Paris St. Germain

Tuchel geht nach derber Pleite Mbappé und Geldgeber an

PSG-Trainer Thomas Tuchel und sein Star-Ensemble um Weltmeister Kylian Mbappé gingen gegen Lille mit 1:5 unter.

PSG-Trainer Thomas Tuchel und sein Star-Ensemble um Weltmeister Kylian Mbappé gingen gegen Lille mit 1:5 unter.

Foto: Imago/PanoramiC

Statt endlich die französische Meisterschaft zu feiern, erlebte das Team des deutschen Trainers eine historisch anmutende Demütigung.

Paris/Hamburg. Thomas Tuchel war völlig bedient. Der Trainer von Paris St. Germain stapfte in den Katakomben kopfschüttelnd auf Clubchef Nasser al-Khelaifi zu, packte dem Geldgeber unwirsch an den Schal und redete nach der historischen 1:5-Demütigung seines Teams im Topspiel bei Verfolger OSC Lille mit erhobenen Zeigefinger auf ihn ein. Wenig später verschaffte Tuchel seinem Ärger öffentlich Luft.

"Wir haben keine Spieler", moserte Tuchel nach dem zweiten vergebenen Meister-Matchball. Das sei "offensichtlich, aber niemand spricht darüber, weil wir gewinnen". Der frühere Bundesliga-Coach sprach leise, doch seine Worte waren mit Bedacht gewählt – und enthielten jede Menge Sprengstoff.

PSG-Kaderzoff schwelt seit Monaten

Es war weniger die (Nicht-)Leistung seiner hoch bezahlten Stars, die Tuchel nach der höchsten PSG-Pleite in der französischen Meisterschaft seit 19 Jahren auf die Palme brachte, sondern vielmehr die angespannte Personalsituation des Hauptstadtclubs mit Verletzten wie Neymar, Edinson Cavani oder Angel Di Maria.

Statt der vorzeitigen Titelparty erreichte der seit Monaten schwelende Kaderzoff an der Seine einen neuen Höhepunkt. "Ich hatte zum zehnten Mal in dieser Saison nur 15 Spieler auf dem Spielbericht. Es ist unmöglich, so zu arbeiten", sagte Tuchel, dessen Ausführungen getrost als Vorwurf an die Pariser Clubführung um Scheich al-Khelaifi interpretiert werden dürfen, und kündigte eine "ehrliche Analyse" mit Sportdirektor Antero Henrique an.

Tuchel beklagt sich wegen Rabiot und Diarra

Die PSG-Bosse hatten vor der Saison zwar mehr als 200 Millionen Euro für neue Profis ausgegeben, doch dem Ex-BVB-Coach sowohl im Sommer als auch im Winter nicht dessen Transferwünsche erfüllt. Zudem war Mittelfeldstar Adrien Rabiot von den Vereinsoberen aussortiert worden, weil er seinen Vertrag in Paris nicht verlängert. "Ich vermisse Rabiot und Lassana Diarra, das werde ich dem Präsidenten sagen", sagte Tuchel nun.

Für Paris war es die höchste Pflichtspielniederlage seit dem denkwürdigen 1:6 im Champions-League-Achtelfinale beim FC Barcelona im März 2017. Und für Tuchel die bislang bitterste Stunde in Paris nach dem Königsklassen-Aus gegen Manchester United. "Wir werden zwar Meister, aber so darf man nicht verlieren", meckerte Weltmeister Kylian Mbappé, "das ist eine Frage der fehlenden Persönlichkeit, wenn man drei, vier oder fünf Gegentore bekommt. Dass man verliert, passiert, aber das war nicht normal."

Tuchel kontert Mbappé-Aussagen

Tuchel wollte die Kollegenschelte seines Stürmerstars aber nicht gelten lassen. "Ich bin mit seinen Aussagen nicht einverstanden", sagte der 45-Jährige. Sein Team habe bis zum Lille-Spiel "eine außergewöhnliche Mentalität" gezeigt, "aber jetzt ist es zu viel".

Anstatt seine Spieler nach der zweiten Saisonniederlage öffentlich anzuzählen, wies Tuchel lieber darauf hin, dass Nationalspieler Thilo Kehrer nach den Verletzungen von Kapitän Thiago Silva und Thomas Meunier trotz Krankheit eingewechselt werden musste.

Trotz der zweiten Saisonniederlage liegt Paris sechs Spieltage vor Saisonende weiter komfortable 17 Punkte vor Lille. In der Nachholpartie beim FC Nantes am Mittwoch hat der Scheich-Klub den nächsten Matchball. "Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wer in Nantes spielen kann", sagte Tuchel: "Wir werden 13 oder 14 Spieler haben."