Sport in der Coronakrise

Handballmeister THW Kiel hat erneut Grund zum Feiern

Der THW Kiel hat nur drei Tage nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft am grünen Tisch erneut Grund zum Feiern.

Der THW Kiel hat nur drei Tage nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft am grünen Tisch erneut Grund zum Feiern.

Foto: Axel Heimken / dpa

Newsblog: French Open erneut verschoben. Südkorea startet mit Geisterspielen. Ministerium schlägt Masken für Fußballprofis vor.

Hamburg. Soll der Bundesliga-Fußball trotz der Coronakrise bald wieder rollen? Das Ansinnen der DFL spaltet nicht nur die Fans, sondern auch die Politik. Während fast alle anderen Sportarten den aussichtslosen Kampf um die Fortsetzung ihrer Saison nach und nach aufgeben, glaubt der Fußball jetzt die nötigen Spielregeln dafür entwickelt zu haben – und bekommt dafür sogar Rückendeckung vom Robert-Koch-Institut. Doch das DFB-Pokal-Finale wird nicht wie geplant stattfinden können. Dafür gibt es für den frisch gekürten deutschen Handballmeister THW Kiel schon wieder gute Nachrichten.

Die Entwicklungen am Freitag, den 24. April 2020:

210.000 Euro für Hamburger Sport aus Nothilfefonds

Hamburg hat aus dem Nothilfefonds bereits 20 Förderzusagen im Umfang von 210.000 Euro für den Sport gegeben. Der Fonds umfasst fünf Millionen Euro. „Die Höhe der bereitgestellten Notförderung ist ein ganz klares Signal, dass Hamburg sich nicht nur an Sonnentagen, sondern auch in der Krise als Sportstadt versteht“, sagte Juliane Timmermann, sportpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion.

Über die Soforthilfe, den Förderkredit der IFB und den Nothilfefonds Sport seien bereits 12,65 Millionen Euro auf den Weg gebracht worden, sagte Timmermann. „Die unkomplizierte Hilfe von Seiten der Stadt sichert stabile Strukturen für die Zukunft.“ Die SPD-Politikerin forderte alle in Vereinen organisierten Sportler auf: „Halten wir unseren Vereinen die Treue und unterstützen wir, wo wir können. Dann wird es uns gelingen, dass der Sport auch nach der Krise ein starker Anker in Hamburg bleibt.“

Corona: THW Kiel kampflos in Champions-League-Endrunde

Beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel herrscht große Freude über den kuriosen Einzug ins Final Four der Champions League. „Unsere Mannschaft hat eine herausragende Vorrunde gespielt und sich mit dem Gruppensieg nach 14 Spieltagen die Teilnahme am Final Four verdient“, sagte Geschäftsführer Viktor Szilagyi am Freitag. Vier Tage zuvor war der Tabellenführer der Bundesliga am grünen Tisch zum Meister erklärt worden.

Qualifiziert haben sich für das Final Four außerdem der FC Barcelona, Paris Saint-Germain und Telekom Veszprem. Weil Achtel- und Viertelfinale wegen der Corona-Pandemie ausfallen müssen, wurden die beiden Erstplatzierten beider Gruppen vom Europa-Verband EHF nominiert. Letztmals waren die Schleswig-Holsteiner in der Saison 2015/16 bei der Endrunde dabei.

EHF-Cup-Endrunde fällt Corona zum Opfer

Dagegen ist die Endrunde um den diesjährigen EHF-Cup in Berlin offiziell abgesagt. „Damit werden die Füchse Berlin das ursprünglich Ende Mai geplante Finalturnier nicht ausrichten“, teilte der Handball-Bundesligist aus der deutschen Hauptstadt am Freitag mit. Damit gibt es in dem europäischen Wettbewerb in diesem Jahr keinen Titelträger.

Wegen der Coronapandemie war das Final Four zunächst auf Ende August verlegt worden. Doch auch dieser Termin ist aufgrund der derzeitigen Regeln nun nicht mehr zu halten. Berlin hat alle Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober untersagt.

