Tennis

Australian Open: Djokovic erteilt Medwedew eine Lehrstunde

Lesedauer: 3 Minuten
Novak Djokovic küsst die Australian-Open-Trophäe - er feierte in Melbourne seinen neunten Titel.

Novak Djokovic küsst die Australian-Open-Trophäe - er feierte in Melbourne seinen neunten Titel.

Foto: Getty

Novak Djokovic bleibt bei den Australian Open unantastbar. Gegen Daniil Medwedew triumphierte er zum neunten Mal im Finale von Melbourne.

Melbourne. Mit einer Meisterleistung hat Novak Djokovic sein Königreich in Melbourne verteidigt und den Angriff des „unschlagbar“ scheinenden Daniil Medwedew leicht und locker abgewehrt. Der Rekordchampion und Titelverteidiger erteilte dem so formstarken Russen am Sonntag mit 7:5, 6:2, 6:2 eine Lehrstunde und triumphierte im neunten Finale bei den Australian Open zum neunten Mal - eine sensationelle Bilanz, die nur von Rafael Nadals 13 Titeln bei den French Open übertroffen wird.

Insgesamt steht Djokovic nun bei 18 Grand-Slam-Titeln, im historischen Dreikampf mit seinen Dauerrivalen Roger Federer und Nadal (beide 20) fehlen ihm nur noch zwei Major-Triumphe zu den Rekordhaltern. Für seinen dritten Melbourne-Titel in Folge strich der Weltranglistenerste ein Preisgeld von knapp 1,8 Millionen Euro ein. Nach nur 1:53 Stunden setzte er den begnadeten Schachspieler Medwedew (25) matt.

Medwedew als Djokovic-Nachfolger gehandelt

Gleichzeitig beendete der 33 Jahre alte Serbe die beeindruckende Siegesserie Medwedews, der zuletzt 20 Matches nacheinander gewonnen hatte, darunter zwölfmal gegen Top-10-Spieler. In seinem zweiten Grand-Slam-Finale erlebte der Sieger der ATP Finals die nächste Enttäuschung - 2019 hatte der Moskauer bei den US Open schon gegen Nadal verloren.

Auch aufgrund dieser imposanten Serie hatte sich bei Tennis-Größen im Verlauf des Turniers der Eindruck verfestigt: Wenn einer Djokovic bei seinem Lieblingsturnier stürzen kann, dann Medwedew. „Ich wäre nicht überrascht, wenn er den Durchbruch schafft und gewinnt“, hatte die australische Legende Rod Laver vor dem Finale getwittert, auch Boris Becker adelte den Russen als „Mann der Stunde“ und sah ihn für die kommenden Jahre sogar als „kleinen Nachfolger von Djokovic“.

Auch von einem nervösen Start ließ sich Medwedew nicht beeindrucken. Schnell erreichte die vom deutschen Stuhlschiedsrichter Nico Helwerth geleitete Partie hochklassiges Niveau. In der Rod-Laver-Arena fand der Russe auf das aggressive Spiel Djokovics fast immer eine Antwort, der Serbe musste sich jeden Punkt hart erkämpfen. Nach 42 Minuten nutzte er aber eine kleine Schwäche Medwedews zum ersten Satzgewinn.

Djokovic sieht nächste Generation noch nicht am Zug

Das Endspiel der Australian Open war auch der nächste Anlauf der Spieler der sogenannten „Next Generation“, das Ende der Ära der Superstars Djokovic, Federer und Nadal einzuläuten. Zwar hatten die vergangenen US Open in Dominic Thiem bereits einen neuen Champion hervorgebracht - Federer fehlte dort aber verletzt, Nadal verzichtete auf einen Start und Djokovic wurde im Achtelfinale wegen einer Unbeherrschtheit disqualifiziert.

„Es wird viel geredet über die neue Generation, die von uns übernehmen soll“, sagte Djokovic: „Aber realistisch gesehen ist das noch nicht passiert. Mit allem Respekt gegenüber den anderen Jungs, sie haben noch viel Arbeit vor sich.“

Djokovic im Finale mental überlegen

Das zeigte sich im Finale von Melbourne: Auch mit der Führung im Rücken hielt Djokovic den Druck hoch, Medwedew leistete sich hingegen vermehrt einfache Fehler. Aus Frust zerdepperte der Russe seinen Schläger und haderte immer mehr mit sich. Djokovic, dessen Bauchmuskelbeschwerden komplett ausgestanden schienen, blieb hochkonzentriert und holte sich den zweiten Durchgang souverän.

Medwedew verzweifelte immer mehr, der Fokus war weg. „Er ist so ein talentierter Spieler, aber heute packt er es mit den Nerven nicht“, urteilte Becker bei Eurosport. Mental war der eiskalte Djokovic weit überlegen - und wehrte auch ein letztes Aufbäumen seines Kontrahenten locker ab. (sid)