Streif

Arnold Schwarzenegger und Lindsey Vonn flachsen in Kitzbühel

Verstanden sich am Abend nach dem Hahnenkamm-Rennen blendend: Lindsey Vonn und Arnold Schwarzenegger.

Verstanden sich am Abend nach dem Hahnenkamm-Rennen blendend: Lindsey Vonn und Arnold Schwarzenegger.

Foto: Imago/GEPA Pictures

Ex-Actionheld macht früherem Ski-Ass auf einer Gala Komplimente. Im deutschen Lager war die Stimmung nach dem Rennen gespalten.

Kitzbühel. Jahrelang hat Lindsey Vonn vergeblich versucht, Skirennen gegen Männer zu bestreiten und dabei auch die Streif in Kitzbühel herunterzufahren. Obwohl sie das nicht schaffte, bekam sie am Sonnabendabend in Kitzbühel eines ihrer schönsten Komplimente.

Action-Held Arnold Schwarzenegger lobte die 35-Jährige bei der Verleihung eines Awards für ihr Lebenswerk: „Sie ist der weibliche Terminator.“ Der Schauspieler erinnerte: "Sie ist immer aufgestanden, wenn sie am Boden war. Gewinner stehen auf, wenn sie hinfallen, Verlierer bleiben unten. Sie ist eine große Gewinnerin.“

Schwarzenegger "feiert diese Seite von Lindsey"

Schwarzenegger, der regelmäßig bei den Hahnenkammrennen vorbeischaut, erwähnte nicht nur die sportliche Leistung Vonns, die mit 82 Siegen den Damen-Rekord im Weltcup hält. Sie inspiriere mit ihrer Stiftung auch junge Mädchen und gebe der Gesellschaft viel zurück. "Ich feiere heute diese Seite von Lindsey. Das macht aus ihr eine Legende.“

Vonn zeigte sich geehrt von den Worten des 72-Jährigen und flachste in Anspielung auf das berühmteste Filmzitat des Österreichers aus „Terminator“: "But I won't be back.“ (Ich werde nicht zurückkommen.)

DSV-Läufer Dreßen nach Streif "sauer"

Nicht ganz so gut gelaunt war am Sonnabend Thomas Dreßen. Der deutsche Hoffnungsträger hatte seine Sachen nach der heftigen "Watschn“ auf der Streif längst frustriert zusammengepackt, als Österreichs Skiheld Matthias "Mothl“ Mayer mit seinem 100.000-Euro-Jackpot siegestrunken durch Kitzbühel zog.

"Klar bin ich sauer“, sagte Dreßen, dem für Platz 26 im wichtigsten Saisonrennen läppische 1450 Euro Preisgeld blieben, "er hat richtig eins vors Schienbein bekommen“, konstatierte Alpinchef Wolfgang Maier.

Deutscher Jubel über "Judas" Baumann

Dass die Stimmung im Lager der deutschen Abfahrer bei der wildesten Skiparty des Jahres trotzdem nicht im Keller war, lag an einem anderen Österreicher. „Im Endeffekt hat er die deutsche Fahne hochgehalten“, sagte Maier über Romed Baumann, der seit Saisonbeginn als „Piefke-Zebra“ im DSV-Rennanzug unterwegs ist, eine „Weltspitzenleistung“ sei dessen siebter Rang am heiligen Berg der Alpenrepublik gewesen. Ausgerechnet Baumann!

Sein Wechsel über die Grenze, wo der Familienvater mit seiner bayerischen Ehefrau Vroni und den beiden Kindern in Kiefersfelden lebt, hatte in Baumanns alter Heimat großen Wirbel verursacht. In Kitz wurde der 34-Jährige von einigen Landsleuten als „Judas“ beschimpft, und nein, versicherte Maier, „die waren nicht alle besoffen“.

Schwarzenegger & Co. applaudieren Baumann

Dieser hässliche Vorfall kurz vor dem Start, berichtete Baumann, "hat mich angespornt, ich war richtig heiß darauf, dass ich mein bestes Skifahren zeige“. Das tat er, die VIPs und „Adabeis“ wie Schwarzenegger, Heiner Lauterbach oder Andreas Gabalier applaudierten verzückt, unter den Jubel der 50.000 Skiverrückten mischten sich nur wenige Buh-Rufe.

„Bester Deutscher ist immer ein super Titel, meine Teamkameraden sind ja auch keine Nasenbohrer“, sagte Baumann schmunzelnd, „es ist ungewohnt, aber es fühlt sich gut an.“ Josef Ferstl, hinter dem guten Elften Andreas Sander als 25. drittbester DSV-Starter, schwärmte vom neuen Kollegen: „Das ist Wahnsinn, eine Hammergeschichte.“

Baumann dankt dem DSV für die Chance

In die riesige Freude mischte sich das Gefühl der „Genugtuung“ – ausgerechnet in Kitzbühel. Im Ski-Mekka hatte der Österreichische Skiverband Baumann im Vorjahr den Start verweigert, „das war ein Tiefpunkt meiner Karriere“, sagte er mit bewegter Stimme: „Da bin ich rumgelaufen wie ein geschlagener Hund und hab“ nimmer g'wusst, wie ich mich aus dem Loch herausbringe."

Beim DSV, gab Maier zu, habe Baumann anfangs wegen der Begleitgeräusche „keiner wirklich haben wollen“, dabei sei der Neue „ein richtig guter Typ“. Baumanns Dank galt dem Verband, der ihm eine neue Chance gegeben hatte, und seinen Teamkollegen. „Das ist echt Bombe“, sagte er über Dreßen und Co., die ihn aufgenommen hätten, „als ob ich schon immer dazugehört hätte. Ich habe das nicht gekannt, im ÖSV herrscht von Kindheit an Konkurrenz.“

Dreßen nimmt die "Watschn" gelassen

Dreßen, der für die Mutprobe Streif das falsche Skimodell gewählt hatte, musste derweil "eine g'scheite Watschn" einstecken, wie Cheftrainer Christian Schwaiger meinte, “aber die werden wir verdauen". Dreßen sagte schulterzuckend: “Mein Gott, lieber mache ich mal einen Fehler, als dass ich grundsätzlich zu langsam bin und hinterherfahre."

Und Maier versicherte, für ihn sei die vermasselte Rückkehr des Siegers von 2018 “kein Problem„. Nach dem Knie-“Totalschaden" befinde sich Dreßen nach wie vor auf dem Weg zurück, “da setzen wir ihn nicht unter Druck".

Mayer zeigt nur bei der Hymne Schwächen

Sieger Matthias Mayer reift dagegen unter dem größten Druck in schöner Regelmäßigkeit zum Supermann. Zehntausende berauschte Österreicher feierten den Olympiasieger in Abfahrt (2014) und Super-G (2018) in der Gamsstadt.

„Cooler wird es nicht“, sagte der 29-Jährige, „die Stimmung, das Flair, der Mythos – man trainiert ein Leben lang für so eine Sache.“ Nur bei der österreichischen Bundeshymne zeigte Mayer Schwächen. "Skifahren kannst du besser als singen“, raunte ihm der Zweitplatzierte Beat Feuz zu.