Wimbledon

Kerber-Schock: Titelverteidigerin von Bandagen-Floh düpiert

Nicht zu fassen: Angelique Kerber muss schon nach dem zweiten Wimbledon-Auftritt ihren Traum von der Titelverteidigung begraben.

Nicht zu fassen: Angelique Kerber muss schon nach dem zweiten Wimbledon-Auftritt ihren Traum von der Titelverteidigung begraben.

Foto: Reuters

Deutschlands Nummer eins lässt sich von Lauren Davies überraschen, die nach einem Sturz schon hoffnungslos verloren zu sein schien.

London. Angelique Kerber rannte, schrie und kämpfte, doch am Ende stürzte sie über einen laufstarken Tennis-Floh aus den USA. Die Titelverteidigerin ist beim Grand-Slam-Highlight in Wimbledon völlig überraschend in der zweiten Runde ausgeschieden. Gegen die nur 1,57 m große Lauren Davis unterlag Kerber 6:2, 2:6, 1:6. Letzte deutsche Hoffnungsträger im Rasen-Mekka von London sind damit Julia Görges und Jan-Lennard Struff.

Wunderheilung bei Davis

Auf dem anfangs nur spärlich besetzten kleineren Court Nr. 2 hatte Kerber gegen Davis schon zu Beginn kämpfen müssen. Gleich die ersten beiden Aufschlagspiele gab die Favoritin ab, schaffte allerdings jeweils umgehend das Re-Break. Dann rutschte ihre Gegnerin bei einem Vorstoß ans Netz aus und zog sich dabei vermeintlich eine ernstere Verletzung zu.

Ihr schon vor dem Match mit einem dicken Tapeverband versehenes linkes Knie schien Davis zwischenzeitlich große Probleme zu bereiten. Im ersten Durchgang gewann sie anschließend kein Spiel mehr, beantragte in der Satzpause eine medizinische Auszeit. Danach erfuhr Davis offenbar eine kleine Wunderheilung und wehrte sich wieder nach Kräften.

Die 25-Jährige rannte plötzlich wieder, als hätte es die Verletzungsunterbrechung nie gegeben. Nach zwei weiteren Breaks führte sie mit 3:1. Kerber dagegen haderte zunehmend mit dem eigenen Spiel, schaute mehrfach fragend in die eigene Box zu Trainer Rainer Schüttler. Doch Davis war wie verwandelt und schaffte nach 1:20 Stunden den Satzausgleich.

Auch Kerber nimmt eine Auszeit

Nun war es an Kerber eine Auszeit zu beantragen, die Kielerin verschwand für einige Minuten in der Kabine. Anschließend wirkte sie wieder deutlich fokussierter. "Komm jetzt", schrie sie sich selbst zu: "Weiter, weiter, weiter." Allein: Es half nichts. Kerber war völlig von der Rolle, Davis spielte groß auf. Nach 1:54 Stunden war die Sensation perfekt. "Das bedeutet mir alles", sagte Davis anschließend: "Es ist beinahe surreal."

Letzte deutsche Hoffnungsträgerin ist nun Görges. Die 30-Jährige besiegte die russische Qualifikantin Warwara Flink 6:1, 6:4. Görges hatte von Beginn an das Geschehen dominiert, schlug alleine im ersten Satz sieben Asse. Nun winkte ihr die Neuauflage des Halbfinals aus dem Vorjahr gegen US-Superstar Serena Williams, gegen die sie im Vorjahr in zwei Sätzen verloren hatte.

Struff zieht weiter

Zuvor hatte bei den Männern der Warsteiner Struff seine gute Form bewiesen und wie im Vorjahr die dritte Runde beim Rasen-Major erreicht. Der 29-Jährige bezwang den US-Amerikaner Taylor Fritz, in der Vorwoche Sieger beim Vorbereitungsturnier in Eastbourne, in einem engen Match 6:4, 6:3, 5:7, 7:6 (7:2). "In den ersten beiden Sätzen war es einfach ein sehr gutes Match von mir", sagte er

Nächster Gegner von Struff ist nun der Kasachen Michail Kukuschkin, der Vorjahres-Halbfinalist John Isner (USA/Nr. 9) ausschaltete. Für Laura Siegemund (Metzingen) war das Turnier nach einem 3:6, 5:7 gegen Barbora Strycova aus Tschechien dagegen beendet. Am Dienstag hatte Siegemund durch ein 6:2, 6:4 gegen Katie Swan noch ihren ersten Hauptrundensieg bei dem Rasen-Major überhaupt gefeiert.