Hamburg

Sportlicher Misserfolg gefährdet den Spielbetrieb

Nach fünf Pleiten in Serie müssen die Zweitligafrauen des Volleyball-Teams Hamburg um die Zukunft fürchten

Hamburg. Im Sommer, als Volker Stuhrmann das Saisonziel für die Zweitligafrauen des Volleyball-Teams Hamburg ausgab, schien Bescheidenheit eingezogen zu sein in den Verein aus Neugraben. Besser als auf Rang neun in der Saison 2016/17 wolle man abschneiden, hatte der Präsident verkündet. Angesichts des ambitionierten Plans, der innerhalb von drei Jahren nach dem im Rückzug von Hauptsponsor Aurubis begründeten Zwangsabstieg 2016 die Rückkehr in die Bundesliga vorsah, schien diese Ankündigung hanseatisches Understatement zu sein. Wie man sich täuschen kann!

Nach der ernüchternden 0:3-Niederlage vom vergangenen Sonntag beim BBSC Berlin, den man im Saisonauftaktspiel noch 3:1 bezwungen hatte, steht die Auswahl von Cheftrainer Jan Maier nach 13 von 24 Saisonspielen auf eben diesem neunten Rang. Vor dem Heimspiel gegen Tabellenführer DSHS SnowTrex Köln (Sa, 19 Uhr, CU-Arena) beträgt der Abstand auf den SV Bad Laer auf dem ersten Abstiegsplatz nur einen Zähler. Nach fünf Pleiten in Folge wehrt sich nun auch Coach Maier nicht mehr gegen das Wort „Krise“. „Gegen Köln haben wir das Hinspiel 3:2 gewonnen. Jetzt können wir locker aufspielen, weil keiner etwas von uns erwartet. Aber danach kommen die Spiele, in denen wir punkten müssen, um den Abstand zu den Abstiegsrängen wieder zu vergrößern“, sagt der 45-Jährige.

Damit allerdings wäre noch nicht viel gewonnen. Präsident Stuhrmann hatte intern schon im Sommer damit kalkuliert, mindestens Platz sechs belegen und im Optimalfall sogar um den Aufstieg kämpfen zu können. Sportlicher Erfolg, so war der Plan, hätte helfen sollen, die aus den besten Spielerinnen der Metropolregion Hamburg neu formierte Mannschaft für neue Sponsoren attraktiver zu machen. Von diesem Vorhaben wird man sich verabschieden müssen, und das kann ernste Folgen haben. Weil die Alexander-Otto-Sportstiftung bereits ihren Rückzug zur kommenden Serie angekündigt hat, fehlen 50.000 Euro und damit ein Viertel des 200.000-Euro-Jahresetats. Und weil auch Stuhrmann (70) nicht dauerhaft als Hauptgeldgeber einspringen möchte, droht im schlechtesten Fall sogar das Aus.

„Die Zukunft steht auf der Kippe. Es ist leider eine Option, dass wir nicht weitermachen. Ich rede mit vielen potenziellen Sponsoren, aber aktuell weiß ich nicht, wie wir ohne sportlichen Erfolg den Wegfall von 50.000 Euro kompensieren sollen“, sagt er. Warum der sportliche Erfolg fehlt, obwohl man den Kader deutlich stärker eingeschätzt hatte? „Wir haben die besten Spielerinnen aus der Metropolregion, und sie geben alle ihr Bestes. Dass das nicht für mehr reicht, ist für uns alle enttäuschend, aber wir müssen es akzeptieren. Um bessere Spielerinnen zu holen, fehlt uns das Geld“, sagt der Präsident.

Trainer Maier stehe „zu 0,0 Prozent infrage. Er tut alles, was möglich ist.“ Der Coach, der vor der Saison vom Drittligisten Alstertal-Langenhorn kam und einen Dreijahresvertrag besitzt, strahlt weiterhin die Überzeugung aus, die Saison im gesicherten Mittelfeld beenden zu können. „Wir machen zu wenig Druck und nutzen unsere Chancen nicht. Aber die Mädels arbeiten im Training hart und werden sich bald wieder dafür belohnen“, sagt er. Dazu werde die Rückkehr von Mittelblockerin Anisa Sarac beitragen, die mit einer Schulterblessur monatelang gefehlt hatte. Ihm sei klar, sagt Maier, „dass eine erfolgreiche Mannschaft für Sponsoren interessanter ist als wir im Moment. Aber mein Job ist, die vorhandenen Begebenheiten zu optimieren. Das versuche ich.“ Ob das reicht, um mittelfristig zu überleben, bleibt abzuwarten.