Corona-Krise im Sport

DFL erlaubt fünf Auswechslungen – in drei Schritten

HSV-Stürmer Pohjanpalo ersetzt Hinterseer: Beim Liga-Neustart werden fünf Auswechslungen erlaubt sein.

HSV-Stürmer Pohjanpalo ersetzt Hinterseer: Beim Liga-Neustart werden fünf Auswechslungen erlaubt sein.

Foto: Witters

Völler attackiert Lauterbach, Tottenham-Star überfallen – und dem FC Bayern fehlen nur noch zehn Millionen für Sané.

Transfers, verletzte Spieler, Verträge, die verlängert werden oder auch nicht: Nach acht Wochen Corona-Krise finden sich im Sportnachrichten-Strom mehr und mehr vertraute Schlagzeilen. Doch die Pandemie bleibt das bestimmende Thema.

Die Entwicklungen am Donnerstag, den 14. Mai 2020:

Niederlande: Vereine scheitern mit Klage auf Aufstieg

Die niederländischen Fußball-Zweitligisten SC Cambuur und De Graafschap sind mit ihrer Klage auf den Aufstieg in die Eredivisie gescheitert. Richter Hans Zuurmond vom Amtsgericht in Utrecht wies einen entsprechenden Eilantrag der beiden Topteams der Eerste Divisie am Donnerstag ab. Der niederländische Verband (KNVB) hatte wegen der Corona-Krise bereits Ende April die aktuelle Saison in allen Spielklassen abgebrochen und dabei auf Auf- und Absteiger verzichtet.

Das Gericht sah in dieser Entscheidung kein Fehlverhalten von Seiten des Verbandes. Der KNVB sei aufgrund der besonderen Situation auch angesichts der Verbandsstatuten zu dieser Entscheidung berechtigt gewesen. Auch der Antrag auf eine Hauptversammlung aller Vereine wurde juristisch wegen des nationalen Versammlungsverbots abgewiesen.

DFL erlaubt fünf Auswechslungen

In der Bundesliga und Zweiten Liga sind für den Rest der Saison fünf statt drei Auswechslungen erlaubt. Das entschied die DFL und übernahm damit die von der Fifa eingeführte Änderung wegen der größeren Belastung durch die Corona-Krise.

Durchgeführt werden dürfen die Wechsel bei drei Gelegenheiten (inklusive der Halbzeit). Damit soll verhindert werden, dass Trainer in der Schlussphase eines Spiels das neue Instrument zu vermehrtem Zeitspiel nutzen, wie es unter anderem HSV-Trainer Dieter Hecking befürchtet hatte.

DFL verschiebt Notfall-Pläne

Und noch eine wichtigere Änderung der DFL: Mit den Notfall-Plänen im Falle eines Saisonabruchs soll sich nun erst in den kommenden zwei Wochen befasst werden. Beschlossen wurde hingegen, dass die Saison auch nach dem 30. Juni fortgesetzt werden kann, sofern bis zu diesem Datum die verbliebenen Spiele nicht stattfinden können. Auch Relegationsspiele sollen wie geplant stattfinden.

Keine Corona-Tests: Drittligist ohne Teamtraining

Ausbleibende Corona-Tests behindern beim Drittligisten Waldhof Mannheim die Vorbereitungen auf einen möglichen Neustart. Die "Rhein-Neckar-Zeitung" und die "Rheinpfalz" berichten, dass den Mannheimern vonseiten des DFB das Mannschaftstraining verboten worden war, weil die nötigen zwei Testreihen noch nicht durchgeführt wurden.

„Das ist fürchterlich, der DFB agiert völlig planlos“, wird Waldhof-Trainer Bernhard Trares in der RNZ zitiert: „Wenn man die Saison beenden will, kann man nicht permanent etwas ändern.“ Der DFB hatte das für den Wiederbeginn des Spielbetriebs erarbeitete Hygiene-Konzept nachträglich in die Spielordnung aufgenommen. Die Saison soll am 26. Mai fortgesetzt werden, die Drittligisten sind diesbezüglich aber arg zerstritten.

Türkei: Acht Corona-Fälle bei Besiktas

Bei Besiktas Istanbul sind acht Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Ob und wie viele Spieler unter den Betroffenen sind, gab der Club nicht bekannt. Die türkische Liga will eigentlich am 12. Juni den Spielbetrieb mit Geisterspielen wieder aufnehmen. In der Türkei sind mehr als 140.000 Menschen infiziert, fast 4000 sind gestorben.

Bei Besiktas steht unter anderem der frühere Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng unter Vertrag. Der ehemalige Mainzer Torwart Loris Karius hatte kürzlich seinen Leihvertrag mit dem Klub wegen ausstehender Gehaltszahlungen gekündigt und war zum FC Liverpool zurückgekehrt.

