Interview

Gina Lückenkemper: „Ich brauche auch mal Zeit für mich“

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Gina Lückenkemper hat über 100 Meter bei der Leichtathletik-EM die Silbermedaille gewonnen. Hier reagiert sie auf Stichworte.

Berlin. Gina Lückenkemper hat es sich auf einem großen Sitzsack bequem gemacht. Ihr Sponsor Adidas hat mitten in Berlin eine kleine Oase eingerichtet, in der sich die Sportler vom Stress der Leichtathletik-Europameisterschaft erholen können. Gina Lückenkemper kommt das wohl gerade recht. Nach dem Gewinn ihrer EM-Silbermedaille eilte sie von Termin zu Termin. „Seit ich ins Ziel gekommen bin, habe ich die ganze Zeit geredet“, sagt sie. Die 21-Jährige Soesterin vom TSV Bayer Leverkusen hat wahrlich genug Fragen beantwortet. Geben wir ihr also die Chance, zu gewissen Reizwörtern nur noch das zu sagen, was sie sagen möchte.

Frau Lückenkemper, fangen wir mit dem ersten Stichwort an: Breitscheidplatz.

Gina Lückenkemper: Die Stimmung bei der Medaillenübergabe war super. Ich war wirklich überrascht, wie voll es war. Obwohl es spät am Abend war, haben die Leute gute Stimmung gemacht.

Nun haben wir eine kleine Entscheidung für Sie: Haase oder Igel?

Gina Lückenkemper: Haase. Rebekka Haase und ich sind Zimmerkolleginnen seit langer Zeit und beste Freundinnen. Sie startet am Freitag über 200 Meter. Ich weiß noch nicht, ob ich es dorthin schaffe. Es ist momentan für mich schwierig, mich im Olympiastadion zu bewegen.

Stichwort Autogramme.

Gina Lückenkemper: Leider konnte ich bisher nicht sehr viele schreiben. Immer wenn ich im Stadion war, war ich im Stress, musste schnell von A nach B. Und zwischendurch brauche ich auch mal eine Sekunde für mich – sonst drehe ich endgültig am Rad. Das tut mir auch echt leid, wenn ich an allen vorbeigehe. Ich fühle mich die ganze Zeit wie ein schlechter Mensch. Gerade bei den Kindern. Aber es ist ein gutes Zeichen, dass so viele Kinder hier sind. Ich hoffe, dass wir wieder etwas mehr Schwung in die Leichtathletik bekommen.

Stichwort Vorbild.

Gina Lückenkemper: Ich habe keines. Aber viele Leute sagen, ich sei eins. Das ist eine Rolle, die ich so annehme, die mich ehrt, die ich mir früher aber nie vorgenommen habe.

Wieder eine Entscheidung: 100 oder 200 Meter?

Gina Lückenkemper: Da kann ich mich nicht entscheiden. Ich möchte beides laufen. Dieses Jahr hat es leider wegen mehrerer Umstände nicht geklappt.

Gratulationen.

Gina Lückenkemper: Davon gab es sehr viele. Mir am wichtigsten ist das, was ich von meinem Umfeld mitbekomme. Von meiner Familie, von meinem Freund. Die sagen mir auch, wenn was nicht so cool war. Dafür bin ich aber auch sehr dankbar. Ich hasse es, wenn Leute nicht ehrlich sind. Ich will selbst ein ehrlicher Mensch sein und sage auch meine Meinung.

Berliner oder Ruhrgebiets-Currywurst?

Gina Lückenkemper: Ruhrgebiets-Currywurst – weil sie einfach besser schmeckt. Ich hatte abends nach meinem 100-Meter-Lauf eine richtig gute – aber das war auch keine echte Berliner. Und sie war meine erste Mahlzeit seit 14 Uhr.

Zurück zum Sport: Tokio 2020.

Gina Lückenkemper: Ja, die nächsten Olympischen Spiele. Sie sind auf jeden Fall das Ziel. Ich hoffe, dass ich es in Tokio schaffe, im Einzel im Finale zu stehen. Ich denke, wenn ich mich so weiterentwickle und meine Zeiten stabiler werden, dass dann einiges möglich ist.

Zopf oder Dutt?

Gina Lückenkemper: Nach Lust und Laune. Momentan eher der Dutt, vergangenes Jahr bin ich mehr mit Zopf gelaufen. Aber bei den Temperaturen ist der Dutt angenehmer.

10,81 Sekunden, der deutsche 100-Meter-Rekord.

Gina Lückenkemper: Ich habe keine Ahnung, wie schnell ich irgendwann mal rennen kann. Wer weiß, vielleicht geht es mal in die Richtung. Es kann aber auch sein, dass bei mir bei einer 10,90 Schluss ist.

Staffel.

Gina Lückenkemper: Ich werde mich jetzt voll und ganz darauf konzentrieren. Es geht bis Sonntag darum, sich zu sammeln. Eine Medaille bleibt das Ziel. Ich bin echt gespannt.