DFB-Pokal

K.o. bei Werder: Hat sich Dortmunds Trainer Favre verpokert?

Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre reagierte beim Pokalaus in Bremen spät.

Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre reagierte beim Pokalaus in Bremen spät.

Foto: Inderlied / imago images/Kirchner-Media

Die Stars versagten, die jungen Wilden kamen zu spät: Zum Pokal-Aus der Borussia trugen auch die zögerlichen Einwechslungen bei.

Bremen. Der Zorn bei Michael Zorc war auch am Tag nach dem überraschenden Pokal-Aus noch nicht verraucht. „Wir sind dafür bestraft worden, dass wir in der ersten Hälfte lahmarschig, bequem und langsam gespielt haben“, wetterte der Sportdirektor von Borussia Dortmund im Gespräch mit dem "Kicker", „wir haben nicht so gewirkt, als wüssten wir, worum es geht.“

Das 2:3 (0:2) im DFB-Pokal bei Werder Bremen am Dienstag war ihm sichtlich auf den Magen geschlagen – vor allem die Vorstellung in den ersten 45 Minuten. Das Achtelfinal-Aus tue sehr weh, „es ist nicht zu reparieren. Die Niederlage war vermeidbar, aber letztlich verdient“, betonte der Ex-Nationalspieler.

BVB-Trainer Favre wechselt in Bremen viel zu spät

Die Schuldigen am K.o. im Weserstadion hatte BVB-Trainer Lucien Favre schnell ausgemacht. „Wir waren lethargisch, es war zu wenig Bewegung da“, sagte der Schweizer nach der 2:3 (0:2)-Niederlage gegen Abstiegskandidat Werder Bremen.

Aber der erfahrene Coach hätte seine eigene Performance am Spielfeldrand durchaus in die kritischen Worte an seine Profis einbeziehen können – und auch müssen. Denn auch seine Ein- und Auswechslungen erfolgten zögerlich und viel zu spät. Und so muss der Vizemeister die erste von drei Titeloptionen bereits im Februar zu den Akten legen.

„Es hat die Gier gefehlt, die Tore zu schießen“, betonte Mittelfeldspieler Julian Brandt und brachte das größte Manko der Gäste kurz und knackig auf den Punkt. Dennoch sah Favre 45 Minuten lang dem müden Ballgeschiebe seiner arrivierten Stars tatenlos zu.

Treffer von Haaland und Reyna reichen nicht

Erst als Tormaschine Erling Haaland (19) in der 46. und das noch ein Jahr jüngere Toptalent Giovanni Reyna in der 66. Minute auf den Platz kamen, nahmen die Schwarz-Gelben Fahrt auf, die jungen Wilden trafen rasch. Aber letztendlich zu spät, die am Limit agierenden Bremer ließen sich den unverhofften Einzug ins Viertelfinale nicht mehr nehmen.

Der Frust beim BVB saß auf jeden Fall tief. „Man muss sich ja nur die letzten Minuten des Spiels anschauen. Die vielen Chancen, die wir vergeben haben, die Tätlichkeit gegen Gio Reyna, da kann die Stimmung ja nur schlecht sein“, konstatierte Torwart Marwin Hitz in den "Ruhr-Nachrichten".

Nicht nur die Gier auf Tore, auch die Galligkeit in den Duellen Mann gegen Mann fehlte den Gästen, die letztjährige Achtelfinal-Niederlage gegen den gleichen Gegner in Dortmund schien längst wieder heraus aus den Köpfen. „Wir haben fast alle Zweikämpfe verloren“, klagte Favre nicht zu Unrecht.

Can könnte für Dortmund wichtig werden

Hitz ergänzte: „Natürlich gab es vor allem in der ersten Hälfte den einen oder anderen Zweikampf, den wir gewinnen können oder vielleicht auch müssen. Trotzdem habe ich nicht den Eindruck, als seien wir heute nur wegen unseres Defensivverhaltens ausgeschieden.“

Abwehrchef Mats Hummels aber wollte in der ARD von einem Einstellungsproblem nichts wissen: „Es war keine berauschende Leistung, aber auch keine schlechte.“ Der Ligadritte muss nun am Sonnabend (18.30 Uhr/Sky) bei Bayer Leverkusen beweisen, ob er den Schalter wieder umlegen kann. Und ob er bereit ist, gegen diesen Gegner wieder mehr physische Präsenz zu zeigen, besonders in der Defensive.

Dann könnte Emre Can schon eine tragende und wichtige Rolle spielen. Diesmal blieb es für den 26 Jahre alten Last-Minute-Transfer noch bei einem Kurzeinsatz, doch schon in Leverkusen und vor allem in der Champions League gegen Paris Saint-Germain könnte der Nationalspieler richtig wichtig werden. Damit Haalands Tore auch wieder zu BVB-Siegen reichen...