Nations League

Nationalmannschaft auf der Suche nach dem Sieger-Gen

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Joachim Löw (M.) muss Lösungen finden, damit seine Nationalmannschaft wieder erfolgreich ist. Zuletzt fehlte es vor allem an Einstellung und Siegermentalität.

Joachim Löw (M.) muss Lösungen finden, damit seine Nationalmannschaft wieder erfolgreich ist. Zuletzt fehlte es vor allem an Einstellung und Siegermentalität.

Foto: dpa

Nach dem schwachen 3:3 gegen die Türkei steht die DFB-Elf gegen die Ukraine unter Zugzwang. Präsident Keller erhöht den Druck.

Kiew/Köln. Mit einem „mulmigen Gefühl“ und einem „riesengroßen Sack voll Respekt“ starteten Joachim Löw und seine Nationalspieler in ihre heikle Siegmission im Corona-Risikogebiet Ukraine. Ungeachtet steigender Infektionszahlen in Kiew und der sechs Coronafälle beim Gegner war der Auftrag des Bundestrainers unmissverständlich: „Es ist sehr wichtig, die nächsten Spiele siegreich zu gestalten“, sagte Löw und versicherte: „Alle sind heiß und motiviert zu gewinnen.“

DFB-Präsident Keller fordert Punkte in der Nations League

Das Sieger-Gen für das Spiel am Sonnabend (20.45 Uhr/ARD) soll der zurückkehrende Block der schier unersättlichen Titelsammler von Bayern München um Kapitän Manuel Neuer und Antreiber Joshua Kimmich zurückbringen. „Dadurch bekommen wir mehr Erfahrung. Davon werden wir profitieren“, sagte Löw.Nach fünf verspielten Führungen in drei Spielen soll im siebten Anlauf endlich der Premierensieg in der Nations League gelingen. Mit Blick auf die Begegnung in der Ukraine und dem Spiel am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Köln gegen die Schweiz machte auch DFB-Präsident Fritz Keller seinem leitenden Angestellten eine klare Ansage. „Jetzt gibt“s nur einen Weg: punkten und punkten! Wir können es uns nicht leisten abzusteigen„, sagte Keller.

Nationalspieler ließen zu oft Mentalität vermissen

Dies sollte gegen einen Covid-19-geplagten Gegner gelingen, zumal Löw auch wieder auf Toni Kroos und Timo Werner zurückgreifen kann. Nach dem verschenkten Sieg gegen die Türkei (3:3) arbeitete Löw seine lange Mängelliste ab: Spielkontrolle, Chancenverwertung, Organisation, Ballverluste - und nicht zuletzt Mentalität. Doch der ukrainische Nationaltrainer Andrej Schewtschenko hatte nach dem 1:7-Debakel in Frankreich ganz andere Sorgen: Laut Verbandsangaben muss er gegen die DFB-Auswahl auf 14 (!) Profis verzichten.

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Ungeachtet der Probleme des Gegners forderte Emre Can einen „abgeklärteren, erwachseneren und dreckigeren Auftritt“ als zuletzt. Zum Auftakt der Nations League hatte sich der viermalige Weltmeister mit Unentschieden gegen Spanien und in der Schweiz (jeweils 1:1) begnügen müssen.Abseits des Platzes ist die deutsche Reisegruppe aber ebenfalls gefordert. Löws „mulmiges Gefühl“ teilten auch seine Spieler. „Es ist noch immer eine Extremsituation, in der jeder Einzelne aufpassen muss“, sagte Robin Gosens, der durch seine „Horror-Zeit“ in Bergamo zu Beginn der Pandemie „ein gebranntes Kind“ ist.

Stadion in Kiew mit über 20.000 Fans gefüllt

Die Ansage der DFB-Führung ist klar: Maskenpflicht auch im Hotel, Sitzungen meist nur in kleinen Gruppen, höchste Aufmerksamkeit. „Wir sind in der Blase, in der wir uns bewegen, und halten uns strengstens an die Auflagen“, versicherte Löw. Das Stadion soll wie von der Uefa erlaubt mit bis zu 21.000 Fans zu 30 Prozent ausgelastet sein.

Dementsprechend stieg Gosens am Freitag bei angenehmen 20 Grad mit einem „riesengroßen Sack voll Respekt“ in Kiew aus dem Flieger. Das Erlebnis in Bergamo sei „die größte Negativerfahrung“ seines Lebens gewesen. Man kämpfe immer noch gegen einen unsichtbaren Gegner und wisse nicht, wo man stehe.

Am Sonnabend will er das aber ausblenden. „Der DFB“, sagte er, „hat für maximale Sicherheit gesorgt. Deshalb glaube ich auch, dass wir uns in der Ukraine aufs Sportliche konzentrieren können.“ Das fordert auch Löw.

( sid )

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