Coronafolge: DHB-Teams für Turniere qualifiziert

Die deutsche Handballnationalmannschaft der Männer hat am grünen Tisch das Ticket für die Weltmeisterschaft 2021 in Ägypten (14. bis 31. Januar) gelöst. Die Europäische Handball-Föderation EHF strich angesichts der Coronakrise die Play-offs der europäischen Nationen und vergab ihre Plätze auf Grundlage der Platzierungen bei der EM 2020. Beim Turnier in Österreich, Schweden und Norwegen hatte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) den fünften Platz belegt.

Neben dem Team von Bundestrainer Alfred Gislason sicherten sich als weitere europäische Nationen Slowenien, Portugal, Schweden, Österreich, Ungarn, Weißrussland, Island, Tschechien und Frankreich auf diese Weise ihre WM-Teilnahme. Spanien, Kroatien und Norwegen hatten ihr Ticket bereits dank ihrer EM-Platzierungen gelöst, Dänemark war als Titelverteidiger gesetzt.

Auch die deutsche Frauennationalmannschaft von Bundestrainer Henk Groener umgeht unfreiwillig die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 (4. bis 20. Dezember) und ist beim Turnier in Dänemark und Norwegen dabei. Ob die großen Nationenturniere im kommenden Winter aber wie geplant stattfinden können, ist angesichts der Entwicklung der Viruskrise und deren Folgen fraglich. Zuletzt war über eine Verschiebung der Männer-WM debattiert worden, um etwa der Handball Bundesliga (HBL) mehr Spielraum für die Durchführung der kommenden Saison zu geben.

French Open erneut wegen Corona verschoben

Die French Open der Tennisprofis in Paris sollen nun noch eine Woche später stattfinden als zwischenzeitlich geplant. Um nicht mit der Tour de France zu kollidieren, planen die Organisatoren den Beginn des Turniers in Roland Garros für den 27. September, Finaltag wäre demnach der 11. Oktober. Dies berichtet die Zeitung "Le Parisien". Der zweite Grand Slam des Jahres hätte von 24. Mai bis 7. Juni ausgetragen werden sollen, war wegen der Coronapandemie dann aber von 20. September bis 4. Oktober angesetzt worden.

Die Organisatoren der French Open hatten mit der eigenmächtigen Verschiebung des Turniers in den Herbst für großen Unmut in der Szene gesorgt, unter anderem, weil nur sechs Tage vorher die US Open in New York (31. August bis 13. September) enden. Dieser zunächst vorgesehene Ausweichtermin hätte nun aber mit der vor eineinhalb Wochen verlegten Tour de France (20. August bis 20. September) sowie den 24 Stunden von Le Mans (19./20. September) kollidiert.

Wegen der Coronakrise finden derzeit keine Turniere auf der WTA- und ATP-Tour statt, offiziell pausieren beide vorerst bis zum 13. Juli. Allerdings ist auch das Frauen-Turnier in Montreal (ab 10. August) schon abgesagt. Nicht stattfinden wird unter anderem das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon. Spätestens im Juni wollen die Organisatoren der US Open in New York entscheiden, ob ihr Turnier ausgetragen werden kann.

Verjährung wegen Corona: DFB will Sommermärchen-Affäre untersuchen

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird die Sommermärchen-Affäre noch einmal näher beleuchten. Das Präsidium stimmte am Freitag dem Antrag von Verbandsboss Fritz Keller zu, wonach „konkret die DFB-internen Umstände, Abläufe und Prozesse rund um die zurückliegende Aufklärungsphase“ untersucht werden sollen. Dies sei ein „wichtiger Schritt seitens des DFB, weitere Erkenntnisse zu sammeln und damit auch seiner Verpflichtung als geschädigte Partei alles zu einer weiteren Aufklärung beizutragen“.

Der Sommermärchen-Prozess in der Schweiz unter anderem gegen die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach ist wegen der Coronakrise bis zum 27. April ausgesetzt, es wird damit wegen der Verjährung keinen Urteilsspruch geben.

Olympia-Verschiebung: IOC hilft Verbänden

Das Internationale Olympische Komitee stellt den nationalen Verbänden weitere 10,3 Millionen Dollar (rund 9,5 Millionen Euro) zur Verfügung. Das teilte das IOC am Freitag mit. Mit den Geldern sollen die Nationalen Olympischen Komitees ihre Kosten decken, die im Zuge der Verschiebung der Sommerspiele auf das nächste Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie entstanden sind. Die Verbände können individuell die Auszahlung von Hilfsgeldern beantragen. Insgesamt hat das IOC nun 57 Millionen Dollar an Unterstützung zur Verfügung gestellt.

