Coronavirus im Sport

Drei Coronafälle bei Bundesligist – zwei Profis infiziert

Lesedauer: 14 Minuten
Ex-HSV-Trainer Markus Gisdol (r.) und Kölns-Kapitän Jonas Hector haben mit ihrem Club einen Rückschlag bei den Comeback-Plänen der Bundesliga erlitten.

Ex-HSV-Trainer Markus Gisdol (r.) und Kölns-Kapitän Jonas Hector haben mit ihrem Club einen Rückschlag bei den Comeback-Plänen der Bundesliga erlitten.

Foto: imago / Eduard Bopp

DFB-Ausbilder entschlüsselt Erfolgs-Gen von Klopp. Geisterspiele mit Applaus und Pfiffen über eine Fan-App? Der Newsblog.

Hamburg. Die Bundesliga in der Warteschleife, die Profis verunsichert, auch in Fußball-Europa, in der Champions League und vor allem in den vom Coronavirus stark betroffenen Ländern Großbritannien, Italien und Spanien wächst die Unsicherheit über den Start: Wann kann wieder gespielt werden? Wie wirken die Geisterspiele auf den Verlauf der Saison 2019/2020? Wie und wie oft wird getestet? Und wie lautet Plan B, falls doch ein Spieler, Trainer oder Betreuer an Covid-19 erkrankt – so wie jetzt beim 1.FC Köln? Im Sport-Blog in Corona-Zeiten halten wir Sie auf dem Laufenden.

Die Entwicklungen am 1. Mai 2020 im Überblick:

Drei Coronafälle beim 1. FC Köln

Corona-Alarm beim 1. FC Köln: Wenige Wochen vor dem erhofften Re-Start der Bundesliga sind bei den Rheinländern drei Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte der Club mit, ohne Angaben über die Personen zu machen. Unter den Infizierten sollen sich zwei Spieler und ein Betreuer befinden. Alle drei an Covid-19 Erkrankten befinden sich nun vorschriftsmäßig in 14-tägiger Quarantäne. Der Trainingsbetrieb in Gruppen könne laut Vereinsangaben weiterlaufen. Am Donnerstag hatte die DFL mit den Coronatests bei den 36 Erst- und Zweitligisten begonnen.

Premier League will Saison fortsetzen

Gespräche der 20 Premier-League-Clubs über eine Fortsetzung der englischen Fußballsaison sind am Freitag ohne neues Ergebnis verlaufen. Mehrere Medien spekulierten jedoch weiter über eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab Mitte Juni, sofern Regierung und Gesundheitsexperten ihre Zustimmung erteilen. Demnach wollen die Clubs kommenden Freitag erneut beraten. Zuvor wird am Donnerstag ein Update der Regierung zur Dauer der Ausgangsbeschränkungen erwartet.

Werder: Psychologe und Mentalcoach helfen

Im Abstiegskampf lässt sich Werder Bremen bei einer möglichen Wiederaufnahme der Saison von zwei Experten für Psychologie und Mentalcoaching unterstützen. Nach Club-Angaben ist Sportpsychologe Mathias Kleine-Möllhoff bereits zu Beginn der Coronavirus-Pandemie ins Team von Trainer Florian Kohfeldt gerückt. Zudem wird Persönlichkeits- und Mentaltrainer Jörg Löhr mit den Profis des Tabellen-17. arbeiten.

Jürgen Klopp: Trainerarbeit entschlüsselt

Der Akademie-Leiter Tobias Haupt nimmt sich beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) Jürgen Klopp und den FC Liverpool zum Vorbild. „Wir haben uns sehr intensiv mit Liverpool beschäftigt. Wir haben analysiert und fundiert ausgewertet, warum dieses Team auf so einem Weltklasse-Niveau gefühlt immer mit der gleichen Mannschaft spielt und derart erfolgreich ist“, sagte Haupt im Sport1-Interview. Eine wichtige Erkenntnis sei, dass die Reds fast immer mit demselben Stamm von neun Spielern die kompletten 90 Minuten bestreiten.

Klopp sei als Motivator die Schlüsselfigur und „ein totaler Meister der Belastungssteuerung“ und der Prototyp eines modernen Anführers. Auch abseits des Platzes sieht Haupt Liverpool als Maßstab, bei Ernährung, Psychologie, neurozentriertem Training und Datenanalyse.

