer Jonas Wille nach der Niederlage gegen Slowenien. „Wir haben bisher in diesem Turnier nicht zu 100 Prozent unsere Leistung gezeigt und müssen jetzt auf ein höheres Level kommen“, stellte Linksaußen Alexandre Blonz treffend fest.

Dänemark weist vor Spiel gegen die Niederlande eine makellose Bilanz auf

Ganz anders stellt sich die Stimmungslage im Team Dänemarks dar, das mit drei klaren Siegen eine makellose Vorrunde ablieferte und nun ausgestattet mit zwei Punkten auch als Favorit ins erste Hauptrundenspiel gegen die Niederlande (18 Uhr) geht, die hinter Schweden Zweiter der Vorrundengruppe E geworden waren.

Nach dem 37:27-Sieg gegen Portugal schwärmte Dänemarks Trainer Nicolaj Jacobsen: „In den letzten 25 Minuten haben wir einen nahezu perfekten Handball gespielt. Wenn wir dieses Niveau halten, werden wir nur sehr schwer zu besiegen sein.“ Gleichzeitig aber kritisierte der langjährige Linksaußen des THW Kiel, dass sein Team in der ersten Halbzeit zu viele Chancen nicht genutzt hatte.

Rückraumspieler Mathias Gidsel meinte: „Das wahre Dänemark hat sich bei dieser Europameisterschaft noch nicht gezeigt. Gegen Portugal haben wir uns aber schon um zwei Stufen gesteigert. Jetzt hoffen wir, dass wir in der Hauptrunde noch einen Schritt weiter nach oben gehen können. Wir haben an den Ergebnissen der anderen Gruppen gesehen, wie eng es bei dieser Europameisterschaft zugeht.“

Handball-EM in Hamburg: HSVH-Leistungsträger Dani Baijens auf Heimatbesuch

Bei Dänemarks Gegner Niederlande sind die vier Partien in der Barclays Arena für Spielmacher Dani Baijens eine zwischenzeitliche Rückkehr in seine Wahlheimat. Der Leistungsträger im Bundesligateam des HSV Hamburg hat großen Respekt vor den Dänen, die zuletzt dreimal in Folge Weltmeister geworden sind. „Ich denke, jeder kennt Dänemark. Das Team besteht nur aus Spielern von höchstem Niveau. Sie können deshalb ständig wechseln“, sagte er. „Ich glaube aber auch, dass andere Mannschaften nicht so gern gegen uns spielen.“

Der niederländische HSVH-Spieler Dani Baijens (25) hat großen Respekt vor Dänemark.
Der niederländische HSVH-Spieler Dani Baijens (25) hat großen Respekt vor Dänemark. © imago/GEPA pictures | IMAGO/GEPA pictures/ Edgar Eisner

Im letzten Vorrundenspiel hatten die Niederländer, die in Hamburg ebenfalls mit einer größeren Fan-Unterstützung rechnen können, gegen Gruppensieger Schweden nur 28:29 verloren und es damit knapp verpasst, wenigstens einen Punkt mit in die Hauptrunde zu nehmen.

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Die Schweden selbst treffen als EM-Titelverteidiger an diesem Mittwoch um 20.30 Uhr auf Slowenien und haben sich ebenfalls das Erreichen des Halbfinals zum Ziel gesetzt. „Es werden vier sehr schwere Spiele“, blickte Rückraumspieler Lukas Sandell nüchtern voraus. „Das ist hier das Beste vom Besten vom Besten. Es wird großartig sein, der ganzen Welt zu zeigen, wie Handball auf dem höchsten Niveau gespielt wird.“