Luca Toni verteilt in Coronakrise Pizza

Fußball-Ex-Weltmeister Luca Toni engagiert sich in seiner italienischen Heimatstadt Modena für die von der Coronakrise am schwersten betroffenen Menschen. Als Teilhaber eines Restaurants verteilt er Pizzen unter Rettungskräften, berichtete der Ex-Profi des FC Bayern München dem Sender RTL/n-tv. Er habe seinem Partner gesagt, er komme mit „die Pizzen zu den Jungs der Nummer 118, wo telefonisch und logistisch die Einsätze der Rettungswagen koordiniert werden, auszuteilen. Und diese Jungs machen gerade eine mehr als strapaziöse Arbeit durch“, schilderte der 42-Jährige.

Für die Leute dort sei sein Erscheinen eine Riesenüberraschung gewesen. „Wir haben dann fünf oder sechs Meter Pizza gemacht, und wir zwei haben dann diese Pizzen – mit allen Sicherheitsvorkehrungen – zu der Koordinationsstelle gebracht. Es war natürlich schön für sie zu sehen, dass auch ich diese Pizzen ausgetragen habe“, berichtete er.

Mit Nationalspielern aus der Weltmeister-Mannschaft von 2006 hat Luca Toni zudem die Initiative „go fund me“ gegründet. „Wir haben Gelder gesammelt, aber auch Freunde, Bekannte, jeder kann da mitmachen. Kleine Spenden von einem oder fünf Euro haben uns auch riesig gefreut - damit ist es gelungen, gerade in dieser Woche vier Rettungswagen zu kaufen, 400 000 Euro sind zusammengekommen“, erzählte er. Diese Rettungswagen werden wir dem italienischen Roten Kreuz übergeben.

Bayern vorerst ohne Coutinho

Der FC Bayern muss für eine mögliche Fortsetzung der Bundesligasaison mit Geisterspielen zunächst ohne Philippe Coutinho planen. Der 27 Jahre alte Brasilianer wurde am Freitag am rechten Sprunggelenk operiert, wie der Fußball-Rekordmeister mitteilte. Dabei seien freie Gelenkkörper entfernt worden. Der Offensivprofi müsse nun pausieren; in rund 14 Tagen soll er mit dem Aufbautraining beginnen.

Coutino ist der nächste verletzungsbedingte Ausfall bei den Münchnern. In dieser Woche musste sich bereits Weltmeister Corentin Tolisso einer Operation am Bandapparat des Außenknöchels am linken Fuß unterziehen. Der 25 Jahre alte Franzose soll in etwa vier Wochen mit dem Aufbautraining beginnen können. Nationalverteidiger Niklas Süde arbeitet nach einem Kreuzbandriss weiter am Comeback.

Coronakrise: Fifa schüttet 130 Millionen Euro aus

Der Fußball-Weltverband schüttet in einer finanziellen Soforthilfe wegen der Coronavirus-Pandemie insgesamt 150 Millionen Dollar (rund 130 Millionen Euro) an die nationalen Verbände aus. Das teilte die FIFA am Freitag mit. Die Gelder stammen aus dem Forwardprojekt. Darin sind die Betriebskostenbeiträge an die 211 Mitgliedsverbände enthalten, die nun für die Jahre 2019 und 2020 freigegeben werden. Ursprünglich war die Auszahlung der zweiten Rate der Betriebskostenbeiträge für 2020 erst für Juli vorgesehen.

Damit erhält jeder Verband mindestens 500 000 Dollar – teilweise auch mehr, wenn Verbände bislang nicht alles Geld abgerufen haben. „Die Pandemie stellt die ganze Fußballgemeinschaft vor nie dagewesene Probleme. Als Weltfußballverband ist es unsere Pflicht, für sie da zu sein und denjenigen zu helfen, die dringend auf Hilfe angewiesen sind“, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino. Dies sei der erste Schritt eines weitreichenden Hilfsprogramms.

