Tennis

Historisch: Gehörloser gewinnt Match bei ATP-Turnier

Lee Duck Hee ist seit seiner Geburt gehörlos.

Lee Duck Hee ist seit seiner Geburt gehörlos.

Foto: imago images / Golovanov + Kivrin

Lee Duck Hee ist seit seiner Geburt gehörlos. Seine Profipläne nahm kaum jemand ernst. Aber er wollte es allen beweisen.

Winston-Salem. Der südkoreanische Tennisprofi Lee Duck Hee hat als erster Gehörloser ein Match im Hauptfeld eines ATP-Turniers gewonnen. Der 21-Jährige schlug den Schweizer Henri Laaksonen in Winston-Salem (US-Bundesstaat North Carolina) nach einer Regenpause mit 7:6 (7:4), 6:1 und schrieb Geschichte.

Lee ist seit seiner Geburt gehörlos, mit 15 wurde er Profi. „Die Leute haben sich wegen meiner Behinderung über mich lustig gemacht. Sie haben mir gesagt, ich sollte nicht spielen“, erzählte der Weltranglisten-212. nach seinem besonderen Erfolg: „Es war wirklich schwierig, aber meine Freunde und meine Familie haben mir da durchgeholfen. Ich wollte es allen beweisen.“

Lee hat Botschaft an gehörlose Menschen

Dass es schon jetzt geklappt hat, überraschte Lee. „Ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Spiel durchkomme“, sagte er, „ich wollte einfach mein Bestes geben und fokussiert bleiben, jetzt bin ich der Sieger.“ Sein Gegner in der zweiten Runde ist der an Position drei gesetzte Pole Hubert Hurkacz. „Ich werde das Match mit der gleichen Einstellung angehen“, kündigte Lee an.

Das Geräusch, wenn der Ball den Schläger verlässt oder auf dem Boden aufkommt – das alles bekommt Lee Duck Hee nicht mit. Viel Aufsehen darum will er aber nicht machen. „Ich kann den Ball zwar nicht hören, aber dafür spüre ich ihn“, sagte er einmal der „New York Times“. Manchmal sei die Stille sogar gut: „Ich werde nicht so leicht abgelenkt wie andere Spieler.“

Auch wenn Lee meist versucht, wegen seiner Geschichte nicht zu sehr im Mittelpunkt stehen, war der Sieg gegen Laaksonen auch für ihn ein besonderer. Seine Botschaft an alle schwerhörigen Menschen: "Lasst euch nicht entmutigen! Wenn ihr hart dafür arbeitet, könnt ihr alles schaffen." Lob gab es auch vom ehemaligen Weltranglistenersten Andy Murray. „Es ist ein großer Nachteil, nichts zu hören. Das zu tun, was er macht, ist daher eine große Leistung“, sagte der Brite.