Fußball-Ticker

Spiel gegen St. Pauli: Hansa Rostock gibt alle Karten zurück

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Der FC St. Pauli ist derzeit dabei, den Rauswurf von fünf Talenten aufzuarbeiten.

Der FC St. Pauli ist derzeit dabei, den Rauswurf von fünf Talenten aufzuarbeiten.

Foto: Witters

Aktuelle Meldungen, heiße Gerüchte, scharfe Zitate, Verletzungen und Transfergeflüster. Der Fußball-Ticker hält Sie auf dem Laufenden.

Der Fußball-Ticker am Dienstag, den 19. Oktober 2021:

Hansa Rostock ohne Fans am Millerntor

Der FC Hansa Rostock wird zu seinem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli am Sonntag (13.30 Uhr, Sky/Liveticker bei abendblatt.de) ohne Fans anreisen. Das gab der Verein aus Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag bekannt. Man werde das gesamte Kartenkontingent an den FC St. Pauli zurückgeben, "im Sinne des Solidaritätsgedankens". Hintergrund ist die im Millerntorstadion geltende 2G-Regelung, die den Zutritt nur Geimpften und Genesenen erlaubt.

Ein Mitgliederforum habe sich in der vergangenen Woche mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, auf die Karten zu verzichten, in der Folge sei auch der Aufsichtsrat von Hansa "einstimmig zu dem Entschluss gekommen, dass das Resultat des Mitgliederforums" berücksichtigt werden müsse.

Sowohl bei den Ordnern im Stadion als auch bei der Hamburger Polizei dürfte die Ankündigung der Rostocker Erleichterung auslösen: Die Fans beider Vereine sind seit Jahrzehnten zutiefst verfeindet, nicht zuletzt wegen der stets klaren politischen Haltung des FC St. Pauli.

Die Fanszene des FC Hansa Rostock war erst vor wenigen Tagen übel aufgefallen: Anhänger hatten beim Spiel gegen Sandhausen ein Banner mit der Aufschrift "Einer weniger, ACAB" entrollt, das auf den Tod eines Hamburger Polizeibeamten bei einer Übung in Mecklenburg-Vorpommern Bezug nahm. Hamburgs Innensenator und Polizeipräsident hatten die Aktion übereinstimmend als "menschenverachtend" gebrandmarkt. Seit Dienstag fahndet die Polizei in Rostock zudem nach den Urhebern von antisemitischen Schmierereien, die von den Beamten in Zusammenhang mit dem bevorstehenden Spiel gebracht wurden: Ihr Inhalt deute "auf das feindschaftliche Verhältnis beider Fan-Lager" hin.

Spaniens Regierung gegen Super League

Im Streit über die Einführung einer Super League stellt sich Spaniens Regierung gegen Real Madrid und den FC Barcelona. Der Oberste Sportrat (CSD) sprach sich im Namen des Kabinetts unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez in einem Schreiben an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) offiziell gegen das besonders von Real und Barça weiterhin vorangetriebene Milliardenprojekt aus.

Der mit einem Sportministerium vergleichbare CSD erkennt demnach ausdrücklich auch die Uefa als maßgebliche Dachorganisation im kontinentalen Profi-Fußball an: Spanien sei „der Auffassung, dass es durch Dialog möglich ist, über die Verbesserung der Wettbewerbe nachzudenken, jedoch immer im Rahmen der bereits bestehenden Strukturen“, schrieb Spaniens oberste Sportbehörde an die mit dem Fall beschäftigten Richter. Angesichts der Unabhängigkeit des EuGH hat Spaniens Positionierung vor allem symbolische Kraft.

Sexvideo-Affäre: Benzema-Anwalt fordert Freispruch

Einen Tag vor Beginn des Prozesses gegen Real-Madrid-Stürmer Karim Benzema (33) im Skandal um einen Erpressungsversuch mit einem Sexvideo hat sein Anwalt auf dessen Freispruch gepocht. „Herrn Benzema vor das Gericht zu führen, ist ziemlich unverständlich“, sagte Jurist Antoine Vey der „L'Équipe“. Gegen Benzema lägen keine direkten Beweise vor, es gebe lediglich eine sehr verspätete Einschätzung des Klagenden hierzu. Auch Benzemas zweiter Anwalt, Sylvain Cormier, sagte dem Blatt, die Anschuldigungen seien absurd, und er erwarte von dem Prozess, dass man dies einsehe.

Konkret geht es um einen Fall aus dem Juni 2015. Damals wurde dem französischen Mittelfeldspieler Mathieu Valbuena bei einem Anruf mit der Veröffentlichung eines intimen Videos gedroht, auf dem dieser zu sehen sei. Benzema wird verdächtigt, als Komplize agiert zu haben. Wegen der Verwicklung in die Affäre hatte er 2016 die EM im eigenen Land verpasst. Benzema drohen nun bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldbuße von 75.000 Euro. Die Verhandlungen sollen bis zum 22. Oktober dauern.

Leverkusen mehrere Wochen ohne Aranguiz

Bayer Leverkusen muss mehrere Wochen auf Mittelfeld-Motor Charles Aranguiz verzichten. Der chilenische Nationalspieler zog sich im Abschlusstraining für das Spiel gegen Bayern München (1:5) eine Muskel-Sehnen-Verletzung in der rechten Wade zu. Der 32-Jährige werde voraussichtlich „erst wieder nach der kommenden Länderspielpause im November“ zur Verfügung stehen, teilte der Club mit.