Corona: Südkorea startet am 8. Mai mit Geisterspielen

Mehr als zwei Monate nach dem geplanten Starttermin geht in Südkorea die Fußballsaison los. Die K-League und die 2. Liga beginnen am 8. Mai wegen der Coronapandemie allerdings mit Geisterspielen, teilte eine Sprecherin der K-League in Seoul am Freitag mit. Die Entscheidung sei bei einem Vorstandstreffen mit Vertretern der Vereine getroffen worden.

Wegen des Ausbruchs des Coronavirus war der für den 29. Februar geplante Saisonstart der ersten und zweiten Liga in Südkorea fünf Tage zuvor verschoben worden. Zumindest die ersten Runden sollen vor leeren Rängen stattfinden, die Saison wurde von 38 auf 27 Spieltage verkürzt. Das erste Match der K-League bestreiten Jeonbuk Hyundai Motors gegen die Suwon Samsung Bluewings im WM-Stadion von Jeonju.

Südkorea hatte den Ausbruch in den vergangenen Wochen weitgehend in den Griff bekommen. Am Freitag teilten die Gesundheitsbehörden mit, dass am Vortag nur noch sechs neue Infektionsfälle erfasst worden seien.

DFB-Pokal-Finale wegen Coronapandemie abgesagt

Das DFB-Pokal-Finale kann nicht wie geplant am 23. Mai im Berliner Olympiastadion stattfinden. Wie der Deutsche Fußball-Bund nach einer Videokonferenz des Präsidiums mitteilte, bleibt der Wettbewerb aufgrund der Coronavirus-Pandemie auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und der Endspieltermin offen. Einen ausführlichen Bericht lesen Sie hier.

Coronavirus: Beachvolleyball-WM auf 2022 verschoben

Die Beachvolleyball-Weltmeisterschaften, die ursprünglich im September 2021 in Rom stattfinden sollen, sind auf Juni 2022 verschoben worden. Dies teilte der Internationale Volleyballverband (FIVB) am Freitag mit.

„Die Entscheidung wurde als Reaktion auf die anhaltende Notlage aufgrund der Coronavirus-Pandemie und die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 getroffen“, erklärte die FIVB. Die Beachvolleyball-Weltmeisterschaften werden im Foro Italico ausgetragen, wo auch das jährliche Tennisturnier in Rom stattfindet.

Corona: Ministerium schlägt Masken für Fußballprofis vor

Das Bundesarbeitsministerium schlägt in einem internen Papier vor, dass die Fußballprofis beim Neustart der Bundesliga Schutzmasken tragen. So zitiert es das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Freitag aus der dreiseitigen Stellungnahme des Referates Arbeitsschutz zum Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Die medizinischen Masken dürften nicht verrutschen und müssten alle 15 Minuten gewechselt werden.

Als Alternative werde vorgeschlagen, alle Mannschaften samt Trainern und Betreuern bis zum Ende der Saison in eine dauerhafte Quarantäne zu schicken, beispielsweise in einem Hotel. Das Arbeitsministerium bestätigte auf "Spiegel"-Nachfrage, das Papier sei im Ressort erstellt worden. Allerdings handele es sich um einen „ersten Arbeitsentwurf“, der Minister Hubertus Heil (SPD) nicht vorgelegen habe.

Die DFL hatte am Donnerstag ihren Plan für eine Wiederaufnahme der Saison in der Bundesliga und 2. Liga unter strengen Hygienebedingungen und regelmäßigen Coronatests vorgestellt. Möglicher Restart-Termin ist der 9. Mai. Voraussetzung ist die Zustimmung der Politik. Die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen am 30. April miteinander. Dann könnte eine Entscheidung fallen.

Robert-Koch-Institut: Coronapläne der DFL vernünftig

Der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, hat das von der Deutschen Fußball-Liga vorgestellte Konzept zum möglichen Wiederbeginn der Bundesliga tendenziell positiv bewertet. „Was dort drinsteht und was die Überlegungen angeht, das mit einer Quarantäne zu lösen: Das scheinen mir durchaus vernünftige Überlegungen zu sein“, sagte Schaade am Freitag. Die Zuständigkeit zur endgültigen Bewertung des Konzepts sieht er allerdings nicht beim RKI. Es handele sich um ein Problem des Arbeitsschutzes. „Das sind Fußballprofis. Das ist deren Job, und insofern gibt es da ein Konzept, das von der Arbeitsschutzseite erstellt worden ist“, erklärte er.