Dresden-Profi: Mit „Ängsten allein gelassen“

Marco Hartmann von Dynamo Dresden hat die DFL für ihre Entscheidungsfindung bei der Fortsetzung der Saison scharf kritisiert. „Meines Wissens nach wurden wir gar nicht einbezogen. Womöglich hätte es sonst viele Fragen gegeben. Das Hygiene-Konzept an sich versprüht einen Hauch von Sicherheit. Und trotzdem sind wir Spieler mit unseren Ängsten und Fragen allein gelassen worden“, sagte er dem „Spiegel“. „Man hätte eine Möglichkeit finden müssen für die Spieler, die sagen: Ich habe Angst. Das hätten nicht die Vereine allein machen sollen, es hätte von der DFL kommen müssen. Aber um das zu erreichen, sind wir Spieler in Deutschland leider nicht gut genug organisiert.“

Laut Hartmann hätten den Profis Bedenken genommen werden können, wenn man mit ihnen geredet hätte. „Und damit meine ich nicht die Vereine“, betonte der Mittelfeldspieler. Er selbst habe Ängste. „Ich habe einen Säugling zu Hause, dazu eine Frau im Wochenbett“, sagte der 32-Jährige. Es scheine zwar so zu sein, als gehörten beide nicht zur Risikogruppe. „Aber trotzdem beeinflusst das meinen Blick auf das alles. Ich frage mich: Wer übernimmt eigentlich die Verantwortung, wenn doch etwas passiert und nur ein einziger Spieler einen schweren Krankheitsverlauf haben sollte?“

Hartmann bemängelte zudem, dass den Spielern für die Rest-Saison zu viel abverlangt werde, er hätte sich mehr Vorbereitungszeit gewünscht. „Aber der Druck, am 30. Juni fertig zu sein mit dieser Saison, ist so hoch, dass einfach Kollateralschäden in Kauf genommen werden“, sagte der Hartmann. Derzeit befindet sich der Dynamo-Kader wegen zweier Corona-Fälle in Quarantäne. Danach bräuchte man „zwei Wochen, um den Trainingsrückstand aufzuholen“. Er wünsche sich, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann.

Drittligist schreibt offenen Brief an DFB

Der FC Carl Zeiss Jena hat mit einem offenen Brief auf die Forderung des DFB nach Konzepten für die Zukunft der 3. Liga reagiert. Demnach soll der Abstieg ausgesetzt und die Liga zur neuen Saison auf 24 Teilnehmer aufgestockt werden. „Ziel muss es sein, das Teilnehmerfeld mittelfristig auf 22 Mannschaften festzulegen. In der kommenden Saison steigen sechs Mannschaften ab. Ab der Saison 2021/22 wird die Zahl der Absteiger auf fünf reduziert. Dies ermöglicht ab derselben Saison, dass alle Meister der fünf Regionalligen direkt aufsteigen“, heißt es in dem Schreiben.

Die verminderten Einnahmen aus der Zentralvermarktung von 192.000 Euro könnten durch die erhöhte Zahl an Heimspielen kompensiert werden. Von einer größeren Anzahl an Spielen würden auch die TV-Partner profitieren. Pro Club wären dies in der kommenden Saison acht Partien mehr, dadurch würden dem DFB höhere Abgaben zufließen.

Nach Ansicht des FCC solle die neue Saison im September starten. Das würde den Clubs ausreichend Zeit gewähren, um die Hygieneanforderungen zu erfüllen. Die benötigten Corona-Tests sollen aus dem mit 7,5 Millionen Euro gefüllten Solidartopf der DFL gezahlt werden. Zudem könnten die Clubs mit Geisterspielen kalkulieren.

Der DFB hatte am Mittwoch die Abbruch-Befürworter aufgefordert, Konzepte für die Zukunft der 3. Liga vorzulegen. Außerdem sollen die Vereine mögliche Regressforderungen von Sponsoren oder TV-Partnern bei einem freiwilligen Abbruch tragen. DFB-Vizepräsident Rainer Koch hatte es als „unwürdige Schauspiel“ bezeichnet, dass einige Clubs die Saison abbrechen wollen.

BVB ohne Can und Witsel im Revierderby

Borussia Dortmund geht mit großen Verletzungssorgen ins Revierderby gegen Schalke 04. Der BVB muss am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky) neben Kapitän Marco Reus (Adduktorenverletzung) und Dan-Axel Zagadou (Knieverletzung) auch auf Emre Can und Axel Witsel (beide muskuläre Probleme) verzichten. „Sie werden definitiv nicht da sein. Wir hoffen, dass sie so schnell wie möglich wieder anfangen“, sagte Trainer Lucien Favre.

