Basketball

Hamburg Towers senden starkes Signal an die Konkurrenz

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Rupert Fabig
Der deutsche Ex-Nationalspieler Lukas Meisner (26) wechselte im vergangenen Sommer vom Ligakonkurrenten Löwen Braunschweig zu den Hamburg Towers.

Der deutsche Ex-Nationalspieler Lukas Meisner (26) wechselte im vergangenen Sommer vom Ligakonkurrenten Löwen Braunschweig zu den Hamburg Towers.

Foto: IMAGO / Eibner

Die Bundesliga-Basketballer der Hansestadt schaffen zwei überzeugende Siege binnen 48 Stunden. Meisner brilliert als bester Werfer.

Heidelberg/Hamburg.  Die Uhren bei den Hamburg Towers ticken anders. Bis zum Donnerstag schien es so, als seien die Basketballer auf dem besten Weg, in ihrer Entwicklung die Zeiger zurückzudrehen. Das Verpassen der Play-offs, nachdem die Qualifikation zur Meisterschaftsrunde der Bundesliga im Vorjahr überzeugend geschafft worden war, schien real zu werden.

48 Stunden später hält die Zukunft wieder rosige Erfolgsaussichten bereit. Beim 100:76 (33:13, 20:18, 20:22, 27:23)-Sieg am Sonnabend bei den MLP Academics Heidelberg wirkte es, als hätten die Wilhelmsburger die Zeitumstellung um einen Tag vorgezogen, so oft waren sie dem hoffnungslos unterlegenen Aufsteiger in nahezu allen Belangen einen Schritt voraus.

Basketball: Towers senden Signal an Konkurrenz

Doch zunächst zur Stunde null der Hamburger Zeitenwende. In hitziger Atmosphäre der Messehalle behielten die Towers am Donnerstagabend bei den Niners Chemnitz in der Schlussphase einen kühlen Kopf, besiegten den hoch einzuschätzenden Tabellensechsten verdient. Das 89:85 war ein Fingerzeig in Richtung der Konkurrenz.

Was zwei Tage später – dazwischen lagen eine Trainingseinheit, die Fahrt nach Heidelberg und reichlich Stunden bei Physiotherapeut Nico Stempel – in Baden-Württemberg folgte, war weit mehr als das. Die Dominanz, mit der die Mannschaft von Pedro Calles all das umsetzte, was ihr spanischer Trainer verlangt, schrie: Hier spielt nominell ein Top-Sechs-Team.

Hamburg Towers aktuell nur Achter

Nun sind die Hamburger von den ersten sechs Rängen ein gutes Stück entfernt. Genau genommen sind sie nur Achter, wobei die BBL auf die tradierte Ordnung der Tabelle nach Punkten setzt anstatt auf die Siegquote, die in einer Sportart ohne Unentschieden und mit permanent verzerrten Spielplänen wesentlich sinnvoller wäre. Danach wären die Towers Neunter mit 53,8 Prozent gewonnener Begegnungen, hinter Göttingen (56) und Crailsheim (54,5).

Dass es sogar zum Kampf um Platz acht, der gerade noch zum Einzug in die Play-offs berechtigt, kommt, ist in erster Linie fehlender Konstanz geschuldet. „Die Corona-Fälle und Verletzungen sollen keine Entschuldigung sein, im System unseres Trainers ist es aber wichtig, dass jeder exakt seine Rolle kennt. Da ständig jemand gefehlt hat, stimmt die Abstimmung nicht“, sagte Flügelspieler Lukas Meisner.

Meisner stellte in Heidelberg Saisonbestleistung ein

Dabei ist Meisner das beste Beispiel für den inkonstanten Verlauf dieser Towers-Spielzeit. Der Ex-Nationalspieler quälte sich in Folge einer Schulteroperation im vorigen Frühling durch die ersten Saisonmonate. In den vergangenen acht Partien, inklusive EuroCup, explodierte der 26-Jährige urplötzlich, steigerte seinen Punkteschnitt auf knapp 18 Zähler und strotz nur so vor Selbstvertrauen. In dieser Verfassung ist Meisner ein Kandidat für Bundestrainer Gordon Herbert, der ihn seit seiner Amtsübernahme im Herbst 2021 nicht berücksichtigt hatte. In Heidelberg stellte er mit 20 Punkten seine Saisonbestleistung ein.

Im Halbzeitinterview mit MagentaSport offenbarte Meisner einen Einblick in sein Innenleben: „Die Zeit war schwieriger, als manche Leute denken. Vor allem wenn du von außen hörst, dass du wohl doch nicht so gut bist wie angenommen.“ Der Schlüssel sei es gewesen, seine Frustrationsschwelle anzuheben, lockerer in die Partien zu gehen.

Das ganze Team hat in diesem Jahr gelernt

„Ich hatte mir doch nichts mehr zu beweisen“, sagte Meisner. Geholfen habe ihm sein persönliches Umfeld – sowie Calles. „Ich bedanke mich für seine Lehrstunden. Er ist sein disziplinierter, anspruchsvoller Trainer, durch den ich gelernt habe, mit negativen Dingen umzugehen, auch wenn es für mich mitunter unverständlich war, weswegen er mich nicht spielen lassen hat“, sagte Meisner. Die Interpretation dieser Aussage auf das Verhältnis zwischen Coach und Spieler dürfte je nach Betrachtungsperspektive ausfallen.

Es ist nicht nur Meisner, der in diesem Jahr gelernt hat – es ist das gesamte Team. Formschwächen wie die von Caleb Homesley, der auch gegen Chemnitz und Heidelberg nur wie ein fähiger, aber unscheinbarer Rollenspieler wirkte anstatt wie der Star der ersten 20 Spiele, können jetzt aufgefangen werden; Formschwankungen von Jaylon Brown ebenso wie der Ausfall von Defensivspezialist Zach Brown sowie der Quasi-Ausfall von Verteidigungsminister Max DiLeo, der wegen einer nicht näher betitelten Beinverletzung angeschlagenen war.

Basketball: Wachstum bei Towers kommt von innen

Die Towers müssen, abgesehen vom eminent wichtigen Maik Kotsar, nicht von ihren ursprünglichen Führungsakteuren getragen werden. Das Wachstum kommt von innen. Von Meisner wie vom wöchentlich Bestmarken brechenden Justus Hollatz. Gegen Heidelberg war es ein „Double Double“, zweistellige Werte in zwei Kategorien.

Neben elf Punkten sezierte der 20-Jährige die Academics mit dem Karriererekord von zwölf Vorlagen. Überhaupt: Von 37 Feldkörben waren 28 assistiert, es gab kaum ineffizientes Eins-gegen-eins-Gezocke, sondern schlicht Basketball, wie Calles ihn sich zur Sommer- und Winterzeit vorstellt.

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