Valencia

„Wir werden gegen die Reform stimmen“

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Der deutsche Tennis-Bund widersetzt sich internationalen Plänen, den Daviscup neu zu gestalten

Valencia. Die Worte, die Michael Kohlmann nach dem verlorenen Viertelfinale in Spanien an den Präsidenten des Tennisweltverbands ITF richtete, waren unmissverständlich. „Genau das ist es, was diesen Wettbewerb so besonders macht: dass Spieler wie Tim Pütz die Chance haben, auf großer Bühne zu glänzen. Das ist Daviscup! Schöne Grüße an David Haggerty“, sagte der Teamchef der deutschen Daviscup-Herren. 4:40 Stunden hatten sich am Sonnabend Spaniens French-Open-Sieger Feliciano und Marc Lopez mit dem deutschen Doppel Jan-Lennard Struff und Pütz bekämpft, angepeitscht von 7000 Fans in Valencias Stierkampfarena, bis der Fünfsatzsieg der Gäste feststand.

Geht es nach Haggerty und der ITF, wird es Momente wie diese von 2019 an nicht mehr geben. Der Weltverband plant, das Format des traditionsreichen Teamwettkampfs mit Heim- und Auswärtsspielen über vier Wochenenden bis zum Titelgewinn durch eine einwöchige Veranstaltung im November an einem neutralen Ort zu ersetzen, bei der der Daviscup in einem deutlich komprimierten Format ausgespielt werden soll. Nur noch zwei statt maximal vier Einzel, dazu ein Doppel, nur noch zwei statt drei Gewinnsätze – das sind die Zutaten, die helfen sollen, wieder mehr Topspieler von der Teilnahme an dem Länderwettkampf zu überzeugen. Außerdem soll das Preisgeld für die Spieler deutlich erhöht werden, die aktuell für den Start für ihre Nationen von ihren Verbänden unterschiedlich entlohnt werden, auf jeden Fall aber deutlich unter dem Niveau von normalen Turnierstarts.

Möglich machen soll das eine Partnerschaft mit der Investmentgruppe Kosmos, die von Fußballstar Gerard Piqué (31/FC Barcelona) geführt wird und über 25 Jahre rund drei Milliarden Dollar investieren möchte. Piqué stellte seine Pläne am Rande des Daviscup-Duells in Valencia auch einer deutschen Delegation vor, zu der Dirk Hordorff zählte. Der Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Tennis-Bunds (DTB) bleibt dennoch skeptisch. „Uns stört vor allem, dass ein funktionierender Wett­bewerb, der durch sein System der Heim- und Auswärtsspiele ein Alleinstellungsmerkmal bietet, für eine Showveranstaltung an einem Ort geopfert werden soll“, sagt Hordorff.

Auch DTB-Präsident Ulrich Klaus schließt sich dieser Meinung an. Er sagt: „Dieses Viertelfinale in Valencia hat gezeigt, wofür der Daviscup immer noch steht: für Emotionen, eine einzigartige Atmosphäre und spannende Matches, über die man noch in vielen Jahren sprechen wird. So etwas wird das von der ITF angestrebte Format nicht bieten können. Deshalb braucht der Wettbewerb keine radikale Reform, die das alles kaputt macht.“

Unstrittig sei, dass der Daviscup Reformbedarf habe. Eine Komprimierung auf zwei statt drei Tage, so wie es im Damen-Pendant Fedcup gehandhabt wird, sei ebenso bedenkenswert wie eine Verkürzung der Matches von drei auf zwei Gewinnsätze. Darüber solle auf der nächsten ITF-Generalversammlung im Spätsommer in Orlando (US-Bundesstaat Florida) diskutiert werden.

Haggertys Pläne für die völlige Neugestaltung bedürfen dort immerhin einer Zweidrittelmehrheit. Den DTB darf der Präsident nicht zu seinen Unterstützern zählen. „Unter dem Eindruck unseres Viertelfinales in Spanien kann ich sagen, dass es für die Position des DTB, der auch viele Spieler und andere große Verbände zustimmen, gute Argumente gibt. Wir werden deshalb gegen die Reform stimmen“, kündigt Hordorff an. (bj)

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