Boxen

Robert Harutyunyan ist jetzt auch Universum-Cheftrainer

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Björn Jensen
Robert Harutyunyan (l.) mit seinem Bruder Artem.

Robert Harutyunyan (l.) mit seinem Bruder Artem.

Foto: Valeria Witters / WITTERS

Der Sportdirektor des Hamburger Profiboxstalls übernimmt die Amateursparte des Unternehmens. Vorbild ist ein ganz Großer.

Hamburg. Er hatte eine Vorahnung, als er 2009 seine Trainerlizenz absolvierte. 20 Jahre war Robert Harutyunyan damals alt, aber schon zu Beginn seiner aktiven Karriere zeichnete sich ab, dass in ihm mehr steckte als ein talentierter Boxer. Seine Weitsicht zahlt sich nun aus. Nachdem der im Kleinkindalter mit seiner Familie aus Armenien geflüchtete Hamburger seine Profikarriere im Frühjahr 2020 aufgegeben hatte, um im Universum-Profistall Sportdirektor zu werden, hat ihn dessen Chef Ismail Özen-Otto nun befördert. Robert Harutyunyan ist jetzt zusätzlich Cheftrainer im Verein „Kampf deines Lebens“ und damit für die Amateursparte des Universum-Ablegers verantwortlich.

„Ich freue mich sehr, dass ich mehr als Trainer arbeiten kann“, sagt der 32-Jährige, „denn das ist meine Leidenschaft.“ Deshalb habe er trotz der zeitlichen Belastung, die ihm die Doppelfunktion abverlangt, nicht gezögert, die Offerte anzunehmen. Talente zu finden und über eine anständige Amateurlaufbahn zu erfolgreichen Profis zu entwickeln, das sei eine Aufgabe, die ihn sehr reize. Erste Erfolge sind bereits an Zahlen abzulesen. Vor seiner Amtsübernahme hatten sowohl die Jugend- als auch die Amateurgruppe je sechs Mitglieder. Aktuell sind es zwölf Erwachsene und 16 Jugendliche. „Es freut mich sehr, dass die Resonanz so gut ist“, sagt der Coach, der als Personal Trainer auch Boxkurse für Privatpersonen anbietet.

Robert Harutyunyan, dessen Bruder Artem (31) als Zugpferd im Universum-Stall gilt und im September seinen elften Profikampf bestreiten soll, beschreibt sich selbst als strengen Trainer, der ein hohes Maß an Disziplin verlange. Tatsächlich ist der frühere Leichtgewichtler klar und bestimmt in der Ansprache, in der Ringecke aber ein Ruhepol, der Gelassenheit auszustrahlen versucht. „Ich möchte, dass alle meine Schützlinge wissen, dass ich alles, was sie geben, doppelt und dreifach zurückgebe. Ich bin rund um die Uhr für sie da. Bei aller Strenge ist mir positive Energie und Freude an der Arbeit sehr wichtig, denn dann fühlt es sich nicht wie Arbeit an“, sagt er.

Robert Harutyunyan will eigene Veranstaltungen organisieren

Das Gesamtpaket seines Berufsfelds sei das, was ihn fasziniere, deshalb könne er auch keine Tätigkeit als seine liebste herausheben. Seine wichtigste Aufgabe sieht er weiterhin darin, Bindeglied zu sein zwischen dem Büro und dem Gym. Er versteht sich als Zuarbeiter für Profi-Cheftrainer Artur Grigorian, versucht in seiner Rolle als Sportdirektor, den Berufsboxern alle organisatorischen Pro­bleme abzunehmen und sich gleichzeitig auch in der Ansetzung von Kämpfen zu engagieren und damit Matchmaker Flavio Mirabal zu unterstützen, „denn dafür habe ich die Nähe zu den Sportlern, um zu wissen, was das Beste für sie ist“.

Auch vor diesem Sonnabend (Start 16.45 Uhr, ab 20 Uhr live auf „Bild.de“), wenn im Universum-Gym an der Großen Elbstraße der nächste Kampfabend mit 14 Duellen ansteht, hat Robert Harutyunyan seine Ideen eingebracht. Er freut sich besonders auf die Titelkämpfe im Schwergewicht mit WBA-International-Champion Zhan Kossobutski (gegen den US-Amerikaner Joey Dawejko) und WBC-Latino-Meister José Larduet (gegen Santander Silgado aus Panama) sowie die internationale deutsche Meisterschaft im Superleichtgewicht zwischen der Hamburgerin Dilar Kisikyol und der Serbin Aleksandra Vujovic.

Manchmal, wenn er am Ring steht statt darin, juckt es ihn noch in den Fäusten. Aber eine Rückkehr ist aktuell gar kein Thema. „Ich will immer weiter, Stillstand ist für mich der Tod“, sagt er. Kurzfristig möchte er in Kooperation mit dem Hamburger Amateurboxverband eigene Veranstaltungen organisieren, mittelfristig im Profibereich Champions ausbilden und beim Weltverband Aiba die höchste Sternelizenz erwerben. Und langfristig? „Möchte ich eine Trainerlegende wie Fritz Sdunek werden.“ Kühne Pläne sind das, aber die Harutyunyan-Brüder wären nie da, wo sie jetzt sind, wenn sie klein gedacht hätten.

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