Salzburg

Freunde sind in Sorge um Franz Beckenbauer

ARD-Film zeigt, wie die WM-Affäre und private Rückschläge den „Kaiser“ verändert haben

Salzburg. Am Ende ist er doch noch zu sehen. Langsam, weit nach vorne gebeugt, schlurft Franz Beckenbauer aus dem Restaurant von TV-Koch Alfons Schuhbeck und gerät in die Fänge des ARD-Filmteams. Ob er ein Interview geben könnte? „Nein“, entgegnet der verloren gegangene Fußball-„Kaiser“ höflich, „ich muss hier rein.“ Wieder kein Interview. Das geht den Machern des neuen ARD-Films über Franz Beckenbauer („Der Fall des Kaisers“), der am späten Dienstagabend ausgestrahlt wurde (bis 26. Dezember in der ARD-Mediathek), häufiger so. Dennoch schafft der Beitrag eine interessante Annäherung an das jetzige Leben des 72-Jährigen – der einstigen Lichtgestalt, deren radikaler Rückzug nach der WM-Affäre und privaten Rückschlägen Fragen aufwirft.

Freunde und Weggefährten sind irritiert. „Ich mache mir große Sorgen, denn nach allem, was ich höre, ist ein Mensch, der so in der Öffentlichkeit war, wie Franz Beckenbauer das war, jetzt – auf eigene Veranlassung – völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden“, sagt der langjährige Sportkommentator Marcel Reif, der viele Jahre mit Beckenbauer zusammengearbeitet hat. „Der ganze Stress, die ganzen Geschichten, sowohl im Privaten als auch mit der WM-Vergabe 2006, haben ihn mitgenommen“, sagt Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der Beckenbauer kürzlich traf: „Er sieht nicht mehr so frisch aus wie vorher, aber von der Art her, vom Lächeln und von der Unterhaltung her, ist Beckenbauer der Alte.“

Zuvor hatte Uli Hoeneß schon bei einem Fanclub-Treffen gefordert, dass man Beckenbauer in Frieden lassen solle. Er habe „Unglaubliches geleistet, nichts in seine Tasche gesteckt, sich den Arsch aufgerissen“, sagte der Präsident des FC Bayern München. Der „Kaiser“ sei „in Bad Wiessee, also bei mir um die Ecke, in einer Rehaklinik nach seiner schweren Herzoperation“.

Der ARD-Film begibt sich 45 Minuten lang auf Spurensuche und fragt dabei, wann sich die Öffentlichkeit von einem Helden abwendet. Im Oktober 2015 hatte der „Spiegel“ die WM-Affäre um Beckenbauer aufgedeckt. Seitdem fragt sich die Nation, ob mit 6,7 Millionen Euro die WM-Ausrichtung 2006 gekauft wurde. Der frühere DFB-Medien­direktor Harald Stenger glaubt, der Skandal sollte unter den Teppich gekehrt werden, meint aber auch, es sei nichts bewiesen.