Kiel

Mit dem perfekten Wurf zur Medaille bei den Special Olympics

Taner Erkilic bei den Special Olympics: Der Basketballer aus Hagen nimmt bereits zum vierten Mal an den Wettbewerben teil

Taner Erkilic bei den Special Olympics: Der Basketballer aus Hagen nimmt bereits zum vierten Mal an den Wettbewerben teil

Foto: Frank Molter / dpa

Basketballer Taner Erkilic ist einer von 4600 Athleten bei den Special Olympics für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung.

Kiel. Die ersten Buchstaben lugen leicht unter dem T-Shirt hervor. „There is nothing impossible“ (Nichts ist unmöglich) hat sich Taner Erkilic auf den rechten Oberarm tätowieren lassen. „Das ist quasi mein kleines Lebensmotto“, sagt der 23-Jährige. Mit seinem Basketball-Team will der Hagener in dieser Woche bei den Special Olympics in Kiel eine Medaille gewinnen.

Noch bis einschließlich Freitag wetteifern bei den nationalen Sportspielen für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung rund 4600 Athleten in 19 Sportarten um den Sieg. Unter dem Motto „Gemeinsam stark“ gehen dabei in 16 Disziplinen auch behinderte und nichtbehinderte Sportler zusammen an den Start. Taner Erkilic spielt in einer dieser Mannschaften. Das Motto gefällt ihm. „Es geht ja darum, dass wir gemeinsam ein Team sind.“

Die Atmosphäre ist von Herzlichkeit geprägt

Ein vermindertes Hörvermögen ist Taners Handicap, ausgelöst vermutlich durch eine Mittelohr-Entzündung im Kindesalter. Der Nordrhein-Westfale braucht deshalb ein Hörgerät. „Außerdem verschlucke ich die Wörter ein bisschen“, sagt er. Durch die Sprachtherapie sei dies aber wesentlich besser geworden. Beim Basketball spielt das ohnehin keine Rolle. Seit sieben Jahren jagt er beim TSV Hagen 1860 dem Ball hinterher, meist steht der 1,85 Meter große Sportler als Center unter dem Korb. „Denn ich bin ja breit.“

In der Kieler Hein-Dahlinger-Halle treten die Basketballer an diesem Tag zu Vorentscheidungs-Spielen an. Eine Umarmung hier, ein freundliches Winken dort. Die Atmosphäre auf und abseits der Spielfelder ist von Herzlichkeit geprägt. „Diese Ehrlichkeit und Offenheit hat mich von Anfang an gefesselt“, sagt Hallensprecher Rainer Grebert. Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich der 72-Jährige aus Essen bei den Special Olympics. Er bewundert die Fairness, mit der die Sportler sich gegenübertreten. „Offensichtliche und bösartige Fouls gibt es nicht.“

Dabeisein in Kiel ist nicht alles

Und doch ist Dabeisein auch in Kiel nicht alles. „Wir wollen jetzt wieder Gold holen“, sagt Taner Erkilic mit einem Lächeln im Gesicht. Bereits zum vierten Mal nimmt er an den Spielen teil. Zweimal kehrte er mit Gold zurück nach Hause. Zuletzt 2016 in Hannover gewann er Silber. „Einmal Silber reicht.“ Allerdings solle das „nicht hochnäsig“ rüberkommen, wie er betont.

Ihre Trainingsintensität haben die Hagener in der Vorbereitung für Kiel deshalb erhöht. „Wir arbeiten hart“, sagt der 23-Jährige. Der Trainer verlange Einsatzbereitschaft. „Wenn er merkt, dass einer keine großartige Motivation zeigt, muss er vom Feld runter.“ Fehler passierten halt. „Denn man ist nicht immer perfekt.“ Gleiches gelte für die Partner, wie die Mitspieler ohne Behinderung genannt werden. Auch die hätten ihre kleinen Schwierigkeiten.

„Ich möchte nicht gern auf Kosten des Staats leben“

Vorbilder aus seiner Sportart hat der Schalke-Fan nicht. „Ich mag den Sport, aber verfolgen tue ich das nicht sonderlich.“ In Kiel stehen für den Basketballer noch vier Spiele auf dem Plan. Insgesamt 28 Basketball-Mannschaft spielen bis Freitag in verschiedenen Gruppe um Medaillen.

Die nächsten Ziele sind bereits gesteckt: Nach seiner Rückkehr nach Hagen hofft Erkilic auf einen Minijob in einem Bekleidungsgeschäft. „Ich möchte nicht gern auf Kosten des Staats leben.“ Sollte das alles gut klappen, will Taner neben seiner Sprachtherapie eine Abendschule besuchen.

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