Fußball-Ticker

Bremens Bürgermeister rechnet mit DFL ab: „Seelenlos“

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte glaubt, dass der DFL ein Abstieg Werders gelegen käme.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte glaubt, dass der DFL ein Abstieg Werders gelegen käme.

Foto: Karsten Klama / picture alliance/dpa

Aktuelle Meldungen, heiße Gerüchte, scharfe Zitate, Verletzungen und Transfergeflüster. Der Fußball-Ticker hält Sie auf dem Laufenden.

Der Fußball-Ticker am Freitag, den 26. Juni 2020:

Lissabon vor Lockdown: UEFA hält an Finalplan fest

Die Europäische Fußball-Union UEFA geht nach dem bevorstehenden Lockdown des Großraums Lissabon weiter von einem Champions-League-Finalturnier in der portugiesischen Hauptstadt aus. „Es gibt aktuell keinen Grund, einen Plan B zu haben. Aber wir bewerten die Situation täglich und werden es zu gegebener Zeit anpassen, falls notwendig“, teilte die UEFA am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Wegen einer Zunahme der Corona-Infektionen müssen weite Teile des Großraums Lissabon am 1. Juli zwei Wochen lang wieder in den Lockdown. Das hatte der portugiesische Ministerpräsident António Costa am Donnerstag angekündigt. Die Bewohner der 19 betroffenen Gemeinden im Großraum der Hauptstadt werden demnach nur noch aus dem Haus gehen dürfen, um Einkäufe zu tätigen, zur Arbeit zu fahren oder einen Arzt aufzusuchen. Die Bezirke im Zentrum Lissabons sind nicht betroffen.

„Die UEFA ist in konstantem Kontakt mit dem portugiesischen Fußballverband und mit den portugiesischen Behörden“, teilte der Kontinentalverband weiter mit. „Wir hoffen, dass alles gut sein wird und dass es möglich sein wird, dass Final Eight in Portugal zu organisieren.“ Ab dem Viertelfinale sollen alle Spiele der Champions League vom 12. bis 23. August in Lissabon stattfinden. Es gibt jeweils nur ein Duell und nicht wie gewohnt Hin- und Rückspiel. RB Leipzig ist bereits für die Runde der besten acht Teams qualifiziert. Der FC Bayern absolviert nach dem 3:0 im ersten Duell noch sein Rückspiel gegen den FC Chelsea, ob in München oder bereits in Portugal ist noch offen.

Union-Torwart Gikiewicz vor Wechsel nach Augsburg

Rafal Gikiewicz vom 1. FC Union Berlin wechselt in der Fußball-Bundesliga offenkundig zum FC Augsburg. Eine offizielle Bestätigung des Transfers gab es noch nicht. Der 32 Jahre alte Torwart versah am Freitag aber den Twitter-Beitrag eines polnischen Journalisten mit einem Re-Tweet: „Nach dem Wochenende wird Rafał Gikiewicz einen Vertrag mit Augsburg unterzeichnen und Union wird sich von ihm verabschieden“, hieß es dort.

Auch die „Bild“-Zeitung hatte über den bevorstehenden Wechsel berichtet. Wie die Zeitung am Freitag schrieb, soll sich Gikiewicz mit Augsburg auf einen Dreijahresvertrag geeinigt haben. Mit Union hatte sich der bei den Berliner Fans beliebte polnische Schlussmann nicht auf eine Verlängerung des zum Saisonende auslaufenden Vertrages verständigen können. Danach war Gikiewicz auch mit dem HSV in Verbindung gebracht worden.

Am Bundesliga-Aufstieg und am Klassenverbleib der Eisernen hatte Gikiewicz großen Anteil. „Heute: letzte mal Training, das letzte mal Massage. Morgen: dann mein letztes Spiel für Union. Eine wunderschöne, ergreifende Geschichte geht zu Ende“, schrieb Gikiewicz selbst bei Twitter.

Platini in Blatter-Verfahren mitangeklagt

Der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini ist im Zuge eines Verfahrens gegen den früheren FIFA-Präsidenten Sepp Blatter ebenfalls ins Fadenkreuz der Justiz geraten. Die 2015 in der Schweiz eingeleitete Untersuchung gegen Blatter wegen einer undokumentierten Zahlung von 2 Millionen Schweizer Franken an Platini wurde wegen des Verdachts der „Mittäterschaft an Misswirtschaft und Veruntreuung“ auf den 65-Jährigen ausgeweitet. Dies geht aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft vom 5. Juni hervor, das der französischen Nachrichtenagentur AFP vorliegt.