Im am Donnerstag vorgestellten Strategiepapier der DFL sind für eine geplante Wiederaufnahme des Spielbetriebs strikte organisatorische Vorgaben festgehalten. So sollen maximal circa 300 Personen an der Durchführung von Spielen ohne Stadionzuschauer beteiligt werden – Spieler und Trainer eingeschlossen. Zudem gibt es klare Vorgaben für Hygienemaßnahmen.

Im Falle einer Infektion soll laut Konzept nicht „automatisch der gesamte Kader 14 Tage in Quarantäne“, sagte DFB-Chefmediziner Tim Meyer der Deutschen Presse-Agentur. Der 52 Jahre alte Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes war am DFL-Konzept als Taskforce-Leiter entscheidend beteiligt. „Natürlich wird die infizierte Person isoliert und beobachtet, ebenso die Kontaktpersonen, die dann in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt beobachtet und isoliert würden“, sagte Meyer. Ziel der Bundesliga bleibt es, die Spielzeit 2019/20 bis zum 30. Juni abzuschließen.

Corona: Ramelow gegen Bundesliga-Fortsetzung

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat die Pläne zur Fortsetzung der Fußball-Bundesliga im Mai kritisiert. „Ich bin dagegen, dass wir zuerst diejenigen privilegieren, die am meisten Geld auf den Tisch legen“, sagte der Ministerpräsident am Freitagmorgen in einem Interview bei "MDR Aktuell". Grundsätzlich unterstrich Ramelow: „Beim Wiedereintritt in den Alltag sollten wir uns nicht mit Geschwindigkeit überbieten.“ Maßgeblich sei, was zur Eindämmung des Coronavirus helfe.

Die Diskussionen über den Neustart der Bundesliga waren in dieser Woche intensiver geworden, nachdem die Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern/CSU) und Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen/CDU) den 9. Mai als möglichen Termin ins Spiel gebracht hatten. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hält Geisterspiele unter fest geregelten Bedingungen für vertretbar. „Mein Eindruck ist, dass die meisten Ministerpräsidenten mitziehen“, hatte Bouffier gesagt.

Lauterbach warnt vor Extrawurst für Fußball

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach lehnt einen Neustart der Fußball-Bundesliga auch aus Gründen der Vorbildfunktion ab. „Wir müssen den jungen Leuten die Botschaft vermitteln: Haltet Abstand, tragt einen Mundschutz, das Virus ist gefährlich“, sagte der SPD-Politiker am Freitag in einem Interview des Bayerischen Rundfunks. „Alle drei Botschaften werden durch einen Bundesliga-Start konterkariert.“

Da werde kein Abstand gehalten, man gehe in den Zweikampf. Es werde kein Mundschutz getragen. „Wir würden unsere eigenen Botschaften infrage stellen, wenn wir jetzt für den Fußball eine schlecht vorbereitete Ausnahme machen“, meinte Lauterbach.

Rolfes' Lehre aus Corona: Clubs brauchen Kapital

Bayer Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes erwartet von den Fußball-Bundesligisten nach überstandener Coronakrise mehr Augenmaß beim Wirtschaften. Er halte es „grundsätzlich für unabdingbar, dass die Vereine nach der Bewältigung der Krise ihre Eigenkapitalquote erhöhen. Nur so können sie dauerhaft ihre Widerstandsfähigkeit stärken“, sagte der 38-Jährige dem Sportbuzzer.

Zunächst aber muss die Saison trotz der Coronapandemie beendet werden, ansonsten droht mehreren Clubs schon im Sommer die Insolvenz. Nicht allein deswegen wäre es für Rolfes ein „großer Fehler, überhaupt nur über einen Saison-Abbruch nachzudenken.“ Der Vizeeuropameister von 2008 erklärte: „Was wird aus den 55.000 Menschen, die ebenfalls vom Fußball leben? So wie es in anderen Branchen auch der Fall ist, hat der Fußball eine Verantwortung für seine Arbeitnehmer. Deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, dass der Ball so schnell wie möglich wieder rollt.“

Corona: MLS verlängert Trainingspause

Die nordamerikanische Fußball-Profiliga Major League Soccer (MLS) hat angesichts der Coronakrise ihre Pause verlängert. Der 24. April als Termin für die Wiederaufnahme des Trainings wurde gestrichen, das Moratorium für die 26 Klubs gilt nun mindestens bis 15. Mai.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Führung der MLS mitgeteilt, dass an einen Neustart der Liga, die am 9. März nach zwei Spieltagen unterbrochen wurde, nicht vor dem 8. Juni zu denken sei.