Halstenberg: RB Leipzig geht in Quarantäne

RB Leipzig will sich vor einer möglichen Wiederaufnahme der Bundesliga kommende Woche in Quarantäne begeben. „Wir planen, ab nächstem Samstag mit der Mannschaft und dem Staff in Quarantäne zu gehen. Wir werden uns hauptsächlich am Trainingsgelände aufhalten und womöglich hier auch übernachten. Das wird noch diskutiert“, sagte Nationalspieler Marcel Halstenberg bei „Sport im Osten“. Der 28 Jahre alte frühere Profi des FC St. Pauli sprach von einer Quarantänezeit von sieben bis zehn Tagen. Am Freitag mussten sich die RB-Profis das erste Mal einem Corona-Test unterziehen, am Montag soll der zweite folgen.

HSV-Handballer professionell desinfiziert

Glücklich, wer solche Sponsoren hat: Die auf Desinfektion (und Brand- wie Wasserschäden) spezialisierte Firma Belfor hat den Zweitliga-Handballern vom HSV Hamburg mal gezeigt, wie man Viren bekämpft. „Zu Trainingszwecken“, wie die Handballer am Freitag mitteilten, habe ein „Spezialteam“ der Firma die Geschäftsstelle, die Mannschaftskabine und den Kraftraum in der Hamburger Volksbank Arena desinfiziert und von möglichen Viren befreit. Im Ernst-Einsatz haben Mitarbeiter der Firma zum Beispiel das Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ nach einem Ausbruch des Coronavirus desinfiziert.

Degenkolb radelt trotz Corona-Absage

John Degenkolb ist am Freitag trotz der Coronavirus-Krise Teile der Strecke des abgesagten Radrennens Eschborn-Frankfurt alleine abgefahren. „Ich werde versuchen, so viel wie es geht, von der normalen Strecke zu fahren. Das ist der Radklassiker“, kündigte der 31 Jahre alte frühere Sieger im Hessischen Rundfunk an. Statt wie gewohnt mit seinen zahlreichen Rivalen stand Degenkolb diesmal alleine an der Startlinie in Eschborn. Degenkolb hatte das Rennen 2011 gewonnen und wurde im Vorjahr Zweiter hinter Pascal Ackermann. Die Veranstalter riefen zu einem digitalen Rennen auf. Vorjahressieger Ackermann strampelte in seinem Bora-hansgrohe-Trikot von zu Hause aus, hinter sich hatte er Pappmasken seiner Helfer platziert. „Das Wetter ist trocken, es sind gute Voraussetzungen“, witzelte Ackermann.

Laura Ludwig: Dachte an Karriereende

Corona brachte ein Umdenken: Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig (34) hat kurzfristige Gedanken an ein Karriereende nach der Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio wieder verworfen. „Ach, vielleicht lässt du es einfach“, habe sie manchmal gedacht, sagte Ludwig im NDR. „Das ist hin und wieder aufgeploppt, aber zum Glück auch schnell wieder vergangen.“ Die Verschiebung im Zuge der Corona-Pandemie betrachte sie mittlerweile als „Geschenk“, sagte Ludwig. Dadurch habe sie mit ihrer neuen Partnerin Margareta Kozuch auf dem Weg nach Tokio mehr Zeit, um „weiter an kleinen Details zu arbeiten". 2016 hatte Ludwig an der Seite von Kira Walkenhorst Olympia-Gold in Rio gewonnen.

Drittliga-Spieler appelliert an Profis

Timo Perthel vom Drittligisten 1. FC Magdeburg hat Pläne über die Saisonfortsetzung in der Bundesliga scharf kritisiert. „Könnten mal alle klarkommen und erkennen, dass das Schwachsinn ist?! Wir gehen mit Masken einkaufen, dürfen Bekannte und Freunde nicht besuchen, Kindergärten und Schulen sind dicht und jeden Tag liest man nur den Schwachsinn von der Hoffnung, dass die Bundesliga wieder startet“, schrieb Perthel in einer Instagram-Story. Der Club des 31-Jährigen zählt in der 3. Liga zu jenen, die die Spielzeit nicht fortsetzen wollen.

Aus Sicht von Perthel geht die Debatte in Deutschland gerade in die falsche Richtung. „Wacht endlich mal auf und überlegt lieber mal, wann der normale Bürger wieder arbeiten gehen kann, damit er nicht pleite geht und seine Familie noch ernähren kann“, schrieb der Abwehrspieler und fügte am Ende an: „Fußball ist nicht wichtig in dieser Zeit.“

Niklas Süle: Fühle mich gut – trotz schwieriger Zeit

Für den verletzten Nationalspieler Niklas Süle kommt die Rückkehr ins Team des FC Bayern München immer näher. „Insgesamt ist alles in Ordnung. In meiner Familie sind alle gesund, ich befinde mich mit dem Reha-Training auf der Zielgeraden – auch wenn es gerade eine schwierige Zeit ist, fühle ich mich gut“, sagte der 24-Jährige im Mitgliedermagazin „51“. Einen Zeitpunkt für die Rückkehr nannte der Innenverteidiger nicht. Süle hatte im vergangenen Oktober zum zweiten Mal einen Kreuzbandriss im linken Knie erlitten.

Oliver Kahn maskiert sich

Sein Gesicht kennt (fast) jeder in Deutschland, und in Europa fürchtet man ihn als Draufgänger im "eins gegen eins". Nun weiß man auch, wie Oliver Kahn mit Maske aussieht: Der neue Vorstand beim FC Bayern München war auch dabei, als Trainer Hansi Flick seinen neuen Vertrag unterschrieb. Das ist auf Twitter-Fotos zu sehen.

Knapp vier Wochen nach der offiziellen Bekanntgabe der Vertragsverlängerung hat Flick auch tatsächlich (oder inszeniert) unterschrieben – bis 2023.

Im Hintergrund ist der Champions-League-Pokal zu sehen, den die Bayern zuletzt 2013 in ihrer Triple-Saison gewannen. Auf einem anderen Bild hält Flick den Stift in die Kamera, eingerahmt wird er von Finanzchef Jan-Christian Dreesen, Sportdirektor Hasan Salihamidzic, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Vorstand Oliver Kahn. Alle tragen Corona-Masken, Flick eine rote mit Bayern-Wappen.

Boateng-Brüder und Berlin: Wer nimmt uns überhaupt?

Die Gedankenspiele der Boateng-Brüder über einen möglichen gemeinsamen Karriereausklang in ihrer Berliner Heimat hat Herthas Geschäftsführer Michael Preetz erfreut zur Kenntnis genommen - mehr aber auch nicht, sagte er der „Bild“-Zeitung. Dass Jérôme (31) und Halbbruder Kevin-Prince (33) noch einmal gemeinsam für die Berliner spielen, ist allerdings äußerst unwahrscheinlich. „Wer will uns überhaupt noch nehmen, wenn wir so alt sind“, fragte Jérôme in dem lockeren Live-Gespräch bei Instagram.

Für beide ist aber offenbar eine Kooperationsmöglichkeit nach der aktiven Karriere bei Hertha vorstellbar. Kevin-Prince Boateng, der bei Besiktas Istanbul in der Türkei spielt, durchlief den Hertha-Nachwuchs und gehörte bis 2007 auch zur Profi-Mannschaft, ehe er der Hauptstadt den Rücken kehrte. Bei elf Vereinen spielte er seither in seiner bewegten Karriere, am längsten bei Tottenham Hotspur, AC Mailand und Schalke 04.

Bayern-Profi Jérôme Boateng verließ Berlin im gleichen Jahr und kam über den Hamburger SV und Manchester City 2011 nach München. Gemeinsam auf dem Platz standen sie bei der WM 2010 und 2014 - allerdings als Gegner. Jérôme spielte in den Gruppenspielen für Deutschland, Kevin-Prince für Ghana.

Geisterspiele: Applaus vom Band?

Die App „MeinApplaus.de“ könnte bei Geisterspielen in der Bundesliga zum Einsatz kommen. Ein Münchener hat sie entwickelt, wie der Sport-Informations-Dienst schreibt: Das Prinzip ist einfach: In der App (Kosten: 99 Cent) wählt jeder Fan seinen Verein, je nach Spielsituation kann er mit einer Fingerbewegung jubeln, klatschen, singen oder pfeifen. Je mehr User drücken, desto lauter wird die Emotion ins Stadion übertragen. Die App-Entwickler sollen bereits Gespräche mit Vereinen führen.