Während der Franzose bislang lediglich als „unterstützender Zeuge“ gehört werden sollte, ist er damit nun offiziell Angeklagter. Laut Aussage von Blatter wurde Platini für den 31. August zur Verhandlung im Schweizer Bundesgericht vorgeladen, er selbst sei einen Tag später dran.

Die Schweizer Justiz hatte im September 2015 ein Strafverfahren gegen Blatter eröffnet, weil dieser im Jahr 2011 ohne schriftlichen Vertrag eine Zahlung von 1,8 Millionen Euro für eine 2002 abgeschlossene Beratungstätigkeit an Platini geleistet hatte. Die verdächtige Zahlung brachte sowohl Blatter als auch Platini eine mehrjährige Sperre ein, die den ehemaligen UEFA-Präsidenten unter anderem daran hinderte, als FIFA-Präsident zu kandidieren.

VfB-Trainer gibt Gomez für letztes Spiel Einsatzgarantie

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo hat dem früheren Nationalstürmer Mario Gomez für das Saisonfinale in der 2. Bundesliga eine Einsatzgarantie gegeben. „Er wird von Anfang an spielen. Es ist unser Job und unsere Verantwortung, ihm einen würdigen Abschied zu schenken“, sagte Matarazzo am Freitag: „Sie sollen ihn viel füttern in der Box, er soll sein Tor machen.“

Der 34-jährige Gomez wird am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) gegen den SV Darmstadt 98 beim sehr wahrscheinlichen Aufstieg des VfB Stuttgart in die Fußball-Bundesliga sein letztes Spiel für die Schwaben bestreiten. Ob er seine Karriere beendet oder noch einmal ins Ausland wechselt, hat Gomez noch nicht kommuniziert. Zuletzt war er beim VfB nur noch Ersatz.

Matarazzo würdigte die Karriere des früheren Bayern-Profis. „Wenn er eine Zuschauerzahl verdient hätte, hätte er mehr als ein volles Stadion verdient“, sagte der Coach auch angesichts der derzeitigen Geisterspiele: „Er ist ein Spieler, der eine enorme Karriere hingelegt hat. Er ist nicht nur fußballerisch, aber auch menschlich ein Topmann: intelligent, bodenständig, professionell ohne Ende.“

Coutinho vor Comeback beim FC Bayern

Philippe Coutinho kann beim FC Bayern München am letzten Spieltag der Bundesliga auf ein Comeback hoffen. Trainer Hansi Flick kündigte an, dass der vom FC Barcelona ausgeliehene Brasilianer zwei Monate nach seiner Operation am rechten Sprunggelenk im Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky) wieder im Kader des deutschen Meisters steht.

Für das Pokalendspiel in einer Woche im Berliner Olympiastadion gegen Bayer Leverkusen hofft Flick auf eine Rückkehr von Thiago. „Das ist der Plan, dass er dabei sein kann. Er trainiert täglich, hat eine gute Entwicklung und bisher keine Rückschläge“, sagte Flick am Freitag. Der Spanier hatte sich einer Leistenoperation unterziehen müssen. In den vergangenen Wochen wurde wiederholt über die Zukunft von Thiago in München spekuliert. „Es gibt keinen neuen Stand“, sagte Flick. „Er gibt der Mannschaft ein gewisses Extra. Für mich gibt es keine zwei Meinungen zur Qualität von Thiago.“ Thiagos Vertrag läuft im kommenden Sommer aus.

In Wolfsburg bekommen die Münchner die Meisterschale überreicht. „Wir haben es geschafft, und das ist dann der krönende Abschluss, wenn der Pokal überreicht wird“, sagte der 55-jährige Flick. Die Meisterschaft sei aber auch ein Zwischenziel. „Wenn man ein Zwischenziel hat, muss man weitere Ziele haben. Und die haben wir in der Mannschaft“, sagte Flick. Außer im DFB-Pokal haben die Münchner noch Chancen auf den Erfolg in der Champions League. Die Königsklasse wird im August fortgesetzt. Dann sollen auch die lange verletzten Niklas Süle und Corentin Tolisso wieder dem Aufgebot angehören.