Handballtrainer: Coronapause tut gut

Cheftrainer Kai Wandschneider vom Bundesligisten HSG Wetzlar sieht durch den Saisonabbruch auch einen Vorteil nach den Belastungen des gefüllten Terminkalenders im Handball. „So lange Pause hatten wir noch nie, und das tut uns allen auch mal gut“, sagte der 60-jährige Coach im Interview, das am Freitag auf der Vereinshomepage veröffentlicht wurde. Vor allem die Nationalspieler hätten durch Qualifikationsspiele oder internationale Spiele mit den Clubs annähernd gar keine Pausen gehabt: „Alle werden sich mal mental und physisch grunderneuern können, das begrüße ich sehr.“

Die Umstände der Corona-Abschlusstabelle der Männer-Bundesliga sieht Wandschneider ambivalent. „Es bleibt ein fader Beigeschmack“, meinte der gebürtige Hamburger. „Ich begrüße es, dass niemand absteigt. Das ist ein echtes Zeichen der Solidarität gegenüber den Teams aus Ludwigshafen und Nordhorn.“ Es wäre ungerecht gewesen, obwohl Nordhorn mit nur vier Punkten schon deutlich abgeschlagen gewesen sei.

Corona: Herzogs Vertrag in Israel ruht

Israels Fußballnationaltrainer Andreas Herzog hat nach Angaben des israelischen Fußballverbandes zugestimmt, seinen Vertrag angesichts der Coronakrise für zwei Monate einzufrieren. Hintergrund seien die fehlenden „internationalen Aktivitäten“, teilte der Verband am Freitag mit. „Der Verband und der Trainer werden mit dem Ende der Frist zur Diskussion über seinen Vertrag zurückkehren.“

Erst Anfang der Woche hatte es geheißen, der frühere Bundesliga-Profi wolle Trainer der Nationalmannschaft bleiben. Der Österreicher und Israels Sportdirektor Willi Ruttensteiner hatten eine entsprechende Verhandlung der Nachrichtenagentur APA zufolge am Dienstagabend in der ORF-Sendung „Sport aktuell“ bestätigt. Finanzielle Details der Vertragsverlängerung seien aber noch zu klären.

Herzog betreut Israels Nationalteam seit Sommer 2018. Er hatte sich nach der Verschiebung der EM-Play-offs wegen der Coronavirus-Pandemie Bedenkzeit erbeten. „Nach ein paar Wochen zu Hause habe ich einfach wieder das Feuer entwickelt, dass ich mit meinen Jungs, mit meinen Spielern weiterarbeiten möchte“, sagte der 51-Jährige am Dienstag. Die Play-offs – Israel trifft im Halbfinale auf Schottland – finden frühestens im Herbst statt. Wie lange Herzog Trainer bleibt, würde offenbar auch vom Gelingen der Qualifikation abhängen.

Italien will Fußballsaison wegen Corona verlängern

Die Saison in der Serie A soll bis zum 2. August verlängert werden. Der italienische Fußballverband gab am Donnerstagabend auf seiner Homepage entsprechende Pläne von Präsident Gabriele Gravina bekannt. Der Fußball ruht in Italien seit dem 9. März. Es ist eines der am schlimmsten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Länder.

Zwölf Spieltage stehen im Kampf um die italienische Meisterschaft noch aus. Als Termin für einen Trainingsneustart ist der 4. Mai von der Liga und dem Verband ins Auge gefasst worden. Drei oder vier Wochen später könnte der Spielbetrieb wiederaufgenommen werden, allerdings auch hier ohne Zuschauer.

