Bischofshofen

Freitag steigt aus, Wellinger lauert

Dem Polen Kamil Stoch ist der Gesamtsieg der Vierschanzentournee – fast sicher

Bischofshofen.  Titelverteidiger Kamil Stoch sprang in der Qualifikation für den letzten Wettbewerb der 66. Vierschanzentournee lässig auf Rang fünf. Der Pole landete bei schwierigen Bedingungen bei 130,0 Meter. Stoch kann am Sonnabend in Bischofshofen (17 Uhr/ARD und Eurosport) Hannawalds bisher einzigartiges Kunststück wiederholen, alle vier Tourneespringen in einem Winter zu gewinnen. Sieger der Qualifikation wurde der Pole Dawid Kubacki mit einem Flug auf 136,0 Metern vor dem Norweger Johann Andre Forfang (135,0).

Bester der sechs verbliebenen deutschen Adler, die sich alle für das Finale qualifizierten, war Vizeweltmeister An­dreas Wellinger (Ruhpolding) auf Rang acht. Nicht mehr am Start erschien Richard Freitag, der nach seinem Sturz in Innsbruck bereits nach dem Frühstück die Heimreise angetreten hatte. Der Führende im Gesamtweltcup trat wegen seiner schmerzhaften Hüftprellungen nicht mehr an. Diese Entscheidung bestätigte der 26-Jährige nach einer weiteren Untersuchung am Freitagvormittag.

„Aktuell macht Skispringen keinen Sinn für mich“, teilte Freitag nach Rücksprache mit dem Mannschaftsarzt Mark Dorfmüller mit. „Ich kann weder in die Anfahrtshocke gehen noch dynamisch einen Sprung auslösen. Daher befolge ich die Empfehlung unseres Teamarztes und lege erst mal eine Pause ein.“ Zunächst wird er zur Physiotherapie in seine neue Heimat Oberstdorf reisen, ein Start beim Weltcup in Kulm (Österreich) am 12. Januar erscheint aber möglich.

Er steige zum ersten Mal aus einer laufenden Tournee aus, sagte Freitag - auch im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar): „Das ist zwar bitter, aber da es in der Saison noch einiges zu holen gibt, wäre es unklug, nicht auf den eigenen Körper zu hören.“ Freitag war bei der Landung seines Sprungs auf 130 Meter im ersten Durchgang in Innsbruck am Donnerstag gestürzt. Damit war auch seine Chance auf den Gesamtsieg geplatzt. Es siegte wie bereits in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen der polnische Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch.

Hinter Wellinger (130,0) überzeugte auch Markus Eisenbichler (Siegsdorf/131,0) in der Qualifikation, Sechster der Gesamtwertung, mit dem neunten Rang. Karl Geiger (Oberstdorf/17.), Stephan Leyhe (Willingen/26.) an seinem 26. Geburtstag, Constantin Schmid (Oberaudorf/33.) und Pius Paschke (Kiefersfelden/44.) sind am Sonnabend ebenfalls dabei. „Alle sechs können noch ihr persönlich bestes Tournee-Ergebnis erzielen. Das ist unser Ziel“, sagte Bundestrainer Werner Schuster.

An Stochs Tourneesieg gibt es kaum noch Zweifel. Das sieht auch Wellinger so, der als Zweiter der Gesamtwertung mit einem Rückstand von 64,5 Punkten oder umgerechnet gut 36 Metern in das Finale in Bischofshofen geht. „Nach vorne geht nichts mehr. Da muss schon etwas Schlimmes passieren, und das wünschen wir Kamil nicht“, sagte er. Schon Platz zwei sei für ihn eine Überraschung: „Ich habe selber blöd geschaut, als ich das gesehen habe.“