Lewandowski erhält Torjägerkanone mit Verspätung

Die diesjährige Übergabe der Torjägerkanone an Robert Lewandowski muss aufgrund der Corona-Beschränkungen angepasst werden. Die prestigeträchtige Auszeichnung wird, nicht wie sonst üblich, vor dem Anstoß des letzten Spieltags an den Polen übergeben. Stattdessen erhält Lewandowski seine fünfte Trophäe erst nach dem Saisonfinale beim VfL Wolfsburg durch einen „Vereinsverantwortlichen des FC Bayern“, teilte das Fachmagazin kicker mit.

Mit 33 Treffern spielt Lewandowski derzeit seine erfolgreichste Bundesliga-Saison, Kontrahent Timo Werner (RB Leipzig, 28 Treffer) kann ihn unter normalen Bedingungen nicht mehr einholen. Erstmals wird in Fabian Klos von Aufsteiger Arminia Bielefeld auch der beste Torschütze der 2. Bundesliga gekürt. Der wuchtige Angreifer traf vor dem letzten Spiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) gegen den 1. FC Heidenheim 20 Mal für die Ostwestfalen.

In der Frauen-Bundesliga traf die dänische Angreiferin Pernille Harder vom deutschen Meister VfL Wolfsburg am häufigsten (26 Tore). Die Vizepräsidentin des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Hannelore Ratzeburg und kicker-Chefredakteur Jörg Jakob werden die Kanone vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen am Sonntag (14 Uhr/MagentaSport) „unter Einhaltung aller vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen“.

Bielefeld beendet Zusammenarbeit mit Tönnies

Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld beendet die Zusammenarbeit mit dem Fleischfabrikanten Clemens Tönnies nach dem massiven Corona-Ausbruch in dessen Schlachtbetrieb. „Aufgrund der aktuellen Ereignisse wird der DSC Arminia Bielefeld die werbliche Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Tönnies nicht fortsetzen“, teilte der Verein auf Anfrage der "Neuen Westfälischen" mit. Der Werbevertrag werde zum Ende dieser Spielzeit auslaufen.

Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender bei Schalke 04, ist mit seinem Betrieb seit einem Jahr offiziell Partner der Ostwestfalen. Schon zuvor hatte der Unternehmer den Club nach eigener Aussage unterstützt. In dem Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück waren in den vergangenen Tagen mehr als 1500 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden, daraufhin verhängte Nordrhein-Westfalen für den Kreis Coesfeld eine Lockdown.

DFB holt Berle als neue Medienchefin

Der Deutsche Fußball-Bund hat Mirjam Berle als neue Direktorin Öffentlichkeit und Fans engagiert. Wie der DFB am Freitag mitteilte, beginnt ihr Vertrag am 1. Oktober. Damit tritt Berle, die aktuell noch Director Communications Central & Eastern Europe beim US-Reifenhersteller Goodyear ist, die Nachfolge von Ralf Köttker an. Er war im November 2019 beim DFB ausgeschieden.

Berle ist für den gesamten Bereich „Corporate Communications“ und „die unter Gesichtspunkten der Imagebildung relevante strategische Entwicklung und Positionierung des Verbandes und seiner Tochterunternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung“ verantwortlich, hieß es in einer Mitteilung.

Die Direktion Öffentlichkeit und Fans war in den vergangenen Monaten und inmitten der Corona-Krise kommissarisch gemeinsam von Stefanie Schulte und Jens Grittner geleitet worden. Schulte werde laut DFB weiterhin als Abteilungsleiterin den Bereich „Gesellschaftliche Verantwortung und Fanbelange“ verantworten. Grittner werde sich als Leiter Sport-Kommunikation des DFB wieder auf seine Kernaufgaben als Pressechef Sport/Teams und als Pressesprecher der Nationalmannschaft konzentrieren.

Werder bangt um Rashica

Werder Bremen bangt vor dem entscheidenden Spiel um den Klassenerhalt gegen den 1. FC Köln weiter um den Einsatz von Milot Rashica. „Er muss in der Lage sein, seinen Schmerz zu tolerieren und seine Leistung zu bringen“, sagte Bremens Trainer Florian Kohfeldt am Freitag. Rashica hatte sich am Mittwoch im Training eine Knöchelverletzung zugezogen. „Wir müssen abwarten“, sagte Kohfeldt mit Blick auf die Bundesliga-Partie am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky).

