Corona-Folgen für den Sport

Mit 41 Jahren ein Meister im virtuellen Segeln

Johannes Bahnsen (r.) ist auch auf der realen Wasserbahn Steuermann beim Hamburger SC.

Johannes Bahnsen (r.) ist auch auf der realen Wasserbahn Steuermann beim Hamburger SC.

Foto: DSBL / Lars Wehrmann

Der Hamburger Segel-Club ist der Favorit im Finale der eSailing-Bundesliga. Auf das Wasser geht es dann wieder im Juli.

Hamburg.  Johannes Bahnsen ist bestens vorbereitet auf den ersten Showdown der Segelsaison. Der deutsche Meister führt erneut die DM-Rangliste an, lieferte jüngst in der WM-Ausscheidung mit acht Siegen in Folge das perfekte Ergebnis ab und geht für den Hamburger Segel-Club (HSC) im Vereinsfinale an diesem Freitag als Vorrundensieger an den Start. Der Weltranglistensechste ist in Zeiten coronabedingter Regattaabsagen Deutschlands erfolgreichster Segler – und sitzt dennoch auf dem Trockenen.

Der gebürtige Hamburger erspielt seine Erfolge am Smartphone, von zu Hause aus in virtuellen Gewässern. „Virtuell Regatta“ ist das vom Welt- und Deutschen Segler-Verband (DSV) anerkannte Spiel, in dem Bahnsen ein Meister seines Fachs ist. Und das nicht im gemeinhin besten eSport-Alter von 20 Jahren, sondern mit 41. „Auch einige der in realen Klassen weltbesten Segler sind online mit dabei“, sagt der Ingenieur, der den Druck spürt, den eine jüngere, noch spieleaffiniere Zielgruppe auf ihn ausübt. „eSailing ist schon lange im Segelsport angekommen. Wir sehen es als Ergänzung, nicht als Ersatz“, sagt DSV-Präsidentin Mona Küppers.

Per Touchscreen steuert sich Bahnsen am Handy durch den Kurs

Das sehen auch Bahnsen, der als J/70-Steuermann im Zweitligakader des HSC aktiv ist, sowie die Macher der Segel-Bundesliga (DSBL) mit ihrer nach der Saisonverschiebung kreierten eSailing-Vereinsmeisterschaft so. „Auf der virtuellen Regattabahn profitiere ich von meinem Segelkönnen. Ich sehe, von wo der Wind kommt, weiß, wie ich mich taktisch zu verhalten habe“, sagt Bahnsen, der in Hochzeiten bis zu 15 Stunden in der Woche aktiv ist. Ganz einfach per Touchscreen steuert er sich am Handy durch den Kurs. Auch in die andere Richtung habe er einen Benefit feststellen können. „Ich werde besser. Im Spiel kann ich verschiedenste Taktiken erfolgreich ausprobieren, die ich dann versuche, in reale Wettfahrten zu übersetzen.“

Das wird er frühestens im Juli wieder tun können. „Es gibt positive Signale, dass wir dann mit unserem Hygienekonzept wieder echte Ligaregatten segeln können“, sagt DSBL-Veranstalter Oliver Schwall. Der neue Kalender könnte in Berlin beginnen. „Dort, wo zuerst wieder vier Personen in einem Boot segeln dürfen, dort beginnen wir“, sagt Schwall. Das große Finale soll es weiterhin Anfang Oktober beim Norddeutschen Regatta Verein auf der Alster geben.

Lesen Sie auch:

Doch auch das Ersatzprogramm kam an. 68 Clubs traten in der eSailing-Meisterschaft an, im Schnitt 24.500 Menschen erreichten die Übertragungen im Internet – teilweise mehr als an realen Ligaspieltagen. „Die Resonanz übertraf alle unsere Erwartungen“, sagt Schwall. Im Finale der besten zwölf (heute, 17.30 Uhr/DSBL-Facebook, YouTube, segelbundesliga.de live) kämpfen gleich sieben Nordclubs um den Titel. Darunter der Blankeneser SC, Mühlenberger SC und HSC um Topfavorit Johannes Bahnsen. Der jedoch wiegelt ab: „Es wird spannend. Im Training haben mich die Verfolger zuletzt nass gemacht.“ Am Bildschirm, nicht auf dem Wasser.