Skirennläuferin

Lindsey Vonn weint und spricht vom sofortigen Rücktritt

Die US-Amerikanerin Lindsey Vonn winkt im Ziel mit einem großen Blumenstrauß. War es ihr letztes Rennen?

Die US-Amerikanerin Lindsey Vonn winkt im Ziel mit einem großen Blumenstrauß. War es ihr letztes Rennen?

Foto: Giovanni Auletta / dpa

Das Knie! „Die Schmerzen sind zu groß“, sagt Vonn unter Tränen. Ihr letzter großer Traum bleibt wohl Utopie.

Cortina d’Ampezzo. Lindsey Vonn konnte die Tränen nach dem vielleicht letzten Rennen ihrer einmaligen Karriere nicht zurückhalten. Die schlimmen Schmerzen im Knie, das emotionale „Arrivederci“ von Cortina d’Ampezzo, die unerschütterliche Zuneigung der Fans und ihrer Kolleginnen – das alles war einfach zu viel für sie. War es wirklich schon der Abschied für immer? Vonn hatte selbst keine wirklich befriedigende Antwort.

„Ich muss noch überlegen, ob es nicht überhaupt das letzte Rennen war“, sagte die 34-Jährige am Sonntag nach dem Super-G auf der „Olimpia delle Tofane“ im ORF. Wie bitte? Bislang hatte Vonn geplant, erst am Saisonende im März zurückzutreten, allerdings klagte sie in den Dolomiten erneut über größere gesundheitliche Probleme: „Ich weiß nicht, was ich noch machen soll, die Schmerzen im Knie sind zu groß.“ Es geht nicht mehr.

Will sie es am kommenden Wochenende in Garmisch-Partenkirchen nicht doch noch einmal versuchen? „Ich muss noch schauen, ich habe viele Schmerzen gehabt in dieser Woche - mehr als ich gedacht habe“, sagte Vonn in der ARD, „ich muss überlegen, was der nächste Schritt ist.“

Lindsey Vonn kam nicht ins Ziel

Vonn kam beim Super-G, ihrem 395. Start im Weltcup, nicht ins Ziel. In den beiden Abfahrten hatte die langjährige „Speed Queen“ die für sie enttäuschenden Ränge 15 und neun belegt. Dabei hatte die 34 Jahre alte Abfahrtsolympiasiegerin von 2010 nach ihrer erneuten Knieverletzung im November so aufopferungsvoll für ihr Comeback gekämpft – immer das letzte große Ziel vor Augen, den Siegrekord des legendären Schweden Ingemar Stenmark (86 Erfolge) zu knacken. Vier Siege fehlen ihr noch - bei ihrer Weltcup-Rückkehr in Cortina musste sie einsehen, dass ihr Traum wohl Utopie bleiben wird.

„Ich habe vorher nicht gewusst, wie es hier laufen wird, ob ich happy sein werde oder traurig“, sagte Vonn, dann unterbrach sie sich selbst und weinte wieder. „Ich liebe den Skisport“, fügte sie schluchzend an, „und ich bin traurig, dass ich nicht weiterfahren kann. Aber so ist das Leben. Es ist schwierig.“

Vonns Körper streikt

Schon vor ihrem letzten Wochenende in Cortina, wo sie zwölf ihrer 82 Siege holte, hatte die Amerikanerin über den nahenden Abschied gesprochen. „Schade, dass ich nicht noch einige Jahre fahren kann“, sagte sie, „es fehlt nicht an Motivation, Hingabe oder Willen, es fehlt an Knorpel. Mein Körper sagt mir: Es ist genug!“ Sie wolle eines Tages „mit meinen Kindern ohne Schmerzen Skifahren“, deshalb müsse sie bald aufhören: „Es gibt ein Leben nach dem Sport.“

Olympiasieg, zwei WM-Titel, sieben weitere Medaillen, 20 Kristallkugeln, vier für den Gesamtweltcup – auch ohne eine neue Bestmarke „ist meine Karriere unglaublich und mehr, als ich mir je erträumt hatte“, hatte Vonn erst am Mittwoch betont. Die neue „Schneekönigin“ Mikaela Shiffrin, die nach ihrem Super-G-Sieg von einem „Generationswechsel“ sprach, betonte: „Wir werden Lindseys Vermächtnis auch lange nach dem Ende ihrer Karriere spüren. Für sie ist es ein Erfolg, egal, wie es ausgeht.“ Auch ohne Happy End.