Völler schimpft auf SPD-Politiker Lauterbach

Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler hat den Gesundheitsexperten Karl Lauterbach (SPD) wegen dessen anhaltender Kritik am DFL-Konzept zur Fortführung der Bundesliga scharf attackiert. Völler warf dem Harvard-Absolventen und Epidemiologen ungerechtfertigte und populistische Aussagen zum Umgang der DFL mit dem Coronavirus vor. „Aber bei Herrn Lauterbach, der ja selbst Mediziner ist und auf dieser Tatsache seinen Expertenstatus begründet, waren und sind einige Behauptungen einfach nicht wahr“, sagte Völler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Konkret nannte der 60 Jahre alte ehemalige Bundestrainer aber nur Lauterbachs Behauptungen, die DFL nehme mit ihren vielen Tests der Profis der Allgemeinheiten Test-Kapazitäten weg. „Herr Lauterbach ist nicht nur in dieser Frage schlicht und ergreifend populistisch unterwegs“, befand Völler. „Jedes Testlabor in Deutschland“ würde das Gegenteil behaupten.

Völler sagte indes auch, dass er Kritik der Wissenschaftler und Mediziner annehme, „wenn sie schlüssig, nachvollziehbar und auf Faktenbasis vorgebracht wurde“. Lauterbach hingegen, der seinen Wahlkreis in Leverkusen hat, brüskiere mit seiner Haltung „Top-Leute“ wie etwa DFB-Chefmediziner Tim Meyer.

Bayern fehlen zehn Millionen für Sané-Transfer

Der Transfer von Nationalspieler Leroy Sané von Manchester City zum FC Bayern München rückt näher. Wie der "Kicker" berichtet, soll Sané den Münchnern in der Gehaltsfrage entgegen gekommen sein. Es gehe um einen Fünfjahresvertrag. Bei der Ablöse gebe es noch eine Differenz von zehn Millionen Euro. So soll der deutsche Rekordmeister 40 Millionen Euro geboten haben, während der Club von Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola 50 Millionen Euro für den Flügelstürmer haben möchte.

Mit Messer bedroht: Tottenham-Star überfallen

Der englische Nationalspieler Dele Alli (24) von Tottenham Hotspur ist in seinem Londoner Haus von Einbrechern überrascht worden. Zwei mit Messern bewaffnete Männer bedrohten kurz nach Mitternacht den Offensivspieler sowie vier weitere Personen. Dabei wurde Alli leicht im Gesicht verletzt.

Im Haus waren laut "Daily Mail" Alli, sein Bruder, deren Partnerinnen und ein Freund. Die Diebe flüchteten mit Uhren und Schmuck. Danke für all eure Nachrichten. Eine schreckliche Erfahrung, aber jetzt geht es uns allen gut. Wir schätzen die Unterstützung“, twitterte Alli.

Erst Mitte März war die Familie von Allis belgischem Teamkollegen Jan Vertonghen Opfer eines Raubüberfalls geworden. Der Vorfall ereignete sich, als Vertonghen aufgrund des Champions-League-Achtelfinals bei RB Leipzig (0:3) abwesend war. Damals hatten sich vier mit Messern bewaffnete Männer Zutritt zu Vertonghens Haus verschafft. Wertsachen wurden gestohlen, verletzt wurde niemand.

Premier-League-Fortsetzung erst später?

Wir bleiben in der Premier League: Die Fortsetzung des Spielbetriebs könnte sich laut Medienberichten um eine weitere Woche auf den 19. Juni verzögern. Das ist das Ergebnis einer Videokonferenz mit Spielern und Trainern am Mittwoch, bei dem mehrere Profis deutliche Sicherheitsbedenken geäußert haben sollen. Bisher galt ein Restart der Liga am 12. Juni als wahrscheinlich.

Laut Berichten der Zeitungen „Guardian“ und „Telegraph“ kritisierten mehrere Profis, die vorgesehenen Regeln für den Re-Start enthielten keine ausreichenden Anweisungen für das Training. Außerdem sei nicht geklärt, was zu tun ist, wenn ein Spieler positiv auf Covid-19 getestet wird. Offen ist demnach, ob sich dann die ganze Mannschaft oder nur der betroffene Profi isolieren muss.

Weniger Schiri-Fehlern bei Geisterspielen?

Schiedsrichter werden nach Ansicht eines Sportpsychologen von den geplanten Geisterspielen in der Bundesliga profitieren und weniger Fehler machen. „Die Unparteiischen werden besser, Fehlentscheidungen seltener. Der Einfluss der Zuschauer auf Schiedsrichterentscheidungen ist enorm“, sagte Georg Froese dem „Kicker“. Der ehemalige Regionalliga-Spieler von Union Berlin hatte demnach in seinem Studium einen Schwerpunkt auf der Erforschung sozialer Einflüsse auf die Leistung und auch ihrem Ausbleiben wie nun bei den Partien ohne Zuschauer im Stadion.