Lehrgang

Glinder Judo-Zwillinge trainieren in Japan

Für Mascha (l.) und Seija Ballhaus ist 2017 das sportlich erfolgreichste Jahr. Die Schwestern treten in unterschiedlichen Gewichtsklassen an

Für Mascha (l.) und Seija Ballhaus ist 2017 das sportlich erfolgreichste Jahr. Die Schwestern treten in unterschiedlichen Gewichtsklassen an

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Die 17 Jahre alten Mascha und Seija Ballhaus reisen zum dreiwöchigen Lehrgang nach Tokio. Ihr Gymnasium schickt sechs Klausuren zu.

Glinde.  Die japanische Küche bereichert schon länger den Speiseplan von Seija und Mascha Ballhaus. Sushi steht dabei weit oben auf der Liste der Lieblingsgerichte. Mutter Ballhaus bereitet zu Hause ab und an selbst die japanische Spezialität aus erkaltetem Reis und Zutaten wie rohem oder geräuchertem Fisch zu. Mascha lacht und sagt: „Bald können wir die Fähigkeiten meiner Mutter direkt vor Ort einer Qualitätsprüfung unterziehen.“

Der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat die Zwillingsschwestern aus Glinde für Mitte November zu einem dreiwöchigen Lehrgang nach Tokio, der Hauptstadt Japans, eingeladen. Seija und Mascha sorgten zuletzt bei den U18-Weltmeisterschaften in Santiago de Chile mit dem Gewinn einer Gold- und einer Silbermedaille für eine faustdicke Überraschung.

Einmal in der Woche Training in Glinde

Seija, die den Titel in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm holte, benötigte Wochen, um den Triumph zu realisieren. „Die erste Zeit fühlte sich alles noch so unwirklich an“, sagt die 17 Jahre alte Weltmeisterin. „Mittlerweile bin ich einfach nur stolz, den Titel ein Leben lang tragen zu dürfen.“ Schwester Mascha, die eine Gewichtsklasse (bis 48 Kilogramm) niedriger kämpft, sicherte sich in Chile die Silbermedaille.

Einmal in der Woche trainieren die Glinder Schwestern bei ihrem ehemaligen Verein TSV Glinde. Wettkämpfe bestreiten sie seit zwei Jahren für den TH Eilbeck. Slavko Tekic hält die Reise in das Mutterland des Judosports für den nächsten wichtigen Schritt auf der Erfolgsleiter. „Seija und Mascha werden bei dem Lehrgang sehr wichtige Erfahrungen sammeln“, sagt der Hamburger Landestrainer, der beide Teenager seit drei Jahren mitbetreut. „Auch wenn es zurzeit noch mehr eine Vision ist, sowohl Seija als auch Mascha sollten sich als realistisches Ziel die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio setzen.“

Zwillinge schreiben sechs Klausuren in Japan

Was genau die beiden Glinderinnen in wenigen Wochen in der Neun-Millionen-Metropole erwartet, können sie nur schwer einschätzen. „Es wird anstrengend, das ist sicher“, sagt Mascha. Seija fügt hinzu: „Da wir in Schulen untergebracht sind und mit bis zu acht Lehrgangsteilnehmern in einem Zimmer schlafen, könnten wir Probleme bekommen, uns auch noch auf die eigenen schulischen Anforderungen zu konzentrieren.“

Mit dem Gymnasium Glinde trafen beide für die Zeit ihrer Abwesenheit eine Vereinbarung. Sechs Klausuren schreiben sie in Tokio unter den gleichen Prüfungsbedingungen, die auch für ihre Klassenkameraden in der Heimat gelten. „Unter Aufsicht bekommen wir 90 Minuten Zeit für die Aufgaben, ehe sie umgehend zurück an das Gymnasium geschickt werden.“

Seija und Mascha steigen in die nächste Altersstufe auf

Sportlich bietet der Japan-Aufenthalt einen weiteren Reiz, da sich zur gleichen Zeit auch die weltbesten Judokämpfer in Tokio zu einem eigenen Lehrgang einfinden. „Die Möglichkeit, ihnen beim Training oder Wettkampf zuzuschauen, erhält ein junger Sportler auch nicht alle Tage“, sagt Mascha. Für sie und ihre Schwester ist die dreiwöchige Reise aber auch eine finanzielle Herausforderung. Der DJB übernimmt zwar einen Teil der Kosten, jeweils 1200 Euro für Seija und Mascha muss Familie Ballhaus aber beisteuern. „Judosport auf dem Niveau zu betreiben ist teuer“, sagt Mascha. „Ein Sponsor würde uns erheblich entlasten.“

Befürchtungen als Welt- oder Vizeweltmeister bei Wettkämpfen demnächst auf übermotivierte Gegner zu treffen, haben die beiden Teenager nicht. „Kommendes Jahr steigen wir in die Altersklasse U21 auf, da werden die Karten neu gemischt“, sagt Seija. „Als jüngerer Jahrgang zählen wir sowieso nicht mehr zum engeren Favoritenkreis.“

Dass gleich beide Schwestern im Judosport von Erfolg zu Erfolg eilen, führt Mascha nicht auf dieselben Gene zurück. „Als Schwestern verbringen wir viel Zeit miteinander“, sagt die 17-Jährige. „Gegenseitig pushen wir uns immer wieder zu neuen Höchstleistungen.“ Seija schmunzelt und sagt: „Sobald Mascha sich ihre Joggingschuhe schnappt und eine Runde laufen geht, bekomme ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich faul auf der Couch liegen bleibe.“