Corona-Folgen für den Sport

Hamburger Sport eingestellt – Uefa will EM verschieben

Bundestrainer Joachim Löw muss für den Sommer umplanen. Die EM wird mit ziemlicher Sicherheit verlegt werden.

Bundestrainer Joachim Löw muss für den Sommer umplanen. Die EM wird mit ziemlicher Sicherheit verlegt werden.

Foto: Imago/Pressefoto Baumann

Nächstes Länderspiel abgesagt. Berlin verlängert Fußball-Pause. Erster Corona-Fall in spanischer Liga, dritter Fall in der NBA.

Die Auswirkungen des Coronavirus auf den Sport sind dramatisch. In den wichtigsten Ligen ruht weltweit der Ball, die Räder der Formel 1 stehen still und die Verbände reagieren mit immer mehr Wettkampfabsagen auf die Pandemie. Nur die Organisatoren der Olympischen Spiele in Tokio zeigen sich weiter unbeirrt. Die Frage ist nur, wie lange noch? Verfolgen Sie hier die aktuellen Entwicklungen:

Uefa will Fußball-EM verschieben

Eine Verschiebung der wegen der Coronakrise gefährdeten EM (12. Juni bis 12. Juli) scheint offenbar auch bei der Uefa beschlossene Sache zu sein. Wie das ZDF aus Verbandskreisen erfahren haben will, wird der Kontinentalverband beim für Dienstag angesetzten Krisentreffen mit Clubs, Ligen- und Spielervertretern eine Verschiebung empfehlen. In fast allen europäischen Ligen ruht der Spielbetrieb derzeit aufgrund der Pandemie.

Am Dienstag sollen demnach zwei Szenarien zur Diskussion gebracht werden. Variante eins ist eine Verlegung in den Sommer 2021. Dafür müsste jedoch die Fifa seinerseits einer Verschiebung seiner reformierten Club-WM zustimmen, die für diesen Zeitraum in China geplant ist. Offenbar will die Uefa Zugeständnisse machen und zwölf Clubs zu dem Turnier schicken, falls Fifa-Präsident Gianni Infantino zu einer Verlegung bereit sei. Die Uefa hatte die neue Club-WM mehrfach heftig kritisiert.

Die zweite Variante sei eine Verschiebung in den Herbst oder Winter des laufenden Jahres. Über diese Idee hatte bereits der "Daily Telegraph" berichtet. Damit würde die EM der Club-WM aus dem Weg gehen. Das würde aber zu noch mehr Terminengpässen führen, weshalb die Uefa eine Verlegung in den kommenden Sommer bevorzugt.

Spanien sagt Länderspiel gegen Deutschland ab

Der EM-Test zwischen Spanien und der deutschen Nationalmannschaft ist nun auch offiziell abgesagt worden. Das bestätigte ein Sprecher des spanischen Fußballverbandes RFEF der „Süddeutschen Zeitung“. Das Spiel sollte am 26. März in Madrid stattfinden, fiel aber nun erwartungsgemäß der Coronavirus-Pandemie zum Opfer.

Spanien ist von der Krise stark betroffen. Im ganzen Land gilt eine Ausgangssperre. Die Profis von Real Madrid stehen unter Quarantäne, der Fußball-Spielbetrieb ist eingestellt. Zuvor war bereits das für den 31. März angesetzte Länderspiel zwischen Deutschland und Italien in Nürnberg gestrichen worden.

DOSB-Chef für kompletten Sport-Stopp

Präsident Alfons Hörmann vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) hat den Sportverbänden und -vereinen empfohlen, den Spiel- und Trainingsbetrieb „im Idealfall“ komplett einzustellen. „Das tut weh, und das sind schmerzvolle Eingriffe in unseren Lebensalltag, doch es ist wichtig, jetzt verantwortungsvoll zu handeln“, teilte Hörmann angesichts der Corona-Pandemie mit.

Hörmann betonte, dass „auch und gerade“ der Sport seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden müsse. Als Folge müsse in Deutschland der Sportbetrieb auf ein Minimum heruntergefahren werden. Ziel sei es, „dieser großen gemeinsamen Herausforderung wirkungsvoll zu begegnen“.

Nach DOSB-Angaben gibt es derzeit 27,5 Millionen Mitgliedschaften in etwa 90.000 Turn- und Sportvereinen. Hörmann bezeichnete dies in seinem Aufruf als „größte Personengruppe Deutschlands“. Alle Sportler seien nun aufgerufen, Verzicht zu üben.

„Seid vernünftig, verzichtet auf das, was euch allen lieb geworden ist – auf das sportliche und soziale Miteinander im Verein zunächst für einige Wochen, so schwer das auch fällt“, schreibt Hörmann: „In dieser besonderen Situation ist Verantwortung und Vernunft angesagt.“ In Hamburg werden alle Fitnessstudios ab Montag geschlossen.

Coronavirus: Hamburger Sport wird eingestellt

Der Hamburger Sport wird von diesem Montag an komplett eingestellt. Wie das Abendblatt aus Senatskreisen erfuhr, sollen alle Sportveranstaltungen und der Trainingsbetrieb verboten werden. Diese Maßnahme hat auch erhebliche Auswirkungen für den HSV und den FC St. Pauli.

Alle Fitnessstudios müssen schließen. Schwimmbäder sind ohnehin geschlossen. Wenige Ausnahmen sollen vom Sportamt erlaubt werden, die keinen direkten Körperkontakt oder enges gemeinsames Trainieren erfordern.

Berlin stoppt Bundesliga bis 19. April

Schon vor der Krisensitzung der DFL am Montag ist eine längere Bundesliga-Zwangspause als bis zum 2. April offenbar unausweichlich. Zumindest in Berlin kann laut eines Senatsbeschlusses bis zum 19. April wegen des Coronavirus kein Fußball gespielt werden.

Wie die Behörde am Wochenende beschloss, wird der „Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimmbädern, Fitnessstudios u. ä. untersagt“. Betroffen sind auch die Spiele von Hertha BSC und Union Berlin. Dennoch dürfen beide Clubs weiterhin ohne Einschränkungen ihre Mannschaftstrainings durchführen.

Ausnahmen gelten bis zum 19. April vorerst nur für Kaderathleten, die sich auf die Olympischen Spiele vorbereiten oder Sport mit Tieren, sofern dieser dem Wohl der Tiere dient.

Hoeneß ruft im "Doppelpass" an

Uli Hoeneß hat im Lichte der Coronakrise vor überhöhten Erwartungen an die DFL-Mitgliederversammlung am Montag gewarnt. „Die Sitzung ist richtig, aber man kann da doch fast nichts beschließen, wo man nicht weiß, wie viele Fälle es diese oder nächste Woche gibt“, sagte der Ehrenpräsident von Bayern München während einer Telefonschalte im Sport1-"Doppelpass". „Wir müssen erst mal der Realität ins Auge sehen und vier Wochen lang alles auf null stellen.“

Erst wenn die Infektionszahlen sinken würden, könne man darüber nachdenken, wann die Bundesliga zum Spielbetrieb zurückkehre, dieser ließ sich ohnehin innerhalb eine Woche organisieren. „Es kann sein, dass erst im Oktober wieder gespielt wird, das weiß doch keiner“, sagte Hoeneß. Bis dahin sei Geduld gefragt, man müsse „wieder lernen, Monopoly und Mensch-ärger-dich-nicht zu spielen.“

Andere Prognosen hält der langjährige Patron des FC Bayern für unseriös, diese seien „Schaumschlägerei“ oder „Scharlatanerie“, zudem mache eine EM im Sommer unter den gegebenen Umständen „überhaupt keinen Sinn. Ich halte es für richtig, dass der nationale Wettbewerb und die Champions League Priorität haben“, sagte Hoeneß.

Hoeneß mit flammendem Corona-Appell

Hoeneß wies darauf hin, dass für eine solche Ausnahmesituation „kein Handbuch und kein schlauer Professor“ existiere: „Wir sollten die Probleme des Fußballs wichtig nehmen, aber es gibt auch andere Menschen auf der Welt. Die Gesellschaft muss einigermaßen gesund aus der Krise herauskommen.“

Überdies sprach sich der frühere Bayern-Präsident und -Manager für eine Solidaritätswelle aus – nicht nur im Sport. „Die Großen müssen den Kleinen helfen, die Deutschen müssen den Italienern helfen und so weiter. Das ist eine einmalige Chance, sich in ganz Europa zu solidarisieren“, sagte Hoeneß, der die deutsche Politik für ihr Handeln lobte, die Verantwortlichen wie Gesundheitsminister Jens Spahn machten „ein sensationellen Job.“

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Rettig fordert eine Absage der EM

Für den früheren DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig ist angesichts der Coronavirus-Krise eine Absage der Fußball-EM „zwingend“. „Es kann keine EM gespielt werden. Das wäre für mich unverständlich. Die EM muss gekippt werden, verschoben werden, was auch immer“, sagte Rettig im ZDF-„Sportstudio“. Es könne nicht sein, dass wegen nachrangigen Wettbewerbe das Brot- und Buttergeschäft in den nationalen Ligen nicht durchgeführt werden kann.

Und weiter: „Das wäre für mich ein Treppenwitz. Wir können nicht die Existenzgrundlage oder das Schwungrad des Fußballs riskieren, nur weil wir einen nachgelagerten Wettbewerb spielen wollen.“ St. Paulis ehemaliger Geschäftsführer hält eine Austragung der Bundesliga bis zum 16./17. Mai für „illusorisch“. Die Pause bis zum 2. April werde angesichts der steigenden Infektionszahlen kaum reichen.

Rettig: Diese DFL-Entscheidung war falsch

Dass die DFL lange Zeit den Spieltag am Wochenende ohne Publikum durchdrücken wollte, sei in der Nachbetrachtung eine falsche Entscheidung gewesen, sagte Rettig. „Man kann nicht die wirtschaftlichen Dinge über die Gesundheit stellen“, sagte Rettig, der aber Verständnis für die DFL-Verantwortlichen mit Blick auf die wirtschaftlichen Engpässe zeigte. „Die TV-Gelder werden in vier Tranchen gezahlt, die letzte davon im Mai. Die Vereine haben da einen Liquiditätsengpass im April. Das wird eine Nagelprobe.“

Rettig hält aber nichts davon, dass der Fußball nach staatlicher Hilfe ruft. „Wenn wir es nicht im deutschen Profifußball mit diesem Wachstumspotenzial und den Möglichkeiten schaffen. Wir sollten die Töpfe denen überlassen, die es notwendiger haben. Da muss sich der Fußball aus eigener Kraft helfen“, sagte er und forderte von den Spielern auf Teile ihrer Gehälter zu verzichten.

Dritter Coronavirus-Fall in der NBA

Die NBA hat ihren dritten Coronavirus-Fall. Es handelt sich dabei um einen Spieler der Detroit Pistons. Der namentlich nicht genannte Profi befindet sich bereits seit Mittwochnacht in Quarantäne. Medienberichten zufolge hat sich Flügelspieler Christian Wood (24) mit dem Coronavirus infiziert. Die Pistons haben den positiven Test an diesem Sonnabend erhalten.

Der Detroiter Spieler ist nach Center Rudy Gobert (27) und dessen Teamkollege Donovan Mitchell (23) von den Utah Jazz der dritte Coronavirus-Fall in der NBA. Die Liga hatte sich unmittelbar nach dem ersten positiven Test zu einer Pause von mindestens 30 Tagen entschieden.

Erster Spieler in Spanien mit Corona infiziert

Der argentinische Nationalspieler Ezequiel Garay vom FC Valencia ist als erster Spieler der Primera Division positiv auf die Lungenkrankheit Covid-19 getestet worden. Auch vier weitere Mitarbeiter des Clubs haben sich infiziert. Am Sonnabend waren zwei Mitglieder des Mitarbeiterstabes des Erstligisten Deportivo Alaves ebenfalls positiv getestet worden. Auch beim Geschäftsführer des Erstligisten CD Leganes, Martin Ortega, war das Coronavirus festgestellt worden.

Trainingsverbot für ganz Österreich

Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) hat für das ganze Land eine Einstellung des Trainingsbetriebs angeordnet. Die drastische Maßnahme sei „in Abstimmung mit der Bundesliga und den Landesverbänden“ erfolgt, teilte der Verband mit. Die Ausbreitung des Coronavirus habe zu „dramatischen Entwicklungen“ geführt.

„Der Fußball ist gefordert, seinen Beitrag zu leisten, damit wir alle gemeinsam diese Krise meistern“, sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner. „Wir appellieren an alle Österreicherinnen und Österreicher, den Maßnahmen der Bundesregierung Folge zu leisten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Beschränken Sie Ihre sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum. Bleiben Sie zu Hause, wenn es möglich ist!“ Österreich hatte am Donnerstag den gesamten Spielbetrieb „bis auf Weiteres“ eingestellt.

Verantwortliche halten an Olympia-Zeitplan fest

Im Umgang mit dem Coronavirus vollzieht das IOC weiter einen Eiertanz. „Wir arbeiten mit vollem Engagement auf den Erfolg der Olympischen Spiele mit der Eröffnungsfeier am 24. Juli hin“, betonte Präsident Thomas Bach, schränkte aber immerhin ein: „Wir werden dem Rat der Weltgesundheitsorganisation folgen.“ Vorerst ist nicht mal das Olympische Feuer besonders weit gekommen: Nur einen Tag nach der Entzündung im Heiligen Hain von Olympia musste der Fackellauf durch Griechenland wegen des Coronavirus komplett abgesagt werden.