Mit sieben Saisontreffern ist Rashica in dieser Spielzeit der beste Bundesliga-Torjäger des Tabellenvorletzten, der am 34. Spieltag unbedingt gewinnen muss, um noch eine Chance auf den Relegationsplatz zu haben. Der Kosovare befindet sich allerdings seit Wochen im Formtief und erzielte in der Rückrunde noch keinen Treffer. Dennoch haben einige Clubs Interesse am Stürmer. Ein Wechsel von Rashica nach dieser Saison gilt als sicher.

Wieder zur Verfügung steht Bremen gegen Köln dagegen Kevin Vogt. Der Defensivspieler hat seine Hüftverletzung auskuriert. Auch Theodor Gebre Selassie ist rechtzeitig wieder fit. Für Sebastian Langkamp (Zerrung) rückt Ömer Toprak in den Kader.

Zeitplan der Frauen-Champions-League steht

Der deutsche Frauen-Meister VfL Wolfsburg eröffnet mit der Partie gegen Glasgow City FC das Finalturnier der Champions League. Die Wolfsburgerinnen bestreiten ihr Viertelfinale gegen das Team aus Schottland am 21. August (18.00 Uhr) in San Sebastián. Die Bayern treffen einen Tag später (20.00 Uhr) in Bilbao auf Titelverteidiger Olympique Lyon. Das teilte die Europäische Fußball-Union am Freitag mit. Das Endspiel soll am 30. August (20.00 Uhr) im Anoeta-Stadion in San Sebastián ausgetragen werden.

Dass die Champions League mit den beiden deutschen Clubs Ende August in Turnierform fortgesetzt werden würde, stand bereits seit der vergangenen Woche fest. Nun terminierte die UEFA die Partien zeitgenau und legte die Spielorte fest.

Bei einem Sieg träfe der VfL am 25. August (20.00 Uhr) erneut in San Sebastián auf den Sieger der Partie zwischen Arsenal WFC und Paris Saint-Germain. Das Halbfinale der Bayern gegen den FC Arsenal oder Paris Saint-Germain wäre am 26. August (20.00 Uhr) in Bilbao. Alle Partien werden im K.-o.-Modus ohne Hin- und Rückspiel ausgetragen.

Bremens Bürgermeister greift DFL an: „Seelenlos“

Unmittelbar vor dem Ende der Bundesliga-Saison sieht sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) erneut scharfer Kritik aus Bremen ausgesetzt. Bürgermeister Andreas Bovenschulte bezeichnete den Ligaverband im „Weserkurier“ als „seelenlosen Machtapparat“. Er habe bereits vor der Krise kein gutes Bild von der DFL gehabt, ergänzte der SPD-Politiker, sein Eindruck habe sich nicht verändert.

„Ich glaube, dass viele Leute nun erkannt haben, welch Geistes Kind die DFL ist. Auch was die Gnadenlosigkeit angeht, mit der sie ihre Interessen durchsetzt“, sagte der 54-Jährige in dem Interview. Der Verband unter Leitung von Geschäftsführer Christian Seifert sei im Ringen um einen Restart keineswegs demütig aufgetreten, sondern „knallhart“, sagte Bovenschulte. Zudem sei die DFL-Führung „mit den derzeit einflussreichen Vereinen in Deutschland verbandelt“ und bestimme, wo es langgeht.

Bremen liegt seit längerer Zeit unter anderem wegen des Streits um die Übernahme von Polizeikosten mit dem Ligaverband im Clinch. Bovenschulte rechnet aber nicht damit, dass sich die DFL-Verantwortlichen über einen Abstieg von Werder freuen würden. „Ganz ehrlich: Die DFL ist ein seelenloser Machtapparat“, sagte Bovenschulte: „Ob Werder in der ersten Liga dabei ist oder nicht, das interessiert die nicht. Da reicht´s nicht mal zur Schadenfreude.“

Auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ging Bovenschulte an. Er kritisierte, dass der Verband im Zuge des Polizeikostenstreits den Bremern ein Länderspiel verweigert habe und das Weserstadion seither mit dem Nationalteam meide. Dies sei eine „willkürliche und ungerechte Strafmaßnahme“, die zurückgenommen werden müsse.