Bundesliga : Wer spart, steigt ab

Die Coronakrise bringt die Bundesliga zum Umdenken, wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagte. Das oft fehlende Eigenkapital der Vereine, die teils immensen Schulden, die gefährliche Abhängigkeit vom TV-Geld, die absurd hohen Ablösesummen und Gehälter, die zunehmende Entfremdung von den Fans - all diese Problemfelder wurden überdeckt vom auf Hochglanz polierten Produkt Bundesliga. „Dann braucht es vielleicht sogar eine echte Krise“, meinte Seifert, „um innezuhalten, um sich zu überprüfen.“

Noch geht es zwar hauptsächlich um die Rettung der Saison, aber „sobald wir wieder atmen können“, kündigte Seifert in der "FAZ" an, soll eine Taskforce die drängenden Themen anpacken, auch eine Gehaltsobergrenze und eine Eigenkapitalerhöhung und die 50+1-Regel. Aber: Trainer Steffen Baumgart (SC Paderborn) sagte schon: Gerade in Krisenzeiten werde „viel geredet und theoretisiert“. Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sagte im "Münchner Merkur" und der "tz": „Wir müssen gewisse Exzesse versuchen zu normalisieren.“ Allerdings hieß es auch: „Wer spart, steigt ab.“ Das sagte Sportökonom und Insolvenz-Experte Daniel Weimar von der Uni Duisburg-Essen.

Premier League startet am 8. Juni – mit scharfen Auflagen

Die Spieler müssen Masken oder Schals tragen, Bälle und Eckfahnen werden ständig desinfiziert: Die Premier League in England hat ihren Clubs für die Rückkehr ins Training mit Gruppen strenge Auflagen gemacht. Zu weiteren Vorschriften gehört, dass die Profis ihre Autos mindestens drei Plätze voneinander entfernt parken müssen, Massagen sind nur nach Genehmigung des Clubs möglich, Getränke erhalten die Profis ausschließlich an Abholpunkten.

Die penible Einhaltung der Vorschriften soll Voraussetzung dafür sein, dass die Liga am 8. Juni den Spielbetrieb wieder aufnehmen kann. Die Politik trifft die Entscheidung darüber, zeigte sich aber zuletzt ähnlich wie in Deutschland aufgeschlossen. Chelseas Antonio Rüdiger warnte im ZDF vor einer möglicherweise verfrühten Rückkehr in die Normalität. Sollte die Saison vorzeitig abgebrochen werden müssen, sagte Rüdiger, dann gelte: „Meinetwegen können sie Liverpool die Meisterschaft geben, sie haben es verdient.“ Sergio Agüero (Manchester City) meinte: „Die Mehrheit der Spieler hat Angst, weil sie Kinder und Familien haben.“

Fifa-Skandal: Israelische Bank muss zahlen

Eine israelische Großbank hat sich mit US-Behörden auf die Zahlung von mehr als 900 Millionen Dollar geeinigt, auch wegen ihrer Verwicklung in den Fifa-Bestechungsskandal. Eine Sprecherin der Bank Hapoalim verwies dazu auf eine Mitteilung an die Börse. US-Steuer- und Strafverfolgungsbehörden hatten den Vorgang zuvor öffentlich gemacht. Die Bank hat demnach durch die Zahlungen die Chance, einer weiteren Strafverfolgung zu entgehen. Die Bank soll auch Kunden dabei geholfen haben, Vermögen von US-Steuerzahlern auf Offshore-Konten zu verstecken.

Es ging dabei nach US-Angaben um Vermögen in Höhe von mehr als 7,6 Milliarden Dollar auf mehr als 5500 geheimen israelischen und Schweizer Bankkonten. Rund 30 Millionen Dollar müssen die Institute zudem wegen ihrer Verwicklung in den Fifa-Bestechungsskandal zahlen. Fast fünf Jahre lang hätten Mitarbeiter der Bank das US-Finanzsystem dazu benutzt, um 20 Millionen Dollar für „korrupte Fußballvertreter in mehreren Ländern“ zu waschen, sagte einer der US-Strafverfolger.

Lotto unterstützt Vereine

In Sachsen-Anhalt unterstützt die Lotto-Toto-Gesellschaft mit einem Corona-Hilfsfonds weitere 17 Vereine und Verbände, die mit Kosten abgesagter Veranstaltungen kämpfen. Damit seien von bislang rund 160 eingereichten Anträgen insgesamt 33 bewilligt, teilte eine Lotto-Sprecherin mit. 102.250 Euro aus dem eine Million Euro starken Hilfsfonds seien damit vergeben. „Als verlässlicher Partner des Gemeinwohls im Land steht Lotto zu den Vereinen und Verbänden, in denen Ehrenamtliche gerade engagiert die weitreichenden Auswirkungen der Corona-Pandemie meistern“, hieß es.

( HA/sid/dpa )