Hamburg

Die einsame Entscheidung des Joachim Löw

Joachim Löw

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images,

Joachim Löw Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images,

Nach dem WM-Aus hat sich der Bundestrainer nach Freiburg zurückgezogen. Neue Details zu den Problemen in der Mannschaft.

Hamburg.  Um zu verstehen, wer jetzt über die Zukunft von Joachim Löw entscheidet, muss man wissen, was sich in Kasan in der Nacht auf Donnerstag abgespielt hat. Kurz nachdem der Bundestrainer mit der Nationalelf gegen Südkorea 0:2 verloren hatte. ging DFB-Präsident Reinhard Grindel zu Löw, nahm ihn zur Seite und sagte: „Ich zweifle nicht an Ihnen.“

Löw ist nach der harten Landung von Kasan am Donnerstag in Frankfurt aus einem Flugzeug gestiegen. Er hat sich in ein schwarzes Auto gesetzt und wurde nach Hause gefahren. In seinem Haus in Freiburg wird der 58-Jährige die nächsten Tage verbringen. Er wird dort die einsame Entscheidung treffen, ob er nach 14 Jahren beim DFB Schluss macht. Die tragenden Personen beim Verband stehen weiter hinter ihm.

Es werden nun schon allerhand Kandidaten gehandelt, die Löw nachfolgen könnten (Jürgen Klinsmann, U-21-Trainer Stefan Kuntz, Allesretter Horst Hrubesch, Arsenal-Legende Arsène Wenger). Aber es könnte auch so kommen, dass beim ersten Post-WM-Länderspiel gegen Frankreich (6.9. in München/Nations League) der Bundestrainer immer noch Löw heißen wird. Allerdings nur dann, wenn dieser in seiner Entscheidungsfindungsphase zur Überzeugung kommt, dass er die bei der WM passierten Versäumnisse aufarbeiten kann.

Khedira soll selbst um seine Herausnahme gebeten haben

Die intern bisher skizzierten Gründe für den Neubeginn lauten unter anderem so: ein verpasster Umbruch, viele Einzelprobleme, aber auch die Schwäche der Bundesliga. Löw hatte sich nicht getraut, die Transformation der Mannschaft von den Weltmeistern um Jerome Boateng, Thomas Müller und Sami Khedira hin zu den Confed-Cup-Siegern um Niklas Süle, Julian Brandt und Leon Goretzka viel radikaler voranzutreiben. Das fiel ihm zum Beispiel im Fall Khediras auf die Füße. Der 31-Jährige soll nach seinem desolaten Auftaktspiel gegen Mexiko (0:1) selbst bei Löw darum geben haben, in der zweiten Partie gegen Schweden (2:1) einen anderen spielen zu lassen.

Die jungen Spieler übrigens erhoben bei dieser WM bereits ihre Stimme: Joshua Kimmich (23), der einer der Anführer beim Confed-Cup-Sieg 2017 war, soll in der Aussprache nach dem Mexiko-Spiel kritisiert haben: „Es rennen nicht alle!“ Er wurde nicht ausreichend gehört. Wenn Löw weiter machen sollte, dann weil er glaubt, den verpassten Umbruch jetzt radikal einleiten zu können.

Die vielen Einzelprobleme, die vor allem die Bayern-Spieler wie Müller, Boateng (kam aus einer Verletzungspause) und Mats Hummels mit sich herumschleppten, konnte Löw nicht lösen. Er erkannte allerdings schon die Warnsignale, die zum Beispiel das verlorene DFB-Pokalfinale des FC Bayern gegen Frankfurt (1:3) gesendet hatte. Die Münchner mit der potenziellen Nationalelf-Abwehr um Hummels, Süle und Kimmich kassierten da gegen die Eintracht ein Gegentor durch Ante Rebic nach einem Konter, das bei der WM dann fast identisch so gegen Mexiko fiel.

In der Schwäche der Nationalelf spiegelt sich auch die Schwäche der nationalen Liga wider. Die wenigen Eins-gegen-eins-Situationen, die fehlenden Rhythmuswechsel und das im Vergleich zur englischen Premier League geringe Tempo, das man in der Bundesliga sah – all das zeigte nun auch die DFB-Elf. Nimmt man die WM-Partie Belgien gegen England (1:0), dann standen da in beiden Kadern 35 von insgesamt 46 Spielern, die bei Topclubs in England spielen. Bei den Deutschen waren es mit Antonio Rüdiger, Ilkay Gündogan und Mesut Özil nur drei.

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