Ehemaliger Uefa-Boss

Michel Platini in Paris festgenommen und verhört

Es geht um die WM-Vergabe an Katar und einen möglichen Deal mit PSG. An Platinis Treffen soll auch Nicolas Sarkozy teilgenommen haben.

Paris/Köln. Der ehemalige Uefa-Präsident Michel Platini ist am Dienstag im Rahmen der Korruptionsuntersuchungen im Zuge der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar festgenommen worden. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP unter Verweis auf namentlich nicht genannte Justiz-Quellen.

Laut Medien wird der ehemalige Kapitän der französischen Nationalmannschaft in den Räumlichkeiten der Anti-Korruptions-Abteilung der Kriminalpolizei im Pariser Vorort Nanterre verhört. Es bestehe der Verdacht der "aktiven und passiven Korruption".

Treffen mit Sarkozy und Katar-Vertretern

Nach Informationen der Zeitung Le Monde soll sich der derzeit für alle Fußballaktivitäten gesperrte Platini wegen eines Treffens mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Tamim Bin Hamad Al Thani, Emir von Katar, und Hamad Ben Jassem, damaliger Premierminister Katars, verantworten.

Bei einem Mittagessen am 23. November 2010 im Elysee-Palast in Paris sollen Absprachen über die WM-Vergabe nach Katar getroffen worden sein. Katar sollte den französischen Club Paris St. Germain kaufen, im Gegenzug würde Platini seine Kontakte spielen lassen und für Stimmen bei der WM-Vergabe werben.

Etliche Sperren nach zwei WM-Vergaben

Die WM wurde im Jahr 2010 dann tatsächlich an Katar vergeben, gleichzeitig wurde Russland als WM-Gastgeber 2018 auserkoren. 2011 kaufte sich Katar bei PSG ein. Im Zusammenhang mit den WM-Vergaben wurden immer wieder Korruptionsvorwürfe laut. Viele Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees, das 2010 die Entscheidung pro Russland und Katar traf, sind mittlerweile von der Ethikkommission der Fifa gesperrt worden.

Platinis Sperre läuft im Oktober ab

Platini war 2007 zum Uefa-Präsidenten gewählt und 2015 gesperrt worden - wegen einer dubiosen Zahlung über 1,8 Millionen Euro, die er vom Weltverband Fifa erhalten hatte. Womöglich wegen der Vermittlung im Zuge der WM-Vergabe nach Katar. Wie Platini wurde auch Fifa-Präsident Sepp Blatter zunächst für acht Jahre gesperrt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS reduzierte die Sperre später auf vier Jahre. Sie läuft im Oktober aus. Bereits im Jahr 2017 war Platini als Zeuge befragt worden.