„Ally Pally“

Van Gerwens Machtdemonstration bei der Darts-WM in London

Der Niederländer Michael van Gerwen gewann 2014 und 2017 die PDC-WM.

Der Niederländer Michael van Gerwen gewann 2014 und 2017 die PDC-WM.

Foto: John Walton / dpa

Unbeeindruckt vom Favoritensterben haben der niederländische Topstar und auch Gary Anderson das Viertelfinale erreicht.

London.  Michael van Gerwen riss die Augen weit auf, stieß einen lauten Jubelschrei aus und reckte der tobenden Menge im „Ally Pally“ euphorisch die Faust entgegen. Spätestens da war klar: Das souveräne 4:1 gegen den zweimaligen Weltmeister Adrian Lewis bedeutete mehr als nur den Einzug ins Viertelfinale der Darts-WM – es war eine gewaltige Kampfansage des Dominators der vergangenen Jahre an die Konkurrenz. „Ich habe ihnen ein Signal gesendet: Wer mich schlagen will, muss richtig gut spielen“, tönte der Weltranglistenerste bei Sport1: „Als ich es musste, habe ich phänomenal gespielt.“

Das Duell mit dem Engländer war der erste echte Härtetest für „The Green Machine“ auf der Jagd nach dem dritten Titel, und van Gerwen bestand ihn mit Bravour. „Michael war fantastisch, er hat gezeigt, warum er die Nummer eins ist“, gratulierte der chancenlose Lewis. Die durchschnittlich 108,8 Punkte pro Aufnahme markierten den Bestwert des Turniers. Während sich ein Titelanwärter nach dem anderen schon früh aus dem Turnier verabschiedete, gibt sich van Gerwen keine Blöße.

Vergessen scheint dabei die maue WM-Vorbereitung. Im Vorfeld des Saisonhöhepunkts musste er einige überraschende Niederlagen hinnehmen, ohne Titel bei den letzten vier Major-Turnieren vor der WM reiste er nach London - zuletzt war dies 2012 passiert. Doch im „Ally Pally“ ist van Gerwen wieder voll da. „Ich fühle mich gut, aber ich denke, es ist noch mehr im Tank“, warnte er seine Gegner hinterher.

Anderson macht’s wie ein Champion

So weit läuft für van Gerwen alles nach Plan. Vor der WM tippte er im niederländischen Fernsehen den Turnierverlauf durch: Weltmeister, na klar, wird demnach natürlich er selbst. Auf dem Weg zum dritten Titel sagte er ein Halbfinale mit seinem großer Widersacher Gary Anderson voraus. Dies ist nach dem Viertelfinaleinzug des Schotten immer noch möglich, auch wenn dieser dem nächsten Favoritensturz nur knapp entging.

Wie schon in Runde drei gegen den Niederländer Jermaine Wattimena musste Anderson, den zudem Rückenprobleme plagen, auch beim 4:3 gegen den furios aufspielenden Engländer Chris Dobey über die volle Distanz. Aber erneut bewies der Weltmeister von 2015 und 2016 im Entscheidungssatz die Nervenstärke eines Champions.

Bevor es in der Vorschlussrunde möglicherweise zum vorweggenommenen Finale zwischen dem „Flying Scotsman“ und „Mighty Mike“ kommt, steht van Gerwen im Viertelfinale am Sonnabend noch ein Duell mit Ryan Joyce oder Europameister James Wade bevor. Anderson muss Jamie Lewis oder Dave Chisnall aus dem Weg räumen.