Fußball-Überraschung

Kennen Sie Andriamahitsinoro oder Nomenjanahary?

Lalaina Nomenjanahary jubelt nach dem gewonnen Elfmeterschießen gegen den Kongo.

Lalaina Nomenjanahary jubelt nach dem gewonnen Elfmeterschießen gegen den Kongo.

Foto: Reuters

Mit einem Teilzeittrainer und ohne Erwartungen war Madagaskar erstmals beim Afrika-Cup angetreten – und ist dort nun die Sensation.

Köln. Die Namen klingen erstmal nicht nach Erfolgen im Weltfußball, sie scheinen etwas sperrig für die ganz große Bühne. Doch genau dort sind Anicet Andrianantenaina, Charles "Carolus" Andriamahitsinoro und Lalaina Nomenjanahary in diesen Tagen angekommen. In Madagaskars Nationalmannschaft gehört das Trio zu den Besten – und dieses Team der Unbekannten stürmte gerade fast aus dem Nichts ins Viertelfinale des Afrika-Cups in Ägypten.

"Wir erleben hier eine wunderschöne Geschichte und haben schon jetzt Außergewöhnliches erreicht", sagt Nationaltrainer Nicolas Dupuis vor dem Duell mit Tunesien am Donnerstag (21 Uhr/DAZN): "Wir haben unseren ganz eigenen Afrika-Cup längst gewonnen. Es ist wundervoll, dass der madagassische Fußball jetzt international wahrgenommen wird."

Sensation gleich bei der ersten Teilnahme

Schon seit 1947 stellt die riesige Insel im indischen Ozean zwar ein Nationalteam, erst 72 Jahre später nimmt sie nun aber erstmals an einem großen Turnier teil. Schon die Qualifikation war eine große Überraschung, was seither folgte, ist durchaus sensationell.

In der Vorrundengruppe mit dem Mitfavoriten Nigeria (2:0) holte Madagaskar ungeschlagen den ersten Platz, räumte anschließend im Achtelfinale die Demokratische Republik Kongo im Elfmeterschießen (4:2) aus dem Weg.

Das Land steht Kopf, der Fußball liegt brach

Angesichts dieses Erfolges stehe schon jetzt "das ganze Land Kopf", sagt der frühere madagassische Nationalspieler Tony Mamodaly, ein gebürtiger Deutscher, der WAZ: "Der Fußball spielt eine wahnsinnig wichtige Rolle in der Gesellschaft."

Und das, obwohl er in vielen Bereichen brach liegt. Eine Profiliga gibt es nicht, "von Nachwuchsleistungszentren, digitalen Analysetools, Scouting oder Trainingssteuerung ist man Lichtjahre entfernt", sagt Mamodaly.

Die meisten Nationalspieler hätten den Fußball daher auf der Straße gelernt, auf Bolzplätzen, "mit provisorisch zusammengebastelten Bällen aus Plastiktüten". Der Sport war der einzige Ausweg aus der Armut.

Die meisten spielen unterklassig

Für die meisten Spieler des aktuellen Teams führte dieser dann nach Frankreich, ins Land der einstigen Kolonialmacht, und dort spielen sie heute noch überwiegend unterklassig. Einige, wie Andrianantenaina (Ludogorez Rasgrad/Bulgarien) und Andriamahitsinoro (Al-Adalah/Saudi-Arabien), haben erneut den Sprung in ein anderes Land geschafft - einen großen Namen hatte bislang aber noch keiner von ihnen.

Das galt auch für Coach Dupuis. 21 Jahre lang trainierte er den unterklassigen Club Moulins Yzeure Foot in Frankreich, nebenbei arbeitete er als Lehrer. Seit 2017 ist er nun Trainer Madagaskars und betreut nebenbei den französischen Viertligisten FC Fleury – er muss das machen, das Geld von der Insel genügt nicht zum Leben.

"Die Nationalmannschaft funktioniert sehr gut, der Rest in unserem Fußball leider nicht", beschreibt Dupuis die Situation. Wie gut sein Team ist, soll am Donnerstag nun Tunesien erfahren, ein Schwergewicht in Afrika. Doch Madagaskar geht auch in dieses Duell ohne Last. Man hat gerade erst angefangen, sich einen Namen zu machen.