Leichtathletik-EM fällt Coronavirus zum Opfer

Die für Ende August 2020 in Paris geplanten Leichtathletik-Europameisterschaften sind wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Wie der Kontinentalverband European Athletics am Donnerstagabend weiter mitteilte, wurde die Entscheidung aufgrund „einer beispiellosen Gesundheitskrise“ getroffen. Die mit der Pandemie verbundenen Risiken seien „noch lange nicht unter Kontrolle“. Deshalb habe die Gesundheit der Menschen und der Kampf gegen die Pandemie absolute Priorität und stehe „vor jeder anderen Überlegung“. Ein möglicher neuer EM-Termin wurde in dem Statement nicht genannt.

Bereits Ende März hatte die EA bei den Organisatoren in der französischen Hauptstadt eine detaillierte Machbarkeitsstudie für „alternative Szenarien“ angefordert. Diese sollten auch eine mögliche Verschiebung der EM beinhalten.

Die Hallen-EM soll vom 5. bis 7. März 2021 in Torun (Polen) ausgetragen werden – zwei Wochen vor den um ein Jahr verlegten Hallenweltmeisterschaften in Nanjing (China, 19. bis 21. März).

Europacup im Volleyball wegen Corona abgebrochen

Auch im Volleyball fallen die nächsten Wettbewerbe der Coronakrise zum Opfer. Wie der Europäische Volleyballverband (CEV) am Donnerstag mitteilte, werden alle europäischen Clubwettbewerbe mit sofortiger Wirkung abgebrochen. Damit wird es im Jahr 2020 weder in der Champions League noch im CEV-Pokal oder im Challenge Cup Titelträger geben.

Der Spielbetrieb war bereits Mitte März eingestellt worden, ursprünglich war lediglich eine Spielpause bis Mitte Mai angedacht. In allen Wettbewerben hätten als nächstes die Halbfinalpartien auf dem Programm gestanden.

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Das Champions-League-Superfinale mit den Endspielen von Männern und Frauen hätte ursprünglich am 16. Mai in Berlin stattfinden sollen, die deutschen Teams waren in der Königsklasse bereits ausgeschieden. Die Volleyball-Bundesliga hatte schon Mitte März in der Anfangszeit der Coronakrise ihre Saison vorzeitig beendet.

Corona: Frist für Basketball-Euroleague

Eine Entscheidung über ein mögliches Saison-Aus der Basketball-Euroleague und damit auch des Final Four, das eigentlich in Köln hätte stattfinden sollen, wird bis zum 24. Mai fallen. Die Vereine der Euroleague, der auch die Bundesligisten Bayern München und Alba Berlin angehören, hätten sich einstimmig für einen Fahrplan entschieden, der auch die Deadline für eine mögliche Absage durch die Coronavirus-Pandemie beinhaltet. Präsident und Geschäftsführer Jordi Bertomeu sprach in einer Mitteilung am Donnerstag von einer wichtigen Vereinbarung für die Liga.

Die Euroleague hat den Spielbetrieb seit dem 12. März ausgesetzt. Über den Juli hinaus könne sie bei einer Fortsetzung nicht spielen, erklärte Bertomeu. Sollte bis einschließlich Juli aber wieder gespielt werden, würden sich die Verträge der Spieler bis 31. Juli verlängern. Die Spieler bekämen 85 Prozent ihres Lohns bis spätestens 15. August. Sollte die Saison vorzeitig beendet werden, stünde den Spielern der Mitteilung zufolge 80 Prozent des Lohns zu.

Coronafälle auf Katars WM-Baustellen

Auf den Stadionbaustellen zur Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar wurden nach acht Coronavirus-Infektionen die Sicherheitsmaßnahmen und Hygieneregeln verschärft. Wie die katarische Regierung ankündigte, müssen die Bauarbeiter ab Sonntag verpflichtend einen Mund- und Nasenschutz tragen. Zudem müssen sowohl an den Baustellen als auch während der Busfahrten zu den Stadien gewisse Mindestabstände eingehalten werden. Generell sollen die Arbeiten zumindest vorerst allerdings planmäßig fortgesetzt werden.

Das Organisationskomitee kündigte an, „die Situation kontinuierlich zu überprüfen und bereit zu sein, die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit aller Arbeitnehmer und Mitarbeiter zu ergreifen“. Diese Maßnahmen „können – wenn nötig – auch eine vorübergehende Einstellung der Arbeit umfassen“, so das OK weiter.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden