Rudern

Tim Ole Naske greift jetzt im Zweier an

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Der neue deutsche Doppelzweier: der Hamburger Tim Ole Naske (l.) und der Rostocker Stephan Krüger bei der Teampräsentation am Ratzeburger See.

Der neue deutsche Doppelzweier: der Hamburger Tim Ole Naske (l.) und der Rostocker Stephan Krüger bei der Teampräsentation am Ratzeburger See.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Hamburger Ruderer kämpft nach drei Jahren im Einer in der vorolympischen Saison mit Stephan Krüger um ein Ticket für Tokio 2020.

Ratzeburg. Der Weg führt von der Straße Unter den Linden über die Reeperbahn, auf Kopfsteinpflaster vorbei an hübschen Fachwerkhäusern. Im Schatten des Ratzeburger Doms liegt die Akademie des Deutschen Ruderverbands (DRV), und wer vom Ufer, an dem die besten deutschen Skuller regelmäßig ihre Trainingseinheiten starten, den Blick über den Ratzeburger See schweifen lässt, der kann sich kaum dagegen wehren, von einem entspannten Norddeutschland-Urlaub zu träumen.

Am Mittwochmittag jedoch war die Ratzeburger Ruderakademie ein Ort, an dem Träume platzten, ganz offiziell sogar. Marcus Schwarzrock, sportlicher Leiter und Disziplintrainer der Skuller, gab die Namen der sieben Athleten bekannt, die den DRV in der vorolympischen Saison in den drei olympischen Bootsklassen Einer, Doppelzweier und Doppelvierer vertreten dürfen. Und wie das so ist, wenn Trainer Entscheidungen treffen, gab es zwei tief enttäuschte Athleten. Lars Hartig (28/Friedrichstadt) und Timo Piontek (27/Koblenz) hatten in der vergangenen Saison im Doppelzweier den Gesamtweltcup gewonnen und sich deshalb beste Chancen ausgerechnet, in diesem Jahr bei der WM in Linz (Österreich/25. August bis 1. September) um das Ticket für Tokio 2020 kämpfen zu können.

Internes Selektionsrennen

Das können sie zwar – allerdings an der Seite von Max Appel (23/Magdeburg) und Doppelolympiasieger Karl Schulze (31/Berlin) im Vierer. Für den Zweier nominierten die Bundestrainer Schwarzrock und Karsten Timm den Hamburger Tim Ole Naske (23/RG Hansa) und dessen Rostocker Partner Stephan Krüger (30), der für die Frankfurter RG Germania startet. Ausschlaggebend dafür war das interne Selektionsrennen am zweiten Maiwochenende bei der Wedau-Regatta in Duisburg, das Naske/Krüger mit drei Bootslängen Vorsprung gewannen.

„Sie hatten in Duisburg die etwas schlechtere Bahn, Stephan war gesundheitlich angeschlagen, dennoch haben sie klar gewonnen und sich deshalb die Nominierung verdient“, sagte Schwarzrock. Ein Stück Brisanz steckt dennoch in dieser Entscheidung, da der einen Tag später geplante zweite Vergleich wegen der Erkrankung Krügers ausfiel. „Für uns fühlt sich das nicht so klar an, wir können nicht eindeutig sagen, dass wir der schlechtere Zweier sind, weil der zweite Vergleich nicht stattgefunden hat“, sagte Hartig, „aber wir akzeptieren die Entscheidung und nehmen die Herausforderung im Vierer an.“

Bundestrainer kann Frust nachvollziehen

Bundestrainer Timm, der in Duisburg beide Zweier betreute, kann den Frust nachvollziehen. „Lars und Timo haben in der vergangenen Saison Topleistungen gebracht und eigentlich nur dieses eine Rennen verpatzt. Für sie tut es mir sehr leid. Aber wir denken, dass wir mit Tole und Stephan ein sehr interessantes Duo haben, das auch aufgrund seiner individuellen Einer-Leistungsnachweise verdient nominiert ist.“

Tatsächlich hatten Krüger und Naske die Einer-Ausscheidung zwar gegen den überragenden Ingolstädter Oliver Zeidler (22) verloren, der in München trainiert und bei der Präsentation am Mittwoch fehlte. Aber da sie sich hinter dem Senkrechtstarter, der 2016 noch versucht hatte, im Schwimmen zu Olympia nach Rio zu kommen, auf Rang zwei und drei einordneten, hält Naske die Nominierung für gerechtfertigt. Dass er nach drei Jahren im Einer und der WM-Ausbootung im vergangenen Jahr nun im Zweier die Chance erhält, nach Tokio zu rudern, hat er nicht nur akzeptiert. „Ich bin megazufrieden damit und freue mich darauf“, sagt der Jurastudent, der sein Studium für den Sport in den kommenden Monaten auf Sparflamme kocht.

Krüger sitzt erstmals im Bug

Die Umstellung auf einen Partner im Boot sei ihm gar nicht schwergefallen. „Ich war U-19- und U-23-Weltmeister im Doppelzweier, deshalb gab es überhaupt keine Probleme“, sagt er. Krüger ist überzeugt davon, mit Naske ein perfektes Gespann bilden zu können, weil man sich optimal ergänze. „Er ist ein super Ruderer, aber eher der wilde, draufgängerische Typ. Ich bin ruhiger und versuche, ihn mit meiner Erfahrung zu lenken“, sagt er. Vor allem gelte es, den Jüngeren vom Überpacen abzuhalten – ein Vorhaben, das laut Naske bereits Wirkung gezeigt hat. „Ich lerne immer mehr, umsichtig mit meinem Körper umzugehen und ihn auch mal zu schonen.“

Krüger, der neun Saisons im Zweier saß, ehe er seinen Platz im vergangenen Jahr an Hartig/Piontek verlor, sitzt erstmals im Bug, Naske am Schlag. In dieser Formation werden sie, sofern sich keiner verletzt, alle internationalen Saisonhöhepunkte bestreiten. Angefangen mit der EM in Luzern (Schweiz/31. Mai bis 2. Juni) über die Weltcups in Posen (Polen/21. bis 23. Juni) und Rotterdam (Niederlande/12. bis 14. Juli) bis zur WM in Linz. Zu verfolgen ist der Weg der Skuller, der im Optimalfall in Tokio endet, auch in der höchst sehenswerten Internet-Doku von Matthias Wolf (Close Distance Productions) unter sxulls.de.

Torben Johannesen für den Achter gesetzt

Einen Tag nach den Skullern stellen an diesem Donnerstag die Riemenruderer ihren WM-Kader in Dortmund vor. Aus Hamburger Sicht ist Torben Johannesen (24) für den Achter gesetzt, Malte Großmann (23) steht als Ersatzmann bereit. Nicht im Kader ist aktuell Johannesens Bruder Eric (30/alle RC Favorite Hammonia), der mit seinem Zweierpartner Paul Schröter (28/Berlin) allerdings noch die Weltcups in Posen und Rotterdam fahren darf. „Sollten wir dort schneller sein als der nominierte Zweier mit Anton Braun und Marc Leske, dann dürften wir auch die WM fahren. Ansonsten würden wir nicht einmal als Ersatzteam nominiert“, sagte der Achter-Olympiasieger von 2012.