Bundesliga-Eklat

Es bleibt "dreckig": Bayern-Fans rechtfertigen Hopp-Attacken

Nach den Anfeindungen erhielt Dietmar Hopp am Spielfeldrand demonstrativen Beistand von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Nach den Anfeindungen erhielt Dietmar Hopp am Spielfeldrand demonstrativen Beistand von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Foto: Imago/Jan Hübner

Spieltag von Schmähungen gegen Hoffenheims Mäzens durchzogen. Rummenigge schämt sich, Gisdol nach Vorfällen in Köln entsetzt.

Sinsheim. Eine erneute Hasstirade gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp hat beim Sieg des FC Bayern bei der TSG Hoffenheim für zwei Spielunterbrechungen und ein Novum gesorgt.

Als Bayern-Fans in der 77. Minute zum zweiten Mal ein beleidigendes Plakat hochhielten, unterbrach Schiedsrichter Christian Dingert die Partie und schickte alle Akteure vom Feld – nach einer etwa 20-minütigen Pause wurde nur noch symbolisch weitergespielt und der Ball hin und her geschoben. Hopp und Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge standen demonstrativ am Spielfeldrand und klatschten. Das 6:0 (4:0) der Münchner wurde zur Nebensache.

Oliver Kahn wirkte auf Bayern-Fans ein

Im strömenden Regen hatten die Bayern-Profis, Trainer Hansi Flick und sogar Vorstandsmitglied Oliver Kahn zuvor vor der Kurve gestanden und wild gestikulierend auf die Fans eingeredet, das Transparent wieder abzuhängen.

Schon zuvor hatte es einen Vorfall mit einem Hassplakat gegeben, bei dem Dingert erstmals das Spiel unterbrach. Weil die Anhänger der Gäste Pyrotechnik zündeten, war zudem schon die zweite Halbzeit verspätet losgegangen. Rummenigge umarmte auf der Tribüne den sichtlich konsternierten Hopp, der demonstrativ klatschte, als die Spieler in die Kabine geschickt wurden.

Rummenigge: "Wir haben alles gefilmt"

"Ich schäme ich zutiefst für diese Chaoten und habe mich bei Dietmar Hopp auch entschuldigt“, äußerte Rummenigge. Der Bayern-Boss kündigte das schärfste Vorgehen gegen die Verursacher des Skandals an: "Wir haben alles mitgefilmt und werden die Leute zur Rechenschaft ziehen."

Rummenigge glaubt, dass das Spiel in Sinsheim eine Zäsur bedeutet: „Die ganze Bundesliga, die DFL und der DFB müssen zusammenstehen und gegen diese Chaoten vorgehen. Das war das hässliche Gesicht von Bayern München. Dafür gibt es keine Entschuldigung.“

Der DFB-Kontrollausschuss und das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dürften sich mit dem Skandalspiel von Sinsheim beschäftigen. An der Spielwertung ist jedoch nicht zu rütteln, da die Partie zu Ende „gespielt“ wurde.

Bayern-Fans beziehen Stellung

Die Fanszene des FC Bayern rechtfertigte sich indes in einem online veröffentlichten Schreiben für die Vorfälle und zeigte keinerlei Einsicht. In dem auf "suedkurve-muenchen.org" veröffentlichten Text heißt es unter anderem: "Man muss den Wortlaut nicht gut heißen, aber es gab für uns hierzu keine Alternative, da nur so das Thema die nötige Aufmerksamkeit erhält."

Eine Entschuldigung wurde von den Fans nicht formuliert, stattdessen wurde ausdrücklich Kritik an der doppelten Unterbrechung geübt. "Will man zukünftig immer, wenn solche Beleidigungen auf der Zuschauertribüne geäußert werden, Fußballspiele ab- oder unterbrechen, wird man keine Partie mehr über 90 Minuten spielen können. Die Unterbrechung heute war einfach nur überzogen und absurd", hieß es. Der Fußball bleibe "dreckig", die Fans "rebellisch".

Auch BVB-Spiel wegen Hopp unterbrochen

Schon beim 1:1 in Gladbach war vergangene Woche unterbrochen worden, als Hopps Konterfei von Fans der Gastgeber in einem Fadenkreuz gezeigt wurde. Wegen eines ähnlichen Vorfalls wurde an diesem Sonnabend auch die Partie Borussia Dortmund gegen SC Freiburg (1:0) kurzzeitig unterbrochen.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit stimmten die Dortmunder Anhänger Schmähgesänge an. Deshalb ließ Schiedsrichter Robert Hartmann das Spiel für wenige Minuten unterbrechen und ordnete eine Stadiondurchsage an, in der mit Spielabbruch gedroht wurde.

Schmähungen auch in Köln – Gisdol entsetzt

Auch im Abendspiel zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 (3:0) zeigten Fans der Gastgeber ein offensichtlich gegen Hopp gerichtetes Banner. Kölns Spieler sowie Trainer Markus Gisdol und Sportgeschäftsführer Horst Heldt schafften es durch ihr Eingreifen, dass das Banner entfernt wurde und das Spiel fortgesetzt werden konnte. "Der Schiedsrichter hat uns gesagt, dass er das Spiel sonst nicht wieder anpfeift“, sagte Gisdol.

Der frühere Hoffenheim-Trainer zeigte sich entsetzt über die neuerlichen Schmähungen gegen Hopp. "Ich kenne ihn aus meiner Zeit dort sehr gut. Herr Hopp ist ein sehr feinfühliger Mensch", sagte der jetzige FC-Trainer nach dem Spiel. "Dass solche Dinge immer wieder vorkommen, ist sehr schade.“

Hopp sei ein Mensch, der nur einen kleinen Teil seines Vermögens in den Fußball investiere, ergänzte Gisdol. "Einen großen Teil steckt er in soziale Projekte, in Schulen oder auch in die Krebsforschung. Vielleicht profitieren einmal Menschen davon, die jetzt nicht damit rechnen.“

Reaktionen auf Strafe gegen BVB-Fans

Die verschiedenen Fangruppen spielten mit ihren Aktionen auf eine Kollektivstrafe für die BVB-Fans an, die Hopp mehrere Male massiv beleidigt hatten und in den kommenden zwei Jahren deshalb nicht zu Auswärtsspielen nach Sinsheim reisen dürfen.

Von den Heimfans gab es ein gellendes Pfeifkonzert für die Fortsetzung der Partie, Hopp selbst war zwischenzeitlich in den Katakomben zugegen. Für den Rest des Spiels standen Hopp und Rummenigge gemeinsam am Spielfeldrand.

Bayern-Problemfall Coutinho trifft doppelt

Die ersten 75 Minuten der Partie vor 30.150 Zuschauern im ausverkauften Sinsheimer Stadion waren zuvor eine Demonstration der Stärke der Münchner, die auch ohne ihren verletzten Torjäger Robert Lewandowski den höchsten Saisonsieg einfuhren und ihre Führung in der Tabelle festigten.

Serge Gnabry hatte mit seinem elften Saisontor nach nur zwei Minuten und Joshua Kimmich (7.) schockten die Kraichgauer. Joshua Zirkzee, der Ersatz für Toptorjäger Lewandowski, legte kurz darauf nach (15.). Der oft gescholtene Coutinho traf noch vor der Pause zum 4:0 (33.). Coutinho (47.) und der eingewechselte Leon Goretzka (62.) sorgten für den Endstand - bevor der Fußball zur Nebensache wurde.

Flick sammelt bei Rückkehr weitere Pluspunkte

Für Bayern-Coach Flick war es zwei Jahre nach seinem Abschied als Geschäftsführer bei der TSG die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Der 55-Jährige sammelte weiter Punkte für seine erwartete Vertragsverlängerung.

Nach dem Ausfall Lewandowskis (25 Liga-Treffer), der wegen eines Anbruchs der Schienbeinkante am linken Kniegelenk mindestens sechs Partien fehlen wird, verhalf Flick dem 18 Jahre jungen Zirkzee zu seinem Startelf-Debüt.

Um seine Offensive musste sich Flick keine Sorgen machen. Hoffenheims Torhüter Oliver Baumann lenkte den Ball mit dem Knie ins eigene Tor. Gnabry hatte zuvor mit einer artistischen Hereingabe geglänzt. Mit einem präzisen Flachschuss düpierte dann Kimmich Baumann. Zirkzee schob nach einer Viertelstunde Dauerwirbel zum 3:0 ein.