Crocodiles Hamburg

Kristian: "Für ein paar Euro mehr gehe ich hier nicht weg"

Torhüter Kai  Kristian (29)  vor der Kabine  der Crocodiles im Eisland Farmsen. Der Torhüter spielt seit Sommer 2016 für die Hamburger.

Torhüter Kai Kristian (29) vor der Kabine der Crocodiles im Eisland Farmsen. Der Torhüter spielt seit Sommer 2016 für die Hamburger.

Foto: Michael Rauhe

Eishockey-Torhüter spricht über seine Zukunft. Auch wenn der Aufstieg nicht möglich ist, geht Kai Kristian motiviert in jede Partie.

Hamburg. Es ist das letzte Heimspiel – aber nur in der Hauptrunde der Oberliga Nord. Und bevor die Eishockeymänner der Crocodiles Hamburg am 13. März daheim gegen den noch nicht feststehenden Sechsten der Oberliga Süd in die Play-offs starten, kommt mit Tabellenführer Tilburg Trappers an diesem Freitag (20 Uhr) noch einmal ein Hochkaräter ins Eisland Farmsen am Berner Heerweg. Kai Kristian, der seit Sommer 2016 im Tor der Crocodiles steht, freut sich auf die Herausforderung, auch wenn sie sportlich relativ bedeutungslos ist. Aber obwohl das auch für die Play-offs gilt – die Crocodiles haben aus finanziellen und infrastrukturellen Gründen nicht für den Aufstieg in die DEL 2 gemeldet –, sieht der 29-Jährige keinen Grund, warum das Team jetzt nicht weiter Gas geben sollte.

Hamburger Abendblatt: Herr Kristian, wie motiviert man sich für Play-offs, wenn man schon weiß, dass der größte Lohn nicht zu bekommen ist?

Kai Kristian: Wir sind uns der Situation bewusst, dass wir nicht aufsteigen können, und können diese Entscheidung absolut nachvollziehen. Aber wir sind Sportler und gehen in jedes Spiel mit dem Ziel, es zu gewinnen. Es macht keinen Unterschied, ob es um drei Punkte, einen Titel oder einen Sieg in den Play-offs geht. Wir spielen hier für den Verein und für unsere Fans, denen wir das zurückgeben wollen, was sie im vergangenen Jahr nicht bekommen konnten.

Sie spielen auf den Antrag auf Insolvenz an, den die Spielbetriebs GmbH in der vergangenen Saison stellen musste. Deshalb durften Sie nicht an den Play-offs teilnehmen. Hat dieses Erlebnis einen Einfluss auf die Leistung in dieser Saison gehabt?

Kristian: Wir haben in der vergangenen Saison schon gezeigt, dass wir uns als Team für sportlich bedeutungslos scheinende Spiele sehr gut motivieren können. Als feststand, dass wir keine Play-offs würden spielen dürfen, waren alle enttäuscht, haben aber alles gegeben, um die Saison vernünftig abzuschließen. Diese Einstellung werden wir nun in den Play-offs auch zeigen. Und noch etwas hat diese Erfahrung bewirkt. Wir sind als Verein noch enger zusammengerückt. Diese mannschaftliche Geschlossenheit hat uns in dieser Spielzeit dorthin gebracht, wo wir jetzt stehen.

Würden Sie sie als Hauptgrund dafür ansehen, dass ein solcher Leistungsschub möglich war, der vier Spieltage vor Hauptrundenende den dritten Tabellenplatz sichert?

Kristian: Ich würde gar nicht von einem Leistungsschub sprechen, denn ich bin überzeugt davon, dass wir ohne den Insolvenzantrag auch in der vergangenen Saison eine sehr gute Rolle gespielt hätten. Aber der Teamspirit ist sicherlich ein wichtiges Element in unserem erfolgreichen Auftreten. Jeder spürt, dass wir den Sieg meist mehr wollen als die Gegner. Deshalb haben wir auch öfters gegen Teams gewonnen, die individuell stärker besetzt sind.

Welche Rolle spielt der Trainer? Zwischen Jacek Plachta und Teilen des Teams gab es in der vergangenen Saison und zu Beginn dieser Spielzeit Differenzen. Was hat sich seitdem geändert?

Kristian: Es gibt immer Spieler, die unzufrieden sind mit ihrer Situation, und manche beschweren sich dann auch darüber. Aber mittlerweile kennt jeder seinen Stellenwert und akzeptiert diesen. Der Trainer spielt deshalb eine sehr wichtige Rolle. Er hat uns seinen Stempel aufgedrückt, aber er hat sich auch verändert, ist ruhiger geworden und reagiert an der Bande nicht mehr so impulsiv. Ich persönlich hatte mit Jacek immer ein sehr gutes Verhältnis, ich kann mit ihm tolle Einzelgespräche führen.

Das mag daran liegen, dass Sie stets Ihre Leistung bringen. Das mag er.

Kristian: Das mag jeder Trainer, und wenn du als Spieler deine Leistung nicht abrufst, musst du mit Kritik leben. Letztlich hat jeder Spieler sein Schicksal in der Hand.

Das gilt auch für Sie und Ihre Ambitionen, als einer der besten Torhüter der Oberliga in der DEL 2 oder sogar noch höher zu spielen. Mit den Crocodiles ist das auf absehbare Zeit nicht möglich. Sie sind aber auch schon 29 Jahre alt. Ist dieser Sommer der richtige Zeitpunkt zum Wechsel?

Kristian: Der Reiz, in einer höheren Liga zu spielen, ist selbstverständlich groß, da mache ich kein Geheimnis draus. Ich habe immer Ambitionen, mich zu verbessern und nach oben zu gucken. Aber andererseits fühle ich mich in Hamburg pudelwohl. Die Familie meiner Frau stammt hierher, ich bin seit zehn Jahren in der Stadt zu Hause, sie ist meine Heimat geworden. Wenn ich wechsle, dann muss für meine Familie und mich am neuen Standort alles passen. Nur für ein paar Euro mehr gehe ich hier nicht weg.

Was halten Sie denn mit den Crocodiles in den Play-offs für möglich?

Kristian: Das Problem ist, dass wir die Süd-Oberligisten nicht wirklich gut kennen. Sobald unser erster Gegner feststeht, werden wir Videostudium betreiben, aber was uns erwartet, wissen wir eigentlich erst nach dem ersten Spiel. Dennoch bin ich absolut sicher, dass wir mit dieser Mannschaft sehr weit kommen können. Für das Eishockey in Hamburg ist es unheimlich wichtig, dass wir uns optimal präsentieren. Schließlich wollen wir die Gunst der Zuschauer zurückgewinnen, und da helfen nur Erfolge.

Wenn Sie tatsächlich Meister werden würden: Könnten Sie das genießen, obwohl Sie nicht aufsteigen können?

Kristian: Vom Meistertitel reden wir sicherlich noch nicht. Aber wenn es so weit käme, dann wäre es emotional das Größte für uns alle. So etwas erlebt man vielleicht nur einmal in der Karriere. Deshalb gibt es bei uns auch kein Halbgas.