München

Heynckes’ Rat an Hasenhüttl

In München kommt es 67 Stunden nach dem Pokalkrimi in der Liga zum Topduell zwischen Bayern und Leipzig

München.  Jupp Heynckes plauderte rund eine halbe Stunde voller Respekt über RB Leipzig und den nächsten Kracher gegen den „Emporkömmling“, bis er sich zum Ende doch noch eine Spitze erlaubte. „Wenn man Spiele verliert, darf man die Schuld nicht immer beim Schiedsrichtergespann suchen, da muss man analysieren: Was habe ich falsch gemacht? Das ist viel produktiver“, sagte der Trainer von Bayern München vor dem Bundesliga-Duell (Sa, 18.30 Uhr/Sky) gegen die Sachsen. Je nach Sichtweise ein Rat oder Seitenhieb Richtung Trainer Ralph Hasenhüttl.

Das giftige DFB-Pokal-Spiel, der glückliche Erfolg der Bayern auch dank Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin), hat in Leipzig tiefe Wunden hinterlassen. Er sei „heiß“ auf die Revanche, sagte Hasenhüttl, und gespannt darauf zu sehen, „wie weit wir wirklich sind, ob wir über 90 Minuten mithalten können“. Am Mittwoch, und das habe ihn „geärgert“, habe Zwayer mit dem Platzverweis gegen Keita die Kräfteverhältnisse zugunsten der Bayern verschoben.

Am Sonnabend steht Daniel Siebert (Berlin) als 23. Mann auf dem Platz, Hasenhüttl wünscht sich von ihm „mehr Fingerspitzengefühl“. Dann sei im vierten Treffen mit dem FC Bayern endlich der Favoritensturz drin. „Wer in Dortmund gewinnen kann, muss auch in München keine Angst haben unterzugehen“, sagte Hasenhüttl. Seine Mannschaft sollte dort wieder im „Vollkampfmodus“ sein, sie werde „mit derselben Forschheit“ auftreten wie zu Hause „und der schwerstmögliche Gegner für Bayern München sein“.

Hasenhüttl, der sich gut gelaunt zeigte, versuchte das Thema Schiedsrichter aber auch herunterzuspielen. Der Ärger nach dem Aus (4:5 i.E.) sei „relativ schnell verflogen“ gewesen, behauptete er, und überhaupt: „Wir sind alle Menschen und machen nicht alles richtig.“ Auch RB könne „ein paar Dinge besser machen“ als am Mittwoch.

Timo Werner etwa, der den entscheidenden Elfmeter vergab. „Timo brennt“, sagte Hasenhüttl, der den Nationalspieler wohl in die Startelf holen wird. Oder Keita. „Er ist im Moment ein bisschen stigmatisiert“, sagte Hasenhüttl nach drei Platzverweisen gegen den Mittelfeldmann binnen sechs Wochen, „es würde mich freuen, wenn er über 90 Minuten zeigen kann, was er draufhat“. Stefan Ilsanker wird dagegen weiter fehlen, Bruma ist fraglich.

Wie Hasenhüttl fiebert auch Heynckes dem Spiel entgegen. Er erwarte zu Beginn einer „sehr wichtigen, außerordentlich schwierigen Woche“ (Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge) mit Spielen bei Celtic Glasgow und Borussia Dortmund ein „genauso enges Spiel“ wie im Pokal, sagte er. Für beide Mannschaften sei es nach dem giftigen Duell von Leipzig „nicht so einfach, wieder zur Normalität zu finden“.

Der Respekt vor dem „Newcomer“ (Heynckes) ist in München noch gewachsen, RB hat sich dem Rekordmeister seit dem ersten Treffen im Dezember 2016 (0:3) über das 4:5 im Liga-Rückspiel und nun im Pokal beständig genähert. In der Tabelle haben die Bayern, die punktgleich mit Spitzenreiter Dortmund Zweiter sind, nur einen Punkt Vorsprung. Rummenigge erwartet einen Dreikampf um den Titel, wie er im Bayern-Magazin schrieb. Alle drei Topteams hätten „das Potenzial, langfristig dort oben zu stehen. Es wird sicher eine spannende und emotionale Meisterschaft.“ Nur Hasenhüttl wollte da nicht mitgehen. Leipzig als möglicher Meister? „Ach, das ist noch weit...“, sagte er. Ein Sieg gegen die Bayern würde ihm erst mal reichen.