Fußball-EM

Wie Englands Torhüter in wichtigen Momenten daneben griffen

| Lesedauer: 3 Minuten
Christian Woop
In wichtigen Partien zeigten Englands Torhüter immer wieder Schwächen oder griffen gar daneben. Auch die Kepper David James (links) und David Seaman reihten sich ein.

In wichtigen Partien zeigten Englands Torhüter immer wieder Schwächen oder griffen gar daneben. Auch die Kepper David James (links) und David Seaman reihten sich ein.

Foto: Imago

Was hätten die Three Lions in manchen Jahren erreichen können - hätten sie einen zuverlässigen Schlussmann gehabt. Ein Blick zurück.

Essen. David Beckham, Michael Owen. Später John Terry, Steven Gerrard, Frank Lampard und Wayne Rooney. Was hätte diese englische Fußballer-Generation nur erreichen können, wenn sie einen ebenso hochklassigen Torhüter zwischen den Pfosten gehabt hätte? Und so kam es dann oft, wie es kommen musste: Englands Schlussmänner griffen in den wichtigen Momenten zuverlässig daneben.

David Seaman: "Es war schrecklich"

Das Trauma begann bei der WM 2002, Viertelfinale gegen Brasilien. Viele Favoriten waren ausgeschieden, Englands Titelträume aber lebten. Owen brachte sein Team früh in Führung. Doch dann kam der Mann mit dem berühmtesten Haarzopf des Fußballs: David Seaman. Rivaldo hatte für die Brasilianer schon ausgeglichen, ehe sie kurz nach der Pause einen Freistoß zugesprochen bekamen. Ronaldinho trat an, gut und gerne 40 Meter bis zum Tor, alle – insbesondere Keeper Seaman – warteten auf die Flanke.

Doch das Schlitzohr Ronaldinho schoss direkt drauf. Der Ball segelte über Seaman, viel zu weit vor seinem Tor, hinweg. „Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich dachte: Bitte geh‘ über die Latte, bitte geh’ über die Latte“, sagte Seaman später. „Ich hörte aber, wie der Ball das Netz traf. Es war schrecklich.“ Und England ausgeschieden. Immerhin schafften es die Three Lions da überhaupt zur Endrunde.

2008 scheiterte man schon in der EM-Qualifikation. Wieder unter Mithilfe der Torhüter. In den entscheidenden Duellen mit Kroatien patzten Paul Robinson und Scott Carson. Im Hinspiel trat Robinson bei einem Rückpass von Gary Neville über den Ball, der ins Netz kullerte. In der zweiten Partie musste Debütant Carson ran. In Wembley rutschte ihm ein Schuss von Niko Kranjcar über die Hände.

Kult bei den Fans ist inzwischen David James, der sich für seine Aussetzer den Spitznamen Calamity James (Unglücks-James) einfing. In der Quali zur WM 2006 gegen Österreich kassierten die Engländer einst trotz Zwei-Tore-Führung noch den Ausgleich, weil James den Ball bei einem schwachen Schuss von Andreas Ivanschitz durch die ausgestreckten Hände rollen ließ.

Joe Hart - an guten Tagen Weltklasse, an schlechten...

James, inzwischen 50 Jahre alt, spielte 2010 in Südafrika sein letztes Turnier – und kam ironischerweise als eigentliche Nummer zwei doch zu Einsätzen, weil Stammkeeper Rob Green im Gruppenspiel gegen die USA böse patzte. In Joe Hart hatte England dann einen Torwart, der an guten Tagen Weltklasse war, an schlechten aber auch zur Kategorie Pannen-Torhüter zählte. 2016 scheiterte England im Achtelfinale an Island – eines der beiden Tore beim 1:2 ging auf Harts Kappe.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport