Champions League

Thomas Müller ist beim FC Bayern München nicht mehr gesetzt

Thomas Müller (r.), hier mit Manuel Neuer, ist beim FC Bayern öfter zweite Wahl als gewohnt.

Thomas Müller (r.), hier mit Manuel Neuer, ist beim FC Bayern öfter zweite Wahl als gewohnt.

Foto: firo

Thomas Müller scheint seinen Status als unentbehrlicher Raumdeuter zunehmend zu verlieren, in München wie bei der Nationalelf.

Athen. Wenn man es positiv sehen wollte, und das versuchte Thomas Müller, dann hatte die Dienstreise zu AEK Athen für ihn schon zwei Tage vor dem eigentlichen Abflug am Montag begonnen. Der Weltmeister ahnte bereits am Samstagnachmittag nach dem 3:1-Sieg des FC Bayern beim VfL Wolfsburg, dass er die Maschine für den Flug in Griechenlands Hauptstadt mit einem ziemlich sicheren Auftrag besteigen wird. Wie Jérôme Boateng und Franck Ribéry hatte er ja einen von Untätigkeit geprägten Ausflug an den Mittellandkanal hinter sich, weil er wie die beiden Kollegen 90 Minuten auf der Bank verbracht hatte. Doch genau deshalb darf Müller wegen des bisherigen Rotationsmusters seines Trainers Niko Kovac annehmen, an diesem Dienstag am Fuße der Akropolis im Olympiastadion gegen Griechenlands Meister wieder gefragt zu sein.

Auch Löw setzt Müller auf die Bank

Übergeordnet allerdings muss sich Müller vermutlich schon viel Mühe geben, seinen voraussichtlichen Einsatz im dritten Gruppenspiel der Champions League als gute Nachricht umzudeuten. Denn was lange Zeit eine Selbstverständlichkeit gewesen wäre, trägt mittlerweile ungewisse Züge. Wie in Wolfsburg saß Müller auch bei der Nationalmannschaft zuletzt bei der 1:2-Niederlage in Frankreich über fast die gesamte Spieldauer auf der Bank. Erst in der 88. Minute wurde er von Bundestrainer Joachim Löw als letzte Option für seinen Bayern-Kollegen Serge Gnabry eingewechselt, der zunächst den Vorzug erhalten hatte und auch von Kovac in Wolfsburg von Beginn an aufgeboten wurde. „Wir haben im Moment 17 gesunde Spieler, ich habe mich für die beiden entschieden“, sagte Kovac über Gnabry und James Rodríguez, die statt Ribéry und Müller starteten. In Bezug auf die langjährigen Leistungsträger auf der Bank ergänzte Kovac knapp: „In den nächsten Wochen werden sicherlich die anderen auch ihre Möglichkeiten bekommen.“

Für Müller war das ein ernüchternder Satz, der für seine Profilaufbahn gar nicht vorgesehen zu sein schien. Ein Jahr nach seinem Debüt am 15. August 2008 beim 2:2 gegen den Hamburger SV unter dem damaligen Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann übernahm Louis van Gaal die Anleitung der Münchner Kicker und legte alsbald fest: „Müller spielt immer.“ Doch mittlerweile scheint diese lange Zeit gültige Gesetzgebung des einstigen Förderers eher in Richtung „Müller spielt nimmer“ zu tendieren.

Unter Jupp Heynckes, Pep Guardiola und wieder Heynckes konnte sich Müller trotz seines ersten markanten Leistungsknicks bei und nach der EM 2016 seines Status‘ als unverzichtbarer Raumdeuter zunächst sicher sein, auch bei Löw. Als Carlo Ancelotti die Münchner nach Guardiola trainierte, musste Müller schon öfter mit der ungewohnten Bankrolle Vorlieb nehmen. Vor der vergangenen Spielzeit hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Müller schon einmal angezählt, als er sagte, „er wird eine stärkere Saison hinlegen müssen“.

Das könnte nun erneut gelten, doch Müller fällt die Rolle als Wechselspieler in der DFB-Auswahl und unter Kovac vermehrt zu, wenngleich dieser jüngst sagte: „Thomas wird nicht richtig wahrgenommen. Er ist sehr vielseitig, für die Gegner nicht greifbar. Er will überall helfen, tut unheimlich viel für die Mannschaft – außerhalb und auf dem Platz.“ Dennoch blieb Müller unter dem neuen Trainer in Wolfsburg sogar erstmals 90 Minuten lang unberücksichtigt, obwohl James nach seiner strapaziösen Länderspielreise mit Kolumbien in die USA erst am Freitag wieder ins Training eingestiegen war. In der gesamten Vorsaison unter Heynckes hatte Müller nur in der Schlussphase einmal 90 Minuten auf der Bank erlebt, als die Bayern bei Eintracht Frankfurt und Kovac antraten.

Müller ist seit sechs Spielen ohne Torbeteiligung

Auch vor Wolfsburg war Müller zuletzt nur noch im Teilzeitdienst gefragt. Bei Hertha BSC wurde er in der zweiten Hälfte eingewechselt, gegen Borussia Mönchengladbach musste er nach der ersten Hälfte als Erster für Gnabry weichen. Zudem blieb der 29 Jahre alte Offensivspieler in den vergangenen sechs Spielen ohne Torbeteiligung. Und das nach Müllers starkem Saisonstart, aus dem zwei Tore und drei Vorlagen nach nun zwölf Pflichtspielen in seiner Zwischenbilanz stehen – für seine Verhältnisse ein eher unterdurchschnittlicher Wert.

In Athen soll dieser aus Müllers Sicht bestenfalls aufgebessert werden und einen nachhaltigen Beitrag dazu leisten, dass sich die jüngste Krisenstimmung bei den Bayern weiter verflüchtigt. „Wir müssen schauen, dass wir die Einheit, die wir sein wollen, auch ausstrahlen“, sagte Müller vor der Abreise nach Athen und betonte in Bezug auf seine vermehrte Rolle als Wechselspieler, „keine negativen Stimmen“ liefern zu wollen. Positiv bleiben – für Müller gilt das ganz besonders.