Überraschung: Bayern doch mit Hernández

Der FC Bayern hat das Abschlusstraining für das Auswärtsspiel der Champions League gegen Benfica Lissabon mit Lucas Hernández bestritten, der am Montag in Madrid vor Gericht erschien und dem eine sechsmonatige Haftstrafe droht. Entgegen bisheriger Annahmen plant Trainer Julian Nagelsmann mit dem französischen Verteidiger für die Partie am Mittwoch (21 Uhr/DAZN). „Ich glaube, er kann das sehr gut trennen, weil er die Situation sehr gut einschätzen kann. Er ist ein Vollblutprofi.“ Hernández lasse sich den Gerichtsstreit nicht anmerken.

Davies und Goretzka fehlten dagegen beim Training. Der Kanadier war beim 5:1 am Sonntag in Leverkusen angeschlagen vor der Pause ausgewechselt worden. Er habe eine „Müdigkeitserscheinung“ am Oberschenkel, sagte Nagelsmann. Goretzka spielte nur die erste Hälfte und pausiert nun wegen einer Erkältung.

Geht Ginter? Lage „wahnsinnig verzwickt“

Für Nationalspieler Matthias Ginter ist nach wie vor unklar, ob er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag bei Borussia Mönchengladbach verlängert oder den Bundesligisten verlässt. „Vor einem Jahr hätte ich blind unterschrieben, weil mir der Verein wichtig war und auch ist“, sagte Ginter im „kicker meets DAZN“-Podcast. Gerade sei die Lage „wahnsinnig verzwickt. Aber jetzt etwas vorauszusehen, ist schwierig. Es ist vieles offen.“ Es sind Worte, die nach Abschied klingen.

Rassismus: Serie A will lebenslange Sperre

Die Serie A will bei Rassismus-Vorfällen in Stadien künftig noch härter durchgreifen. Die italienische Liga plant die Einführung einer lebenslangen Stadionsperre für Fans, die wegen rassistischen Verhaltens auffallen. Dabei setzt Liga-Chef Paolo Dal Pino auch auf Videoüberwachung. „Wir wollen, dass Technologie uns im Kampf gegen Diskriminierung hilft“, sagte er. In der Serie A ist es zuletzt erneut zu rassistischen Vorfällen gekommen. Verteidiger Kalidou Koulibaly von Tabellenführer Neapel wurde beim Sieg gegen Florenz von gegnerischen Fans verschmäht.

Salzburg-Coach: Adeyemi vor „großer Karriere“

Deutschlands begehrter Jung-Nationalspieler Karim Adeyemi (19) verfügt nach Ansicht seines Trainers Matthias Jaissle über außergewöhnliche Qualitäten. „Man muss kein Fachmann sein, um zu erkennen, dass er mit seiner Dynamik und Schnelligkeit eine unglaubliche Stärke mitbringt. Das habe ich in der Form so noch nicht oft gesehen“, sagte der deutsche Coach von Salzburg.

Aus der Bundesliga werben der FC Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig um die Dienste Adeyemis. An diesem Mittwoch (18.45 Uhr/DAZN) trifft Salzburg in der Champions League auf den VfL Wolfsburg. Der gebürtige Münchner Adeyemi steht bislang in dieser Saison bei elf Toren in 16 Pflichtspielen für die Österreicher. Für Jaissle bringt er alle Voraussetzungen für eine große Karriere mit.

„Karim ist noch jung, aber er ist bereit, sich ständig zu verbessern. Er ist wissbegierig. Das sind gute Voraussetzungen, dass seine Reise noch weitergeht“, sagte der 33-Jährige. „Ich wünsche mir, dass er so bleibt wie wir als Mannschaft: bescheiden und demütig. Er hat noch viel Potenzial, das noch nicht ausgeschöpft ist. Ich traue ihm eine große Karriere zu.“

WM alle zwei Jahre? Modric kritisiert Fifa

Der frühere Weltfußballer Luka Modric hat sich der Kritik an den WM-Plänen der Fifa angeschlossen und sieht „keinen Sinn“ in einer Endrunde, die alle zwei Jahre ausgetragen wird. „Eine WM ist gerade deshalb etwas Besonderes, weil sie nur alle vier Jahre stattfindet“, sagte der kroatische Mittelfeldspieler von Real Madrid. „Ich möchte nicht eine WM alle zwei Jahre sehen.“ Allerdings, fügte Modric an, spiele die Meinung der Spieler in den Plänen der Fifa nur eine untergeordnete Rolle. Insbesondere die Uefa sieht die Pläne der Fifa negativ.

Lacazette rettet Arsenal einen Punkt im Derby

Dank eines Treffers in der fünften Minute der Nachspielzeit hat der FC Arsenal eine Niederlage im Londoner Stadtderby gerade noch verhindert. Gegen den vom früheren Arsenal-Profi Patrick Viera trainierten Lokalrivalen Crystal Palace kamen die Gunners zu einem 2:2 (1:0) – der eingewechselte Alexandre Lacazette (90.+5) rettete Arsenal den glücklichen Punktgewinn. Die Gunners sprangen mit nun elf Zählern auf den zwölften Platz mit nun acht Punkten Rückstand auf Tabellenführer FC Chelsea. Palace (acht Punkte) liegt auf Platz 14.

Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang (8.) hatte die Mannschaft von Teammanager Mikel Arteta bereits früh in Führung gebracht. Doch nach der Pause glich Christian Benteke (50.) zunächst aus, ehe Odsonne Edouard (73.) die Gäste gar in Führung brachte. Als alles auf die erste Niederlage der Gunners seit Ende August hindeutete, schlug der Franzose Lacazette per Abstauber doch noch zu.

( HA/sid/dpa )

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